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Weltweit Athen kämpft verzweifelt gegen die Pleite
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Athen kämpft verzweifelt gegen die Pleite
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18:59 11.09.2011
Während Ministerpräsident Papandreou in Thessaloniki Durchhalteparolen ausgab, wurde wieder fleißig demonstriert. Quelle: dpa
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Athen/Berlin

Auch wenn Ministerpräsident Giorgos Papandreou in Thessaloniki einen „Titanenkampf“ gegen den drohenden Bankrott seines Landes ankündigte. Unterdessen bereitet sich die deutsche Regierung offenbar schon auf den schlimmsten Fall, also die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, vor.

Am Sonntag forderte Papandreou die Griechen im Fernsehen zu mehr Sparanstrengungen auf und wählte einen drastischen Vergleich: „Es ist wie im Krieg.“ Das Land brauche mehr Geld. Griechenland werde die notwendigen Reformen durchsetzen, koste es ihn politisch, was es wolle. „Griechenland wird das einhalten, was es versprochen hat.“

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Das Land muss seine staatlichen Ausgaben kräftig kürzen, bangt aber wegen unzureichender Fortschritte beim Sparkurs um weitere Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Um mehr Geld einzunehmen, plant die Regierung nun eine neue Immobiliensteuer. Daraus sollten bis zum Jahresende zusätzlich rund 2 Milliarden Euro in die Staatskassen fließen, hieß es am Sonntag.

Um die Fortschritte beim Sparkurs zu überprüfen, werden Kontrolleure der „Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF am Mittwoch wieder in Athen erwartet. Sie hatten die Stadt Anfang September vorübergehend verlassen – Griechenland müsse den Haushaltsplan für 2012 überarbeiten und Strukturreformen angehen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte am Wochenende, gegenwärtig seien die Voraussetzungen für eine Auszahlung der im September fälligen nächsten Kredittranche aus dem ersten Hilfspaket der Europäer und des IWF nicht erfüllt. Der Minister wappnet sich angeblich bereits für den Fall einer griechischen Pleite. Nach einem „Spiegel“-Bericht spielen Schäubles Beamten sämtliche Szenarien durch, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls des Landes ergeben könnten.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ verabschiedet sich die Bundesregierung von ihrer Maxime, Athen aus Furcht vor einem Flächenbrand in der Euro-Zone auf keinen Fall pleitegehen zu lassen. Es werde immer deutlicher, dass die Griechen ihr Schuldenproblem nicht lösen könnten. Zudem stünden mit dem erneuerten Euro-Rettungsschirm EFSF bald mehr Instrumente zur Verfügung, mit denen sich eine Staatspleite besser beherrschen ließe. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler schließt eine Pleite nicht mehr aus. „Um den Euro zu stabilisieren, darf es auch kurzfristig keine Denkverbote mehr geben. Dazu zählt notfalls auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands, wenn die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stehen“, erklärte Rösler in der Zeitung „Die Welt“.

dpa

11.09.2011
10.09.2011