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Weltweit Kaesers Stern sinkt
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Kaesers Stern sinkt
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22:25 27.01.2015
„Viel Kredit verspielt“: 
Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser. Quelle: dpa/Archiv
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München

Die Anteilseigner warten bislang vergeblich auf echte Erfolge, die sich auch bilanziell niederschlagen, weil sich Löschers Erbe als schwergängig erweist.

Erstmals sind auch Zweifel an einer von Kaeser selbst zu verantwortenden Großtat aufgetaucht. „Mit der Akquisition von Dresser Rand haben Sie viel Kredit verspielt“, kritisierte Fondsmanager Henning Gebhardt. Gemeint ist der jüngste Zukauf des US-Konzerns für knapp 7 Milliarden Euro. Der teuerste Neuerwerb von Siemens der jüngeren Firmengeschichte steht unter keinem guten Stern. Denn mit der US-Firma will Siemens im großen Stil einen Fuß ins vermeintlich lukrative Öl- und Gasgeschäft vor allem in den USA bekommen, wo Kaeser Nachholbedarf ausgemacht hat.

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Der sinkende Ölpreis bereitet Probleme

Schönheitsfehler des Kraftakts ist aber, dass sich der Ölpreis seit der Kaufentscheidung im vorigen Herbst auf unter 50  Dollar je Barrel praktisch halbiert hat. Der von den USA ausgelöste und ökologisch umstrittene Fracking-Boom kommt deshalb gerade zum Erliegen, weil die Fördermethode teuer ist. Auch auf Fracking schielt der Zukauf. Dresser-Rand sei kein Schnäppchen, hatte Kaeser schon vor Monaten eingeräumt, als der Ölpreis noch weit höher lag und die Investitionen der Öl- und Gasindustrie in die Produkte des US-Neuerwerbs noch sprudelten.

Siemens-Aktionäre fühlen sich nun vom Hoffnungsträger Kaeser in Zeiten zurückversetzt, als der Konzern Firmen in deren Branchenhoch erworben hat, um dann später teuer wertberichtigen zu müssen. Bei der Medizintechnikfirma Dade Behring war das so und noch schlimmer beim Einstieg in die Solartechnik, die Siemens im eigenen Haus inzwischen abgewickelt hat. Kaeser beschwört dagegen eisern, mit seiner Öl- und Gasstrategie das Richtige zu tun. Der aktuell starke Verfall des Ölpreises sei nur vorübergehend. Sein Milliardendeal werde sich noch als segensreich erweisen.

Wo sind die echten Erfolge?

Zugleich tut er sich aber schwer, in seinem bisherigen Wirken echte Erfolge sichtbar zu machen. Die Zwischenbilanz nach 18 Monaten ist zwiespältig. Allseits gelobt wurde beim Eignertreffen der vom Siemens-Chef verordnete Konzernumbau mit einer organisatorischen Konzentration von 16 auf neun Geschäftsfelder und dem Streichen einer Managementebene. Auch Geschäftsprognosen werden wieder erfüllt, was unter Löscher nicht so war. Die Bahnsparte ist kein Sorgenkind mehr, und das Risikomanagement bei Neuaufträgen funktioniert nun offenbar. Randgeschäfte wie Bosch Siemens Hausgeräte und die Hörgeräte wurden verkauft.

Bilanziell wirkt sich das aber noch kaum aus. Die Umsätze stagnieren unvermindert und beim Geldverdienen klafft weiter eine Lücke zu Vorbildern wie dem US-Rivalen General Electric. Das geht auch auf die aus Löschers Zeiten geerbten Verlustaufträge zurück, die weiterhin hohe Abschreibungen erfordern. 881  Millionen Euro waren es im Geschäftsjahr 2013/14, das bei Siemens traditionell Anfang Oktober endet.

Das vielleicht heißeste Eisen im Haus will Kaeser in den nächsten Wochen anpacken: den Stellenabbau, der aus dem vor vielen Monaten verordneten Sparprogramm resultiert. Darüber wird seit Mai 2014 spekuliert, was vor allem intern für zunehmende Unruhe sorgt. Von insgesamt bis zu 12 000 betroffenen Stellen ist die Rede. Erst werde die Belegschaft informiert, dann die Öffentlichkeit, kündigte Kaeser an. Am größten sei der Handlungsbedarf im Kraftwerksgeschäft, das lange eine sprudelnde Gewinnquelle der Münchener war. Kaeser deutete speziell hier größeres Ungemach für das Personal an. Bereits beschlossen ist der Abbau von 1200 Stellen. Aber das dürfte nach Lage der Dinge kaum reichen. Den für das sich abzeichnende Debakel verantwortlichen Manager Roland Fischer hat Kaeser soeben gefeuert. Bei den Aktionären wirbt er für Geduld. Auf Augenhöhe mit enteilten Konkurrenten werde Siemens erst 2017 wieder kommen.

Von Thomas Magenheim

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