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Jahr der Genossenschaften Gemeinsam leben, genießen und alt werden
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16:33 15.06.2012
Von Hanne-Dore Schumacher
Vor ihrem altengerechten, barrierefreien Haus auf dem Kleinen Horbeck: Ulla Klapproth und Manfred Müller.
Vor ihrem altengerechten, barrierefreien Haus auf dem Kleinen Horbeck: Ulla Klapproth und Manfred Müller. Quelle: soz
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Gillersheim

Nicht im Altenheim oder in einer Seniorenresidenz, sondern gemeinsam mit anderen, gleichgesinnten, ökologisch orientierten Menschen wollen sie den Alltag auch im Alter bewältigen. Ein „integratives Wohnprojekt“ ist die Idee, die sie realisieren wollen, solange sie „noch fit in der Birne sind“. Keine Wohngemeinschaft sollte es sein. Darin hatten beide, auch unabhängig voneinander, fast 40 Jahre gelebt. Abgetrennte Wohneinheiten mit eigener Küche und eigenem Bad lauteten die Pläne. Gemeinsam mit Freunden haben die Eheleute 2006 dann den Entschluss gefasst, ihr generationsübergreifendes Projekt unter dem Dach einer Genossenschaft zu verwirklichen – in Gillersheim auf dem Kleinen Horbeck.

„Die Formalitäten waren schrecklich“, erinnert sich Klapproth. 36 Seiten Satzung, Anschluss an den Genossenschaftsverband, Kontrolle, Beratung, schließlich die Anerkennung. Und dann der Wirtschaftsplan. Ein Vorstand musste ernannt, ein Aufsichtsrat gewählt werden. „Manchmal fluche ich“, sagt Klapproth über den vielen Papierkram.

Im April 2009 wurde die Wohnungsgenossenschaft  A.G.I.L. (Aktives Gemeinschaftliches Integratives Leben) ins Handelsregister eingetragen. Vorstände sind seitdem Ulla Klapproth, Peter Rode und Martin Hass. Den Aufsichtsrat bilden Frank Kürpiers (Vorsitzender), Manfred Müller und Christine Kranz. 25 Mitglieder mit 39 Anteilen hat die Genossenschaft aktuell. Die Mitgliedschaft kostet 550 Euro. Der Preis pro Quadratmeter Wohnfläche ist mit 600 Euro als unverzinsliches Darlehen angesetzt, das bei Auszug oder Tod ausgezahlt werde, auch an Erben. „Die Nutzungsentgelte richten sich nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten“, erläutert Klapproth das „Solidarprinzip“.

Der riesige Holzbackofen steht

Die ersten zwei Wohneinheiten sind bereits bezogen, und auch das Gemeinschaftshaus („Herzstück des Projektes“) mit Gemeinschaftsräumen, Großküche, Seminar- und Spielzimmern ist fertig. Der riesige Holzbackofen steht, und der Weinkeller, ein Lieblingsprojekt von Klapproth, ist gefüllt, auch mit Kartoffeln und Gemüse.

Bauen will die Genossenschaft nach Bedarf. Weitere Interessenten gebe es schon, berichten die Initiatoren, die in Gillersheim 1989 bereits den „Verein Treffpunkt“ (Integration vor Ort) mit heute 100 Mitgliedern und 13 Beschäftigten Im Siek 10 gegründet haben. Dort hat Müller auch seine Arztpraxis und Klapproth ihre Beratungsstelle. Ein Hektar Bauland steht der Genossenschaft zur Verfügung. Erste Bewohner sind Klapproth, Müller und der Sporttherapeut Stefan Krause. „Wenn ich ein Pflegefall bin, dann komme ich zu euch“, hatten Interessenten auf einem Info-Abend gesagt. Das jedoch ist nicht die Intention des Projekts, stellt Klapproth klar. Erst müsse alles richtig funktionieren, dann könne die integrative Arbeit beginnen. „Wir müssen das gemeinsam als Gruppe auch wuppen können“, ist Klapproth wichtig.

Für das Versorgungssystem (etwa die Pflege) wolle man sich nach Bedarf externe Unterstützung holen. Nach dem Prinzip der Nachbarschaftshilfe wolle man zusammen leben, sich gegenseitig helfen, etwa beim Einkauf oder der Kinderbetreuung. Das Genossenschaftsmodell sei nicht aus Kostengründen gewählt worden, stellt Klapproth gegenüber Interessenten klar. Man spare nicht dadurch, könne aber den Schutz der Genossenschaft genießen. Reparaturen, Modernisierungen und Erneuerungen übernehme die Genossenschaft, die Gemeinschaft.

A.G.I.L. – Aktives Gemeinschaftliches Intergratives Leben eG
37191 Gillersheim, Kleiner Horbeck
Büro: 0 55 56 / 15 66
ulla.klapproth@paritaetischer.de
Informationstag: Sonnabend, 16. Juni, ab 15 Uhr.