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Jahr der Genossenschaften Attraktiv durch „grundsolides Wirtschaften“
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06:17 09.07.2012
Pressesprecherin des Genossenschaftsverbandes: Ute Delimat.
Pressesprecherin des Genossenschaftsverbandes: Ute Delimat. Quelle: CH
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Göttingen

Jeder vierte Deutsche ist Mitglied einer Genossenschaft. Keine andere Rechtsform von Unternehmen ist in der Bundesrepublik so tief in der Gesellschaft verankert. Trotzdem stehen Genossenschaften in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten der börsennotierten Aktiengesellschaften, meint Ute Delimat vom Genossenschaftsverband (Neu-Isenburg). Die Unternehmen seien aufgrund ihres bedächtigen, grundsoliden Wirtschaftens nicht so schlagzeilenträchtig. Es gebe keine atemberaubende Dividenden, aber auch keine spektakulären Massenentlassungen, meint Delimat. 

Seit der Finanzmarktkrise hat die Rechtsform der Genossenschaft aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stabilität an Attraktivität gewonnen. Nur 0,1 Prozent dieser Unternehmen müssen Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens stellen. Die Vereinten Nationen haben die Genossenschaften deshalb als die sicherste Unternehmensform eingestuft.

Businessplan

„Noch vor der Gründung ist dem Verband ein Businessplan vorzulegen“, erläutert Delimat. Nur wenn das Konzept überzeuge, könne eine Genossenschaft entstehen. In den kommenden Jahren prüfe der Verband die Unternehmen regelmäßig und weitaus gründlicher, als das in der Wirtschaft sonst üblich sei. Der Vorstand müsse die Berichte den Mitgliedern vorlegen.

Die neue Attraktivität der Genossenschaften hat auch mit der Geldknappheit des Staates zu tun. Die Prinzipien einer Genossenschaft sind Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. So sahen es die Sozialreformer Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Raiffeisen. Wenn die Kommune Schwimmbäder schließen will, springen die Bürger ein. Fünf Genossenschaftsbäder gibt es mittlerweile in Niedersachsen. Vorreiter war das Hallenbad in Nörten-Hardenberg. Genossenschaften  können auch die Abwasserentsorgung oder das Stadtmarketing übernehmen.

Basisdemokratische Überzeugungen

In der Landwirtschaft und im Bankenwesen ist der genossenschaftliche Gedanke seit 165 Jahren verankert. Andere Branchen entdecken ebenfalls die Vorteile der Rechtsform. Delimat nennt Steuerberater,  Rechtsanwälte und EDV-Spezialisten. In der Region Hannover/Hildesheim gründeten 30 Apotheker die Genossenschaft Apogen. Ärzte beschaffen gemeinsam teure Diagnosegeräte, was die Kosten senkt und die Auslastung verbessert. Die Tageszeitung Taz aus Berlin hat sich als Genossenschaft organisiert, was den basisdemokratischen Überzeugungen der Journalisten entspricht. Um jungen Menschen den Gedanken nahe zu bringen, sind in Niedersachsen in den vergangenen Jahren 55 Schülergenossenschaften entstanden. Sie organisieren zum Beispiel Schulfeste. „So bieten wir eine Alternative zu den vielen Börsenspielen“, erläutert Delimat. 

Der Genossenschaftverband ist für 13 Bundesländer zuständig. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo es besonders viele Genossenschaften gibt, haben ihre eigenen Verbände. Der Verband wird von 1900 Genossenschaften getragen, die zusammen 4,3 Millionen Mitglieder haben und 84 000 Menschen beschäftigen.

Kontaktdaten

Genossenschaftsverband e.V.
Wilhelm-Haas-Platz
63263 Neu-Isenburg
Telefon: 069 / 69 78-34 92
Fax: 069 / 69 78-42 34 92
E-Mail: kontakt@genossenschaftsverband.de
Internet: genossenschaftsverband.de

Von Michael Caspar