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Jahr der Genossenschaften 165 Jahre deutsche Genossenschaften
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19:45 04.04.2012
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1847 gründeten die Sozialreformer Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen unabhängig voneinander die ersten Genossenschaften im deutschsprachigen Raum. Ob Bioenergiedorf, Dorfladen, Hallenbad- oder Schülergenossenschaft: Nach Jahrzehnten, in denen die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (e. G.) ein etwas verstaubtes Image hatte, scheint der Grundgedanke – vielleicht auch gerade angesichts der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise – aktueller denn je. Mehr als 600 Genossenschaften wurden laut Deutschem Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) in den vergangenen drei Jahren gegründet.

Friedrich W. Raiffeisen

Im Verlauf ihrer etwa 150-jährigen Geschichte haben sich Genossenschaften in verschiedensten Märkten und Bereichen etabliert. Dabei gilt bei allen Genossenschaften, dass die Mitglieder zugleich Eigentümer und Kunden ihrer Genossenschaft sind (Identitätsprinzip).
Ein genossenschaftlicher Zusammenschluss ist immer dann von Vorteil, so der DGRV, wenn das Verfolgen eines wirtschaftlichen Ziels die Leistungsfähigkeit des Einzelnen übersteigt, zugleich aber eine Selbstständigkeit gewahrt werden soll. So lassen sich beispielsweise beim gemeinsamen Einkauf Kostenvorteile erzielen, und ein gemeinsamer Auftritt am Markt ermöglicht günstigere Absatz- und Beschaffungskonditionen. In Deutschland ist die Genossenschaftsgruppe die mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation. Mit rund 20 Millionen Mitgliedern und etwa 800 000 Mitarbeitern in mehr als 7500 Genossenschaften gelten sie als bedeutender Faktor für die Gesellschaft und die mittelständische Wirtschaft.

Hermann Schulze-Delitzsch

Die Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen werden mit solidem, verantwortlichem und eher langfristigem Wirtschaften in Verbindung gebracht. Sie fördern ihre Mitglieder und sind in den Regionen verwurzelt. In verschiedensten Bereichen und Branchen vertreten, lassen sich Genossenschaften in fünf Sparten zusammenfassen: Genossenschaftsbanken (1138 deutsche Volksbanken und Raiffeisenbanken mit rund 16,7 Millionen Mitgliedern), Raiffeisen-Genossenschaften, gewerbliche Genossenschaften, Konsum- sowie  Wohnungsgenossenschaften (rund 3,2 Millionen Mitglieder, Bewirtschaftung von etwa zehn Prozent der Mietwohnungen in Deutschland).

Die neu gegründeten Genossenschaften stellen sich in unterschiedlichen Geschäftsmodellen aktuellen Herausforderungen. So finden sich Genossenschaften bei der dezentralen Verbreitung erneuerbarer Energien und der Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung.
Auch selbstbestimmtes Wohnen im Alter, energetische Sanierung von Wohnungsbeständen, kommunale Daseinsvorsorge und ländliche Nahversorgung (Dorfläden) findet sich in genossenschaftlichen Kooperationen wieder. Die Gründung einer Genossenschaft wird von den Genossenschaftsverbänden unterstützt.   genossenschaften.de

Von Karola Hoffmann