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Weltweit Autobauer werben für TTIP
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Autobauer werben für TTIP
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20:18 28.01.2015
Von Stefan Winter
Sind sich einig: Matthias Wissmann (Mitte) und Arndt Kirchhoff, Bernhard Mattes, Rupert Stadler, Dieter Zetsche, Norbert Reithofer, Matthias Müller und Volkmar Denner (v. l.). Quelle: Soeren Stache
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Berlin

Die Autoindustrie fürchtet um ihre deutschen Standorte, wenn das Freihandelsabkommen mit den USA nicht zustande kommen sollte. In einer bisher einmaligen Aktion versammelte der Branchenverband VDA Chefs der deutschen Hersteller mit der Forderung „Ja zu TTIP!“. Dabei sprachen sich die Manager ausdrücklich auch für die besonders umstrittenen Schiedsgerichte aus.

„Wir dürfen uns von den Kritikern nicht ins Bockshorn jagen lassen“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Das derzeit zwischen der EU und den USA verhandelte Abkommen biete beiden Seiten große Chancen. Kritiker fürchten vor allem eine Absenkung von Umwelt- und Verbraucherstandards sowie die Aufgabe von Souveränität. Die Chefs von Audi, BMW, Daimler, Ford und Porsche sowie der Zulieferer Bosch und Kirchhoff hielten gestern dagegen: TTIP mache den „Weg frei für einen enormen Wachstumsschub“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Die Chancen des Abkommens seien weit größer als die Risiken, sagte Audi-Chef Rupert Stadler.

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Dieter Zetsche (Daimler) und Norbert Reithofer (BMW) verwiesen darauf, dass ihre Konzerne zwei Drittel ihrer Mitarbeiter in Deutschland beschäftigten - hier aber nur 15 Prozent der Autos verkauften. Ohne eine Vergrößerung des „Heimatmarkts“ werde die Branche auf Dauer nicht alle Fabriken in Deutschland halten können, sagte Reithofer. Rund 620 000 Autos im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro liefern deutsche Hersteller jährlich in die USA.

Die Hersteller auf beiden Seiten des Atlantiks beklagen hohe Zölle: Europäische Autos werden beim US-Import mit 2,5 bis 25 Prozent belastet. In der anderen Richtung sind es für amerikanische Hersteller 10 Prozent. Stadler verwies außerdem auf die „nichttarifären Handelshemmnisse“, also unterschiedliche Vorschriften mit oft dem gleichen Ziel. Details sind unterschiedlich gefärbte Blinkergläser und verschieden geformte Außenspiegel, die großen Brocken sind allerdings Crash- und Abgasnormen. Das führe zu Doppelaufwand in Milliardenhöhe, ohne irgendwelche Verbesserungen am Produkt. Ein entscheidender erster Schritt wäre, unterschiedliche Normen gegenseitig anzuerkennen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Für die Zukunft müsse man Normen - etwa in der Elektromobilität - von vornherein einheitlich entwickeln. Die Konzernchefs befürchten, dass die USA Bündnissen mit Asien den Vorzug geben.

Zulieferer Arndt Kirchhoff und Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes brachen auch eine Lanze für Schiedsgerichte, die Rechtsstreitigkeiten außerhalb der ordentlichen Gerichte beilegen. Ohne solche Einrichtungen könne ein Mittelständler Geschäfte in vielen Weltregionen wegen unberechenbarer Rechtssysteme gar nicht riskieren, sagte Kirchhoff.

Die Verhandlungen für die größte Freihandelszone der Welt sind im vergangenen Jahr mit einem ehrgeizigen Zeitplan gestartet und sollen bis Ende 2015 ein erstes Ergebnis bringen. Vor allem wegen der Präsidentschaftswahlen in den USA wird mit Beschlüssen allerdings nicht vor 2017 gerechnet.

Langlebige Hühnersteuer

Handelsschranken bei Transportern: Zu den Kuriositäten des US-europäischen Handels gehört die „Chicken Tax“. Sie hat merkwürdige Auswirkungen: Täglich beraubt Mercedes im deutschen Werk einige fabrikneue Exemplare des Transporters Sprinter wichtiger Teile. Auf getrennten Schiffen landen sie in den Vereinigten Staaten und werden dort wieder zusammengesetzt. Ford, immerhin ein amerikanischer Konzern, verschifft seinen Transit in England mit Rücksitzen, die in den USA wieder ausgebaut werden.

Der Lohn der Mühe: Die Autos gelten dann nicht mehr als importierte leicht Nutzfahrzeuge und sparen damit 25 Prozent Einfuhrzoll – die sogenannte „Chicken Tax“. Sie ist ein Relikt der Sechzigerjahre, als Europa und Amerika im Agrarhandel heftig stritten. Die USA verhängten den Einfuhrzoll für diverse Agrargüter und zählten kurzerhand auch leichte Transporter dazu. Heute sind sie letzten Güter, die noch auf dieser Liste stehen - sehr zur Freude der amerikanischen Autobauer, die ihr bestes Geschäft mit Pickups und anderen Leichttransportern machen.

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