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Weltweit Alle gegen den VW Caddy
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08:19 17.09.2012
Von Lars Ruzic
Auf der IAA zeigen mehrere Autobauer neue Stadtlieferwagen.
Auf der IAA zeigen mehrere Autobauer neue Stadtlieferwagen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Es muss etwas Heroisches haben, mit dem Kastenwagen durch die Stadt zu fahren. Die „Helden des Alltags“ will Volkswagen Nutzfahrzeuge für den Caddy gewinnen. „Echte Helden“ sucht gar der Konkurrent Daimler – und lässt den ergrauten Alleskönner MacGyver für seinen Citan werben.

Dahinter dürfte weit mehr stecken als schlichte Ideenlosigkeit der Werbeagenturen. Daimler drängt mit aller Macht in den Markt der Stadtlieferwagen – und will vor allem unter den Caddy-Kunden wildern. „Mit dem Citan greifen wir bei den City-Vans an“, erklärte jüngst der Chef der Daimler-Sparte, Volker Mornhinweg.

Erstmals präsentiert der Konzern den Wagen auf der IAA Nutzfahrzeuge einer breiten Öffentlichkeit. In Hannover – der Heimat von VW Nutzfahrzeuge. Und die  Stuttgarter sind nicht die Einzigen. Zwischen all den Brummis und Bussen auf dem Messegelände gibt es gleich mehrere Weltpremieren im Segment der Kleintransporter: von Ford, Peugeot oder Nissan beispielsweise.

Sie alle schielen auf einen Markt, der sich in den vergangenen Jahren zum größten im Nutzfahrzeugsegment gemausert hat. Der Stadtlieferverkehr wird kleinteiliger, weil die Lagerflächen zurückgehen und die Zufahrtsbeschränkungen zunehmen. „Deshalb entscheiden sich mehr und mehr Transporterkunden für Fahrzeuge, die gerade so groß sind, wie sie sein müssen“, erklärt Mornhinweg. Die Kastenwagen stehen heute allein in Europa für einen Markt von 700.000 Fahrzeugen jährlich. Kein Wunder, dass das Begehrlichkeiten weckt.

Zumal die Konkurrenz das Geschäft in den vergangenen Jahren weitgehend VWN überlassen hatte. Höchstens Citroën mit dem Berlingo und Renault mit dem Kangoo können noch halbwegs mit dem Caddy mithalten – doch seine Marktanteile in dem Segment sind beeindruckend: 22 Prozent in Europa, sogar 48 Prozent im größten europäischen Markt Deutschland.

Den Hannoveranern ist es in den vergangenen Jahren gelungen, ihr Nutzfahrzeug immer öfter Privatkunden schmackhaft zu machen – als Lastenesel für Familien oder für Menschen, die gern auch das Fahrrad zu Ausflügen mitnehmen. Mehr als zwei Drittel aller Caddys werden heute als Pkw zugelassen. Der Absatz hat sich in den acht Jahren, die die dritte Generation inzwischen am Markt ist, auf mehr als 160.000 Stück nahezu verdoppelt.

So überrascht es wenig, dass alle Konkurrenten heute auch Kombi-Varianten im Angebot haben – mit verkleidetem Interieur und wenig freiliegendem Blech. Sie alle wollen möglichst viele Modelle an die Kunden bringen – schließlich sind die Entwicklungskosten vergleichbar mit denen eines normalen Pkw, die Stückzahlen in den meisten Fällen aber nicht.

Volkswagen hat hier einmal mehr den Vorteil des großen Konzerns. Der Caddy basiert zum Teil auf dem Schwestermodell Touran, was die Entwicklungs- und Komponentenkosten in Grenzen hielt. Zudem läuft er im polnischen Posen vom Band, was die Herstellung gegenüber einer Produktion in Deutschland zusätzlich verbilligt.

Daimler kann solche Vorteile nicht ausspielen. Der Versuch, einen Stadtlieferwagen von der A-Klasse abzuleiten, scheiterte mit dem Vaneo grandios. Deshalb hat man nun Hilfe bei einem Caddy-Konkurrenten gesucht: Der Citan ist das erste Kind aus der Kooperation mit Renault und Nissan. Er basiert auf dem Kangoo (was ihm auch anzusehen ist) und läuft im nordfranzösischen Mauberge vom Band. Ausreichend Kapazitäten sind vorhanden. Mehr als 200.000 Citan und Kangoo könne der Standort unter Volllast im Jahr produzieren, heißt es.

Die Nachfrage wollen die Stuttgarter mit Kampfpreisen anheizen. Der Citan wird der wohl erste Mercedes der Geschichte, der billiger als das Vergleichsmodell von VW angeboten werden soll. So hofft Daimler, einen Marktanteil von rund 5 Prozent erobern zu können. Auch Ford will den Caddy angreifen. „Wir sind davon überzeugt, dass der Transit Connect neue Kunden für Ford gewinnen wird“, sagt die Vizechefin des Konzerns in Europa, Barb Samardzich.

Der Wagen soll vor allem mit kleinen, verbrauchsarmen Motoren und Sicherheitsausstattung wie Notbremssystem oder Notrufassistent punkten. Das Modell feiert in Hannover zwar Premiere, wird aber erst im kommenden Jahr zu kaufen sein.

Noch einen Schritt weiter gehen beispielsweise Peugeot und Nissan, die auf dem Messegelände gleich vollelektrische Fahrzeuge vorstellen, die ebenfalls 2013 in Serie gehen werden. Gerade im Stadtlieferverkehr werden Elektroautos große Chancen eingeräumt. Etwa für Paketboten oder Bringdienste könnte sich die vergleichsweise teure Anschaffung solcher Autos schon bald lohnen, wenn im Gegenzug der hohe Benzin-Kostenblock wegfällt.

Für die Caddy-Konkurrenten ist die Zeit zum Angriff günstig. Der Marktführer präsentiert sich im Jahr seines 30. Geburtstags zwar kosmetisch aufgehübscht, doch die aktuelle dritte Generation geht auch schon ins neunte Jahr. Der Absatz schrumpft – wenn auch weniger stark als bei den meisten Wettbewerbern. Bis auf Sondereditionen zum Geburtstag oder jetzt als „Cross Caddy“ mit Breitreifen und Lederlenkrad für „outdoor-orientierte Individualisten“ hat VWN bei seinem wichtigsten Modell neben dem Transporter derzeit wenig zu bieten.

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