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Jahr der Genossenschaften Naturgucker wollen es genau wissen
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15:53 08.06.2012
Gründer der gemeinnützigen Genossenschaft Naturgucker.de: Stefan Munzinger.
Gründer der gemeinnützigen Genossenschaft Naturgucker.de: Stefan Munzinger. Quelle: mic
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Langenholtensen

„Eine Amsel von einer Krähe zu unterscheiden, fällt mittlerweile sogar studierten Biologen schwer“, lästert Stefan Munzinger (51) aus Langenholtensen. Im Studium gehe es heute vor allem um genetische Codes. Die Beobachtung der Natur verschwände auch in den Schulen vom Lehrplan. „Und dann wundern wir uns, dass Kinder immer weniger Bezug zur Natur haben“, sagt Munzinger, der als freiberuflicher Biologe arbeitet. Um gegenzusteuern hat er im Juli 2007 zusammen mit drei Mitstreitern und den Ehefrauen die gemeinnützige Genossenschaft naturgucker.de gegründet. Es handelt sich um eine Internetplattform, die von Gründungsmitglied Reinhard Lanzhammer (51) entwickelt worden ist. Dort kann jeder Naturbeobachtungen veröffentlichen. 7000 Menschen nutzen dieses Angebot mittlerweile aktiv. Eine wichtige Gruppe sind dabei Hobbyfotografen, die Tier- und Pflanzenaufnahmen einstellen.

175 000 solcher Bilder gibt es bereits auf der Seite zu sehen. Spaziergänger oder Hundehalter, die regelmäßig draußen unterwegs sind, berichten, wenn sie einen Specht oder einen Kuckuck gehört haben. „Die Beschreibungen sind Zufallsbeobachtungen, die zudem nicht die Anforderungen an eine wissenschaftliche Dokumentation erfüllen“, räumt Munzinger ein. Doch wer Laien als erstes ein dickes Buch zur korrekten Kartierung des Wildlebens in die Hand drücke, lösche bei den meisten jedes Interesse an einer weiteren Mitarbeit aus.

Austausch fördern

Die Plattform fördert zudem den Austausch untereinander. Fragen zu ungewöhnlichen Beobachtungen sind erwünscht. „Unsere Plattform wird von vielen klassisch ausgebildeten Biologen genutzt“, betont der Langenholtenser. Im Fachbeirat sitzen 30 ausgewiesene Experten. Mitgründer Thomas Griesohn-Pflieger (58) gehört zu den deutschen Fachjournalisten im Bereich der Vogelkunde. Der promovierte Biochemiker Manfred Hennecke (59 und Gründungsmitglied) war als junger Mann im Deutschen Jugendring für Naturbeobachtung aktiv. Auf der Seite der Genossenschaft sind bereits 260 000 Tier- und Pflanzenarten identifiziert worden.

Bis heute sind 2,8 Millionen Beobachtungen zusammengekommen. Datenmengen sind für Naturschutzverbände von Interesse. Behörden fragen bei den Verbänden an, wenn zum Beispiel ein Windpark, eine Stromtrasse oder ein Logistikzentrum entstehen soll. Oft können die Naturschützer aufgrund der natürlichen Gegebenheiten bestimmte Dinge vorhersagen: Zugstraßen von Kranichen oder Brutgebiete der Feldlerche. Die Behörden verlangen aber konkrete Daten. Genau solche Angaben bietet die Plattform.

Von Naturschutzverbänden geschätzt

„Die Naturschutzverbände schätzen unsere Seite auch deshalb, weil sie dort mit naturverbundenen Menschen in Kontakt kommen können“, sagt der Biologe. Das sei um so wichtiger, als bei den Verbänden die Mitgliedszahlen zurückgingen. So arbeite die Genossenschaft heute mit 60 Naturschutzorganisationen zusammen. Besonders enge Kontakte gebe es zu Landesverbänden des Naturschutzbunds. Und warum haben die Gründer für ihre Internetplattform die Rechtsform der Genossenschaft gewählt? „Um den technischen Betrieb zu finanzieren, benötigen wir Werbeeinnahmen“, erklärt Munzinger. 100 000 verschiedene Personen besuchten im Laufe eines Jahres die Seite. Wären sie ein Verein, müssten sie eine GmbH ausgründen. Dafür seien aber 12 500 Euro Eigenkapital notwendig. Zudem müsse man bei der Aufnahme jedes neues Gesellschafters zum Notar. So hätten sie sich für die Rechtsform der gemeinnützigen Genossenschaft entschieden. Alle arbeiteten ehrenamtlich.

Naturgucker.de
Gemeinnützige e.G.
Am Kirchtal 9
37154 Northeim
Telefon: 0 55 51 / 91 19 31
E-Mail: s.munzinger@naturgucker.de
Vorstand: S. Munzinger

Von Michael Caspar

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