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Weltweit 500 Abbott-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Nachrichten Wirtschaft Weltweit 500 Abbott-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
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09:12 17.07.2014
Von Jens Heitmann
An das Schilderwechseln sind die Mitarbeiter an der Freundallee in Hannover gewöhnt: Erst stand Solvay darauf, jetzt ist es Abbott – bald könnte es Mylan sein. Quelle: Körner
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Hannover

Die rund 500 Beschäftigten des US-Pharmakonzerns Abbott in Hannover stehen vor einer ungewissen Zukunft. Das Unternehmen hat angekündigt, einen Teil seines Geschäfts mit Nachahmermedikamenten an den Konkurrenten Mylan zu verkaufen. Abbott will sich künftig ausschließlich auf wachstumsstarke Schwellenländer konzentrieren, Mylan möchte etablierte Regionen wie Europa besser bedienen. Die Mitarbeiter am Standort in Hannover seien jedoch für beide Märkte zuständig, verlautete aus Unternehmenskreisen: „Wie diese Zellteilung konkret aussehen soll, weiß hier niemand.“

Am Montagmorgen waren die Mitarbeiter von einer Mail aus der Europa-Zentrale in Basel überrascht worden. Darin teilte ihnen der Konzern mit, was er zuvor auch offiziell verlautbaren ließ: Abbott werde den Vertrieb der Nachahmerarzneien in den Industrieländern in einem gemeinsamen Unternehmen mit dem Generikaspezialisten Mylan zusammenbringen. Für die Sparte zahlt der Konkurrent 5,3 Milliarden Dollar in Aktien. Abbott bleibt zunächst mit rund 21 Prozent an dem neuen Gebilde beteiligt, der Konzern will sein Aktienpaket aber mittelfristig verkaufen und den Erlös für interessante Zukäufe und Investitionen nutzen.

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Mylan erwirbt allerdings nur den Vertrieb der Abbott-Medikamente für die etablierten Märkte – die Produktion der Präparate bleibt in der Hand des Partners. Für die 230 Mitarbeiter des Abbott-Werkes in Neustadt schafft das zumindest Klarheit: Sie müssen ihren Arbeitgeber nicht wechseln, auch wenn das von ihnen hergestellte Bauchspeicheldrüsenmedikament Creon in einem Teil der Welt künftig von Mylan verkauft wird.

Diese Sicherheit haben die Kollegen in Hannover nicht. Von hier aus koordinieren die Abbott-Mitarbeiter den Vertrieb seit Langem eingeführter Medikamente in Deutschland – in Teilen sind sie aber auch für Schwellenländer mitverantwortlich.

Auf einer Betriebsversammlung hätten die Beschäftigten vom Management Aussagen über ihre Zukunft verlangt – jedoch ohne greifbares Ergebnis, hieß es im Anschluss: „Es gab viele fragende Gesichter, wenige Antworten und große Sorgen.“

Aus der Europa-Zentrale des Konzerns kommen auch keine eindeutigen Botschaften. „Die Abteilung, die in Deutschland für den Vertrieb und die Vermarktung von Markengenerika zuständig ist, wird zeitnah (...) an Mylan übergehen, voraussichtlich im ersten Quartal 2015“, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Die Lage sei aber „sehr komplex“: Was aus den Mitarbeitern werde, die den Vertrieb nur unterstützen, werde Teil weiterer Verhandlungen mit Mylan sein.

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