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Weltweit Auch Suzuki darf einen GTI bauen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Auch Suzuki darf einen GTI bauen
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18:15 21.03.2012
„Geringe Unterscheidungskraft“: Nicht hinter jedem GTI muss ein Golf stecken.
„Geringe Unterscheidungskraft“: Nicht hinter jedem GTI muss ein Golf stecken. Quelle: dpa
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Hannover

Aber weil sie in Trümmern liegt, hat man noch einen Streit am Rande durchgefochten, und jetzt kann sich Suzuki über einen kleinen Sieg freuen: Die Japaner dürfen ein Auto "SWIFT GTi" nennen, hat das Gericht der Europäischen Union entschieden.

Die Wolfsburger hüten die drei Buchstaben wie ihren Augapfel. "GT" stand in der Autowelt einst für "Gran Turismo", elegante und schnelle Coupés. Dann kam in den Siebzigern eine wenig elegante, aber dank Einspritzmotor (englisch: injection) ziemlich schnelle Schachtel namens Golf GTI. Das Auto begründete eine völlig neue Fahrzeugklasse und befreite VW vom Mief der Biederkeit.

Sie sind also etwas wert, diese drei Buchstaben, und VW hat sie schützen lassen. Der Konzern ist Inhaber der "deutschen Wortmarke" GTI und der internationalen Marke zum Beispiel in Schweden, Frankreich und Italien. Doch das kam offenbar zu spät. Jedenfalls verhinderte es nicht, dass andere GTIs um die Ecke bogen, allen voran ein Peugeot205 und später eben der Suzuki Swift. Im Oktober 2003 meldeten die Japaner beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt "das Wortzeichen SWIFT GTi" für Kraftfahrzeuge, Teile und Zubehör an. VW zog vor Gericht, und das hat nun erklärt, dass nicht jeder Mensch bei "gti" automatisch an "VW Golf" denke. Die drei Buchstaben hätten für die Allgemeinheit "nur äußerst geringe originäre Unterscheidungskraft", Durchschnittsverbraucher würden nicht jedes Auto mit diesem Zeichen der gleichen Marke zuordnen. Mit dem Zusatz "Swift" gebe es praktisch keine Verwechslungsgefahr mehr.

Die hat Suzuki zuletzt ohnehin umgangen, indem man der Topversion des aktuellen Swift ein paar Buchstaben mehr ans Heck klebte: "Sport" heißt er jetzt. Man wollte die Freunde in Niedersachsen wohl nicht ärgern. Aber wie die Verhältnisse zwischen Wolfsburg und Hamamatsu im Moment sind, werden wohl bald fleißige Suzuki-Werker mit viel Liebe "GTi"-Schildchen anbringen. Dann kann VW beweisen, wie ernst man es mit der Verbindung zu Suzuki meint. Unter "wirtschaftlich miteinander verbundenen Unternehmen" besteht aus juristischer Sicht nämlich keine Verwechslungsgefahr. Und VW beharrt schließlich stets darauf, dass an der Verbindung zu Suzuki nicht gerüttelt werde.

Jens Heitmann 21.03.2012
Dirk Stelzl 21.03.2012
21.03.2012