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Weltweit Ausprobiert: Ultraschall im virtuellen Raum
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Ausprobiert: Ultraschall im virtuellen Raum
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00:19 04.04.2019
Ausprobiert auf der Hannover Messe: Das virtuelle Ultraschallgerät Schulungen für Studenten und Ärzte verbessert werden. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

In medizinischen Notfällen geht es oft um Sekunden: Der Arzt hat nur wenig Zeit für eine Diagnose, in Stresssituationen muss er Entscheidungen treffen, die womöglich über Leben und Tod des Patienten entscheiden. Die Hochschule Koblenz will Medizinern helfen, solche Situationen zu trainieren: Auf der Hannover Messe stellt die Hochschule einen Prototypen für ein Programm mit 3-D-Brille vor, das Ultraschalluntersuchungen simulieren und Studenten wie Ärzte auf Notfälle besser vorbereiten soll.

An ihrem Messestand lässt mich die Hochschule einen Blick durch die Brille werfen. Meine medizinischen Kenntnisse halten sich in Grenzen, aber vor mir auf dem Tisch liegt auch kein echter Patient, sondern ein Dummy. An den Wänden hängen Bildschirme – nach einem Behandlungszimmer sieht es nicht gerade aus. Doktorandin Anika Weber, die den Stand mitbetreut, setzt mir die schwere, klobige Brille auf, mit der ich in eine andere Welt schauen kann.

Auch Notfälle lassen sich simulieren

Derzeit könnten Studenten und Ärzte Ultraschalluntersuchungen nur an Probanten üben, erläutert Weber. „Die haben aber im Normalfall keine Beschwerden und eignen sich darum nicht, um Krankheiten an Organen zu erkennen.“ Mit der neuen Brille lasse sich aber so gut wie jede Krankheit darstellen. Und nicht nur das: Auch Notsituationen lassen sich mit dem System simulieren, indem Sirenen eingespielt werden oder andere Menschen durch die virtuelle Welt laufen, die den Arzt ablenken könnten.

So weit gehen wir in unserem Test aber nicht. Ich sehe mich um. Vor mir sehe ich eine Liege mit einem Patienten – das Bild ist wenig realistisch, es erinnert eher an eine Schaufensterpuppe ohne Kopf, Arme und Beine. Ich befinde mich in einem gefliesten Raum mit Fenstern und einem Schrank. Alles sieht etwas künstlich aus in der 3-D-Welt, aber mein Gehirn scheint das nicht zu stören: Ich fühle mich, als stünde ich tatsächlich in einem anderen Raum als noch vor wenigen Sekunden.

Ich sehe: Spaghetti

Es wird Zeit für die Untersuchung. Die Fernbedienung in meiner Hand, die in der virtuellen Welt zum Ende eines Ultraschallgerätes wird, schiebe ich auf dem Dummy herum. In meinem 3-D-Behandlungszimmer kann ich das Ultraschallbild auf einem virtuellen Monitor kontrollieren. Es sind die gewohnten Schwarz-Weiß-Motive, wie sie auf jedem herkömmlichen Ultraschallmonitor aussehen.

Dort könne ich eine Niere des Patienten sehen, erläutert Weber. Ich erkenne nur Spaghetti. Vielleicht noch etwas nach links mit dem Sensor? Ja, da ist zumindest eine Aubergine. Das muss die Niere sein. Aber ob das Organ nun krank oder gesund ist, erkenne ich nicht. Die Diagnose bleibt am Ende Sache des Mediziners.

Die Möglichkeiten des Systems erscheinen beinahe grenzenlos. Künftig sei es auch möglich, dass ein Hausarzt einen Patienten untersucht und sich ein Spezialist irgendwo anders die Bilder ansieht, um eine genaue Diagnose zu stellen. „Das ist aussagekräftiger als bloße Fotos.“ Mit einem Investor könne die Hochschule das System bald auf den Markt bringen, sagt Weber: „Es würde angehende Ärzte bei der Ausbildung enorm unterstützen.“

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Von Lisa Neugebauer

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