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Weltweit Aktionäre fragen sich: Wohin steuern ProSieben und Sat.1?
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Aktionäre fragen sich: Wohin steuern ProSieben und Sat.1?
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17:17 12.06.2019
Max Conze, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat1 Quelle: Sina Schuldt/dpa
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München

Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt kommt gleich auf den Punkt. „Herr Conze, lernen Sie schon Italienisch?“, fragt die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Chef der Münchner TV-Gruppe ProSiebenSat1 bei der diesjährigen Hauptversammlung. Die Frage hat einen ernsten Hintergrund, seit der italienische Medienkonzern Mediaset im Mai mit einem Zehntel unverhofft bei ProSiebenSat1 eingestiegen ist.

Sie beinhaltet auch Kritik. Denn seit einem Jahr ist Max Conze Vorstandschef der Münchner. In dieser Zeit ist der Aktienkurs der Münchner von 25 auf 15 Euro verfallen. „Der niedrige Kurs hat dazu geführt, dass wir nun einen italienischen Großaktionär haben“, kritisiert Bergdolt unter dem Beifall gleich denkender Mitaktionäre.

Unabhängigkeit gefährdet?

Andere sehen nun die Unabhängigkeit von ProSiebenSat1 gefährdet. Denn hinter Mediaset steht der italienische Medienmogul und Politiker Silvio Berlusconi. Der hat sich zwar aus dem aktiven Mediaset-Management längst verabschiedet. Geführt wird das Familienunternehmen aber nun von Sohn Pier Silvio Berlusconi.

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Die Strategie wird allerdings bestimmt von Familienbanden. Wohin diese Strategie im Fall von ProSiebenSat1 führen soll, wüssten die Aktionäre der Münchner gern. Aber ProSiebenSat1-Chef Conze schweigt. Sogar auf die Frage, ob seit dem Einstieg von Mediaset mit Berlusconi gesprochen habe, verweigert er eine Antwort.

Nur ein Finanzinvestor?

Mediaset sei lediglich ein Finanzinvestor, ringt Conze sich schmallippig ab. Mit knapp zehn Prozent Aktienanteil könne er nichts bestimmen, soll das heißen. Ob es bei diesem Zehntel bleibt, ist aber nicht ausgemacht. Der Einstieg sei nicht der letzte Schritt, wird in Branchen- und Finanzkreisen gemunkelt. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Berlusconis versuchen, einen Fuß in die deutsche TV-Landschaft zu setzen.

Als ProSiebenSat1 noch Teil der kollabierten Kirch-Gruppe war, haben es die Italiener schon einmal versucht und sind dabei auch auf politische Widerstände gestoßen. Einen Unternehmer vom Schlage eines Belusconi sieht hier zu Lande von der Union über die SPD bis zu den Grünen keine Partei gerne in eine mediale Machtposition kommen.

Berlusconi-Vertreter schweigt

Wie groß die Gefahr ist, dass es diesmal dazu kommt, bleibt auch bei der ProSiebenSat1-Hauptversammlung offen. Ein Vertreter von Mediaset sitzt zwar im Publikum. Aber er schweigt. So spricht Conze lieber von dem Teil der Zukunft, die er selbst bestimmen kann. Die größten Hoffnungen setzt der Manager dabei auf den von ProSiebenSat1 und US-Partner Discovery ins Leben gerufenen Streamingdienst Joyn. Das als deutsches Netflix apostrophierte Online-Portal startet kommenden Dienstag.

Conze ist bei ProSiebenSat1 zum Erfolg verdammt. Die Werbeerlöse im traditionellen Fernsehen bröckeln. Umsätze und Gewinne schwinden. Dazu kommt die Talfahrt der Aktie. Mehr Eigenproduktionen statt zugekaufter US-Ware und vor allem Joyn sollen nun das Ruder herumreissen. Die neue Plattform werde im ersten Jahr aber erst einmal 100 Millionen Euro Anlaufverlust einfahren, warnt Conze vor. ProSiebenSat1 stehe im größten Umbruch seiner Geschichte und der ähnle einem Marathonlauf. Dabei ist schon manchem die Luft ausgegangen.

Von RND/Thomas Magenheim