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Weltweit Auszubildende werden knapp: Das Handwerk kämpft mit Imageproblem
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Auszubildende werden knapp: Das Handwerk kämpft mit Imageproblem
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15:13 15.07.2019
Auch eine Ausbildung in einem Betrieb bietet häufig gute Aufstiegschancen – doch immer mehr junge Leute wollen lieber studieren. Quelle: Marcus Brandt/dpa
Hannover

Die Suche nach Nachwuchskräften wird für Betriebe in Niedersachsen immer schwieriger. Während es mehr Lehrstellen gibt als im Vorjahr, ist die Zahl der Bewerber abermals zurückgegangen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren in dem Bundesland im Juni noch 24 819 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Aufgabe, geeignete Auszubildende zu finden, sei für jeden Betrieb derzeit groß, sagte Tobias Roeder von der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) vor dem Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August.

In einigen Regionen gebe es doppelt so viele Stellen wie Bewerber, erklärte die Arbeitsagentur. Dazu zählen Wolfsburg mit 2,28 Ausbildungsplätzen je Bewerber, das Emsland (2,01) und Osnabrück (1,98). Ganz anders sieht es zum Beispiel in Lüchow-Dannenberg (0,66), Salzgitter (0,62) und Wolfenbüttel (0,39) aus. Allerdings müssten auch Pendlerströme berücksichtigt werden, etwa von Wolfenbüttel nach Wolfsburg. Insgesamt wurden in Niedersachsen 52 776 Ausbildungsstellen gemeldet – ein Prozent mehr als im Vorjahr. Dem steht ein Rückgang der Bewerberzahl um 5,5 Prozent auf 49 461 gegenüber.

Das Handwerk hat im Werben um Lehrlinge auch mit einem Imageproblem zu kämpfen. Wenn von diesem Wirtschaftszweig die Rede ist, würden häufig nicht mehr zeitgemäße Berufsbilder vermittelt, sagte Roeder. Technische Neuerungen in Handwerksbetrieben und die Digitalisierung der Branche seien noch nicht allgemein bekannt. „Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Image sich allem voran in den Köpfen der Eltern festgesetzt hat.“

Ein Mittel, um die Berufe attraktiver darzustellen, seien sogenannte Ausbildungsbotschafter. Junge Azubis gehen an die Schulen und berichten von ihren Berufserfahrungen. Dies sei die „authentischste Form der Berufsorientierung“, sagte Roeder. Um Lehrlinge für sich zu gewinnen, werben manche Betriebe demnach etwa mit kostenlosen Handyverträgen oder Prämien für gute Noten. Dennoch verstärkten der Trend zum Studium und der demografische Wandel die Herausforderung für die Betriebe. Darin sieht auch die Arbeitsagentur die Hauptgründe für den Azubi-Mangel.

Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Rentenalter – weniger junge Mitarbeiter kommen nach. Dies sei vor allem auf dem Land spürbar, sagte Roeder. „In Ballungszentren ist es natürlich leichter, eine größere Zahl an jungen Menschen zu erreichen und gegebenenfalls für den eigenen Betrieb und das jeweilige Gewerk zu interessieren als in der Fläche.“

Es gebe aber auch Gegenbeispiele. So seien im Bezirk der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen bis Ende Juni 14,3 Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum. Vor allem für die Berufe Kfz-Mechatroniker, Elektriker, Metallbauer und Tischler hätten Unternehmen weniger Probleme, Auszubildende zu finden. Über Engpässe klagten vor allem das Baugewerbe und Nahrungsmittelhandwerk. Die Handwerkskammern und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen hatten kürzlich kritisiert, dass den Berufsschulen seit Jahren Lehrer fehlten. Die Unterrichtsversorgung sei im Vergleich zu Grundschulen und Gymnasien unterdurchschnittlich.

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Von Christopher Weckwerth