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Jahr der Genossenschaften „Parimal ist ein Marktplatz der Möglichkeiten“
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06:18 14.05.2012
Idyllisch gelegen unterhalb der Burg Berlepsch: Parimal Gut Hübenthal.
Idyllisch gelegen unterhalb der Burg Berlepsch: Parimal Gut Hübenthal. Quelle: Vetter
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Witzenhausen

Inmitten des nordhessischen Berglandes in einem Ortsteil Witzenhausens liegt das Parimal Gut Hübenthal. Auf dem ehemaligen Gutshof unterhalb von Schloss Berlepsch hat sich seit den 1980-er Jahren eine der größten vom indischen Mystiker Osho inspirierten Gemeinschaften in Europa entwickelt.

In den vergangenen 30 Jahren haben die „Parimalis“ den ehemaligen Gutshof, dessen Bewirtschaftung bereits in den 1960-er Jahren aufgegeben wurde, zu neuem Leben erweckt und ein professionell geführtes Seminarhaus aufgebaut. Die große Wende begann damit, dass Sittich Graf von Berlepsch, inspiriert durch seine Begegnung mit dem östlichen Mystiker Osho (ehedem „Bhagwan“ genannt), 1980 auf dem Schloss eine Kommune gründete.

Zwei Jahre später mietete eine Gruppe von Sannyasins eines der Gebäude, berichten die Vorstände der Genossenschaft Brigitte Bialek und Andreas Koch. Die Gemeinschaft fing an, Meditationen anzubieten. 1985 startete der Seminarbetrieb.

Viele Jahre fand das Gemeinschaftsleben in gemieteten Räumen statt. Im Jahr 2005 wurde ein gemeinnütziger Verein zum Kauf eines Meditationsraumes gegründet. 2007 beschloss die Gemeinschaft, weitere Räume zu erwerben. 35 Mitglieder der Lebensgemeinschaft gründeten zu diesem Zweck im selben Jahr die Genossenschaft Parimal Gut Hübenthal e.G. Diese kaufte 2008 eine Etage eines an der Straße gelegenen Gebäudes. Eine große Küche, ein Speiseraum, ein Gemeinschaftsraum und weiterer Wohnraum entstanden.

Mittlerweile zählt die Genossenschaft etwa 115 Mitglieder, die rund 120 Anteile gezeichnet haben. „Wir sehen uns als eine Form des Zusammenlebens, und die Genossenschaft ist die wirtschaftliche Grundlage, um in einer größeren Anzahl von Menschen zusammenzuleben und gemeinsam etwas zu erwirtschaften“, erklären die Vorstände.

Auch wenn sich die Lebensgemeinschaft seit Jahren für verschiedene spirituelle und therapeutische Strömungen sowie die akademische Welt öffne, zudem Volontäre aufnehme, bleibe eines bestehen: „Die Wurzeln liegen in der Sannyasin-Bewegung.“

„Wir sind vieles“, erklärt Koch. Das heißt: Eine spirituelle Lebensgemeinschaft von 65 Menschen, die jeder autark für sich wohnen.

Im Meditationsraum: Brigitte Bialek und Andreas Koch.

Ein Seminarhausbetrieb, in dem mehr als 100 Workshops, Tagungen und Seminare pro Jahr stattfinden, zudem Festivals und Konzerte, und der für Gäste Zimmer mit insgesamt 54 Betten bereithält. Außerdem gehört zur Parimal-Gemeinschaft ein Meditationszentrum in dem täglich Yoga und andere Aktivitäten angeboten werden. Koch: „Wir sind letztlich ein Wirtschaftsbetrieb, aus dem etwa 15 Personen ein direktes Einkommen haben.“ Indirekt profitierten zahlreiche Mitglieder etwa durch das Hofcafé und heilberufliche Behandlungen.

Der Immobilienwert der Räume der Genossenschaft liege inklusive des Ausbaus bei rund 500 000 Euro. Zudem hätten Miteigentümer der Genossenschaft inzwischen mehrere Millionen Euro in die Anlage investiert. Stall- und Lagergebäude wurden zu Wohnungen, Seminar- und Meditationsräumen sowie zu Gästezimmern umgebaut.„Eine Genossenschaft ist verbindlicher als ein Verein.“ Durch regelmäßige Prüfungen sei die Rechtsform auch sicherer als andere Konstrukte, erläutert Koch die Vorteile.

Die Genossenschaft diene zur Aufrechterhaltung eines Seminarbetriebes und zur Schaffung eigenen Wohnraums. „Die Genossenschaft ist die wirtschaftliche Grundlage des Gemeinschaftsleben“, erklärt Koch. „Das Parimal ist ein Marktplatz der Möglichkeiten.“ Doch sei jedem selbst überlassen, Angebote zu nutzen. „Hier beruht alles auf Freiwilligkeit.“

Von Karola Hoffmann

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