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Jahr der Genossenschaften Jühnder Genossen schreiten mutig voran
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19:44 04.04.2012
Sorgt auch außerhalb Deutschlands und Europas für Aufsehen: die Biogasanlage in Jühnde, im wohl bekanntesten Bioenergiedorf Deutschlands.
Sorgt auch außerhalb Deutschlands und Europas für Aufsehen: die Biogasanlage in Jühnde, im wohl bekanntesten Bioenergiedorf Deutschlands. Quelle: Hinzmann
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Jühnde

Eine Genossenschaft zu gründen, das erschien den Initiatoren des Bioenergiedorfs Jühnde zunächst abwegig. „Passt denn so eine altmodische Rechtsform zu unserem innovativen Projekt?“, fragten sie sich. Andreas Eisen vom Genossenschaftsverband aus Hannover bejahte das und verwies darauf, dass die gesetzlichen Grundlagen modernisiert worden seien. Als die Jühnder dann die Vor- und Nachteile der Rechtsform mit denen der bisher bevorzugten GmbH & Co. KG verglichen, schlug die Stimmung auch bei den Zweiflern um. Am Ende wollten knapp 80 Prozent der Beteiligten Genossen werden.

„Dabei spielte eine Rolle, dass es im Dorf früher viele Genossenschaften gegeben hat“, erzählt Aufsichtsratsmitglied Manfred Menke. Es gab eine Genossenschaft für die Besamungsbullen und eine Gefriergenossenschaft. Auch die Bank war so organisiert. Vielen gefiel zudem, dass im höchsten Beschlussorgan, der Generalversammlung, jeder jeweils nur eine Stimme hat, egal wie groß das von ihnen gezeichnete Kapital ist. Zudem ist bei einer Genossenschaft ausgeschlossen, dass sich ein international agierender Hedgefonds in Jühnde einkauft und dann alles übernimmt.

„Trotzdem war viel Überzeugungsarbeit zu leisten“, erinnert sich Vorstand Eckhard Fangmeier. Er besuchte mit dem damaligen Bürgermeister August Brandenburg die Menschen zu Hause. Einigen war das Projekt nicht geheuer. „In einem Fall bekam ich sogar Hausverbot“, berichtet Menke. Dort leistete die Ehefrau Widerstand. Einige Monate später rückte der Ehemann während einer Geburtstagsfeier immer dichter an Menke heran und teilte ihm schließlich mit, dass seine Frau zur Einsicht gekommen war. Nun wollten sie doch mitmachen.

Mittlerweile hat die 2004 gegründete Genossenschaft 194 Mitglieder. 70 Prozent des Dorfes beziehen von ihr Wärme. Die übrigen 30 Prozent sind nicht alle Projektgegner, betont Fangmeier. Aber ein Anschluss rechne sich nicht überall.

Aufsehen über Deutschland hinaus

Die Biogasanlage, die über Deutschland hinaus Aufsehen erregt, macht die Jühnder heute stolz. „Es wird genau beobachtet, wenn wieder japanische Besuchergruppen im Dorf unterwegs sind“, erzählt der Vorstand. Auch den Verantwortlichen macht der Kontakt zu den Gästen Freude. „Die Mentalitäten sind ganz unterschiedlich“, hat Fangmeier beobachtet. Eine Gruppe aus Russland konnte zum Beispiel nicht glauben, dass das Projekt aus Eigeninitiative der Bürger entstanden ist. Sie fragten mehrfach, welche staatliche Stelle den Bau angeordnet habe. Im Nachhinein staunen die Initiatoren über ihren Mut. „Als wir begannen, gab es 500 solcher Anlagen in Deutschland, von denen allerdings keine ein Dorf mit Wärme versorgte“, weiß Fangmeier.

Die Technik ist noch nicht ausgereift gewesen. Das Methan, das in der Anlage durch Vergärung von Mais entsteht, ist ein aggressives Gas. Es zerfrisst Materialien regelrecht. Entsprechend groß ist der Verschleiß etwa beim Rührwerk. Die Betreiber haben lernen müssen, dass sie nur die besten und damit teuersten Teile verbauen sollten. Nur so lassen sich Pannen vermeiden. Einen Ausfall der Anlage über mehrere Wochen kann sich die Genossenschaft nicht erlauben. Schon gar nicht im Winter.

Akteure der Genossenschaft: Manfred Menke, Eckhard Fangmeier und Oliver Brenneken (v. l.).

„Die Anlaufschwierigkeiten haben dazu beigetragen, dass wir erst 2010 erstmals eine Dividende ausschütten konnten“, räumt der Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Brenneken ein. Eine hohe Verzinsung ist allerdings auch nicht das Ziel. Die Genossen sollen ihre Häuser für günstiges Geld heizen. Und die Landwirte, die ebenfalls Genossen sind, erhalten für die angelieferte Silage eine anständige Bezahlung.

„Ein Vorteil der Genossenschaft besteht darin, dass sich alle verantwortlich fühlen“, meint Vorstand Fangmeier. Die Menschen bringen sich mit ihren Anregungen ein. Auf einen solchen Vorschlag hin wurde mit den Wärmeleitungen auch ein Glasfasternetz verlegt.

Die Jühnder verhandeln mit der Telekom über einen Anschluss an die in der Nähe verlaufende Datenverbindungsleitung. „Es ist allerdings schwer, bei der Telekom jemanden für so ein Projekt zu gewinnen“, sagt der Vorstand.

Von Michael Caspar

Bioenergiedorf

Förderverein Bioenergiedorf Jühnde e.V., Koppelweg 1, 37127 Jühnde.
e-mail: foerderverein-at- bioenergiedorf.de
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Bioenergiedorf Jühnde Touristik, Koppelweg 1, 37127 Jühnde
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