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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: Reizwäsche beim Brasilianer Erik da Silva
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14:54 26.06.2014
Eröffnet in zwei Wochen in Göttingen eine Boutique für Reizwäsche, Dessous und Bademoden: der Brasilianer Erik da Silva. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Göttingen. Er ist ein Tausendsassa, ein Paradiesvogel. Aber keiner, der in den Tag hineinlebt. Im Gegenteil: Nach seiner Ausbildung zum Raumausstatter hat Erik da Silva als Eventmanager, Verkäufer, Betreuer von Profifußballern und als Dessous-Händler gearbeitet. In Kürze wird der Brasilianer, der heute seinen 33. Geburtstag feiert, ein eigenes Geschäft in Göttingen eröffnen.

Geboren wurde da Silva in Sao Luis, einer wunderschönen Küstenmetropole im Norden Brasiliens (die Innenstadt ist Weltkulturerbe). Seine Eltern waren konservative, strenggläubige Baptisten. Der Sohn sollte etwas Ordentliches lernen.

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Wenig später war Hochzeit

Aber nach der vierjährigen Ausbildung ging der junge Mann seinen eigenen Weg, organisierte Partys, Events, Modenschauen und Schönheitswettbewerbe. Jedes Jahr besuchte er das „Caliente“ in Zürich, Europas größtes Festival für Latino-Musik. 2004 erfüllte sich dort sein Schicksal: Er lernte einen Deutschen kennen und lieben, zog mit ihm nach Frankfurt. Wenig später war Hochzeit.

Lang hielt die Ehe nicht. Da Silva ging nach Berlin, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Verkäufer, bis er ein neues Geschäftsfeld entdeckte: die Betreuung von brasilianischen Profifußballern. Ganz große Namen waren nicht darunter, die Bundesligisten kümmern sich selber um ihre Neuzugänge. Aber bei den Clubs der zweiten und dritten Liga sprang da Silva ein, half seinen Landsleuten, sich in neuer Umgebung zurechtzufinden.

Seine große Leidenschaft

2009 zog er nach Göttingen, weil er regelmäßig durch Deutschland und ins benachbarte europäische Ausland reiste und die Leinestadt durch ihre zentrale Lage den optimalen Ausgangspunkt für seine Touren darstellte. Allzu einträglich war die Tätigkeit allerdings nicht. Also dachte da Silva über ein neues Betätigungsfeld nach. Rasch hatte er sich auf das besonnen, was immer seine große Leidenschaft war – die Mode.

Seit April ist er mit einem Shop für Dessous, Korsagen, Kleider, Tops, Catsuits und Kostümen online (dasilva-mode.de). Wer möchte, kann ihn zu Damenpartys einladen, auf denen er sein Sortiment präsentiert. Außerdem reist er kreuz und quer durch die Republik und offeriert seine Ware den Mitarbeiterinnen erotischer Etablissements, Saunen und Clubs. In Kürze wird er ein Geschäft im Papendiek 3 eröffnen: „Da Silva Mode – Reizwäsche, Dessous & mehr“.

„Ein Lieferant hat mich hängen lassen“

Eigentlich könnte Anfang nächster Woche die Eröffnung sein. Doch „ein Lieferant hat mich hängen lassen“, bedauert da Silva die Verschiebung um circa zwei Wochen. Neben Dessous will er Schuhe, Schmuck, Strandmode und Bikinis anbieten, „ausschließlich Qualitätsware, und zwar für alle Größen, von extra small bis XXXL“.

Da Silva ist froh, in Göttingen zu leben. Der Stadt wohne Magie inne. Die kalten Winter allerdings stören ihn: „In Sao Luis fällt die Temperatur nie unter 20 Grad.“ Positiv überrascht ist er, dass viele Brasilianer in Göttingen wohnen. Mit seinen Landleuten schaut er denn auch die Weltmeisterschaft, im La Vida oder im Monro’s Park.

„Untalentierten Fußballer“

Sein Geburtsland ist für den begeisterten Fitness-Sportler und „untalentierten Fußballer“ Favorit Nummer eins. Deutschland komme gleich danach. Die Frage, was passiert, wenn Brasilien vorzeitig ausscheidet, ist ihm sichtlich unangenehm. Da Silva zögert, runzelt die Stirn: „Das kann nicht passieren.“

Von Hauke Rudolph