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Weltweit Privatversicherung lohnt sich nur noch für Beamte
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Privatversicherung lohnt sich nur noch für Beamte
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21:51 15.04.2014
Für ihren Versicherungsschutz zahlen privat Krankenversicherte in der Regel mehr. Dafür bekommen sie aber auch mehr Leistungen als in der gesetzlichen Krankenkasse. Quelle: Franziska Koark
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Berlin

Bei privaten Krankenkassen gibt es Preisunterschiede von bis zu mehreren Hundert Euro im Monat. Das hat eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergeben. So müssen Angestellte bei der Union Krankenversicherung 804 Euro im Monat auf den Tisch legen. Die Provinzial Hannover kassiert dagegen für ein vergleichbar mittleres Leistungsniveau nur 436 Euro.

Ähnlich krasse Unterschiede gibt es beispielsweise für Selbstständige zwischen dem Tarif der Bayerischen Beamtenkrankenkasse (422 Euro für ein hohes Leistungsniveau) und der Central (789 Euro). Von 107 getesteten Tarifen bekamen nur fünf die Note „sehr gut“ für das Preis-Leistungs-Verhältnis, 29 ein „gut“, hingegen bescheinigten die Tester acht Angeboten ein „mangelhaftes“ Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Dabei sind die Angebote der privaten Krankenversicherer insgesamt deutlich teurer geworden. Während in früheren Zeiten junge Männer viel Geld sparen konnten, wenn sie sich privat versicherten, lohnt sich das heute oft nicht mehr. „Auf Dauer Geld sparen können heute nur Beamte“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Holger R. Rohde, Versicherungsfachmann bei der Stiftung Warentest, rechnete vor, dass von der vermeintlichen Ersparnis von 112 Euro pro Monat bei der billigsten privaten Versicherung nur noch 62 Euro übrig bleiben, wenn der Betroffene krank wird und die Selbstbeteiligung fällig wird. Erst recht geht die Rechnung nicht mehr auf, wenn Nachwuchs hinzukommt. Denn während in der gesetzlichen Krankenversicherung Kinder beitragsfrei mitversichert sind, werden im privaten Krankenversicherungssystem für diese eigene Policen von 100 bis 200 Euro im Monat fällig.

Die Warentester erkennen an, dass sich das Leistungsniveau der privaten Krankenversicherung deutlich erhöht hat. Privat Versicherte erhalten in der Regel mehr Behandlungsstunden beim Psychotherapeuten, bessere Zahnfüllungen und im Krankenhaus ein Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Gesetzlich Versicherte müssen hierfür teure Zusatzversicherungen abschließen oder die Extra-Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen.

Doch es gibt auch weitere Gründe, warum die privaten Krankenversicherungen teurer geworden sind. So leiden die Versicherer ähnlich wie die Lebensversicherungen unter dem niedrigen Zins­niveau. Entsprechend mehr Geld müssen sie verlangen, um Rückstellungen für das Alter zu bilden.

Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) wies die Kritik zurück. Auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung würden langfristig die Beiträge steigen – schon wegen der Alterung der Gesellschaft. Die höheren Kosten können möglicherweise zu Leistungskürzungen führen.

Von Antje Schroeder

15.04.2014
14.04.2014