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Weltweit Abgang eines Euro-Hüters lässt die Börsen zittern
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Abgang eines Euro-Hüters lässt die Börsen zittern
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23:00 09.09.2011
Von Albrecht Scheuermann
Jürgen Stark will mitten in der Krise nicht mehr EZB-Chefvolkswirt sein. Quelle: dpa
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Hannover/Frankfurt

Der Euro-Kurs stürzte ab, dagegen erreichten deutsche Staatsanleihen als beliebte Zuflucht des Kapitals Rekordwerte. Mit dem Rückzug des EZB-Chefvolkswirts geht schließlich ein Mann von Bord, der als ein Garant für einen stabilen Euro galt.

Eigentlich wäre der Vertrag von Stark noch bis Ende Mai 2014 gelaufen. Offiziell hüllte man sich zu den Motiven der Entscheidung in Schweigen. Die EZB sprach lapidar von „persönlichen Gründen“. Hinter den Kulissen wurde jedoch eine klare Begründung genannt: Der Ökonom Stark ist mit dem Kurs der Europäischen Notenbank in der Euro-Schuldenkrise nicht einverstanden – und wollte deshalb nicht länger als Chefvolkswirt mit Sitz und Stimme im EZB-Rat dafür mitverantwortlich gemacht werden.

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Ein Dorn im Auge sind Stark in erster Linie die Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB. Um einen Absturz der Märkte zu verhindern, hat die Währungsbehörde nun schon für weit mehr als 100 Milliarden Euro Anleihen von als kritisch geltenden Schuldnerländern von Griechenland bis Italien angekauft. Dies gilt als Tabubruch, weil die Notenbank damit indirekt zur Geldquelle für Staatshaushalte wird. Genau dies soll auch schon der Hauptgrund für den Abgang von Bundesbank-Präsident Axel Weber im Februar gewesen sein.

Weber wie Stark gelten als „Falken“, also als Vertreter einer strikten Stabilitätspolitik. Ihr Abschied lässt manche befürchten, dass in der Notenbank nun alle Dämme brechen – und der Euro auf längere Sicht zur Weichwährung mutiert. Jean-Claude Trichet dankte Stark am Freitag „von ganzem Herzen für den außergewöhnlichen Beitrag zur europäischen Einigung über viele Jahre“. Bundesfinanzminister Schäuble sagte am Rande des G-7-Treffens in Marseille: „Die Bundesregierung nimmt das mit Bedauern und mit Respekt zur Kenntnis“. Er kündigte zugleich an, dass Deutschland einen „guten Vorschlag“ für die Nachfolge Starks im EZB-Direktorium unterbreiten werde.

Der Minister nannte zwar keinen Namen, aber es scheint schon klar zu sein, wer Starks Platz einnehmen soll: Schnell machten am Freitag Gerüchte die Runde, dass Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen zur EZB wechseln soll. Das SPD-Mitglied hat im Finanzministerium alle Facetten der Finanz- und Schuldenkrise kennengelernt – und dabei offenbar Fähigkeiten unter Beweis gestellt, die Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bewogen, ihn nach der Bundestagswahl im Herbst 2008 trotz des „falschen“ Parteibuchs im Amt zu belassen.

09.09.2011
Weltweit Aus persönlichen Gründen - EZB-Chefvolkswirt Stark tritt zurück
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