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Kitastreik 200 Erzieher und Sozialarbeiter im Raum Göttingen legen Arbeit nieder
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20:25 08.05.2015
Von Ulrich Schubert
Eltern und Kinder fordern Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler auf, sich für die Kita-Erzieher einzusetzen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Vor dem Neuen Rathaus demonstrierten am Morgen mehr als 200 Streikende und Unterstützer.

Auf Transparenten und in Redebeiträgen forderten sie eine Aufwertung ihrer Berufe und höhere Gehälter. Die Anforderungen hätten sich massiv geändert, die Löhne seit Jahrzehnten nicht. „Soziale Arbeit ist heute mehr Wert“, appellierte die Gewerkschaftssekretärin Julia Niekamp an die Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber in den Tarifrunden.

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Zeitgleich besetzten etwa 70 Eltern und Kinder als Zeichen ihrer Solidarität mit den Streikenden Flure in der zweiten Etage des Neuen Rathauses. Trommelnd, pfeifend und ausgestattet mit Konfetti und Spieldecken forderten sie Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) auf, sich bei den Verhandlungsführern der Städte und Gemeinden für höhere Löhne im Sozialdienst einzusetzen.

„Ich unterstütze den Arbeitskampf der Erzieherinnen, weil ihre Arbeit in den Kitas immer anspruchsvoller wird und sie eine bessere Bezahlung verdienen“, sagte Katrin Zausinger, eine der demonstrierenden Mütter. In ihrem Gespräch mit Köhler schilderten die Eltern auch ihre Probleme bei der Betreuung ihrer Kinder, wenn Kitas bestreikt werden.

Es gebe kaum Notgruppen, diese seien zudem reine Aufbewahrungsorte ohne qualitative Betreuung.

Köhler und Jugenddezernent Siegfried Lieske äußerten Verständnis für die Forderungen der Erzieher und wünschten ihnen Erfolg bei ihren Verhandlungen. Köhler verwies aber auch auf die schwierige finanzieller Lage der Stadt Göttingen und anderer Kommunen, die erhebliche Gehaltssteigerungen blockierten.

Kommende Woche setzen die Beschäftigten Kitas und sozialen Diensten ihren Streik fort – auf unbestimmte Zeit. Nach zähen Verhandlungen hatten Gewerkschaften und der Landkreis Göttingen erst am Freitag eine Notdienstvereinbarung geschlossen, die vor allem schnelle Hilfe durch die Jugendämter für gefährdete Kinder sichert.

Die Präsidentin der Göttinger Universität, Ulrike Beisiegel, hat unterdessen in einem Brief an alle Uni-Mitarbeiter inklusive Vorgesetzte appelliert, vom Streik betroffene Eltern „bestmöglich“ mit flexiblem Arbeitszeiten und Terminen „zu unterstützen“.

Unterstützt werden die Streikenden auch von einem neuen „Bündnis für gute Sorgearbeit und Geschlechtergerechtigkeit“ – ein Zusammenschluss von Frauengruppen und feministischen Initiativen.