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Weltweit Autoversicherer planen die totale Kontrolle
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Autoversicherer planen die totale Kontrolle
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21:14 16.04.2013
Von Albrecht Scheuermann
Künftig können Autoversicherer das Nutzungsverhalten ihrer Kunden bis ins Detail erfassen und danach die Prämie berechnen.
Künftig können Autoversicherer das Nutzungsverhalten ihrer Kunden bis ins Detail erfassen und danach die Prämie berechnen. Quelle: dpa
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Hannover

Ermöglicht wird dies durch eine Sendevorrichtung im Auto, die die Daten kontinuierlich über das Handynetz an die Versicherung weiterleitet. Noch hat kein Versicherer in Deutschland die Einführung angekündigt, aber die Branche befasst sich intensiv mit der „Telematik“.

Am Dienstag teilte das Mobilfunkunternehmen Telefonica mit, dass es mit mehreren Versicherern in Gesprächen sei. Die neue Technik könnte bis Ende des Jahres auf den Markt kommen, erklärte Markus Haas, Strategie-Vorstand von Telefónica Deutschland. Welche Autoversicherer daran arbeiten, blieb jedoch offen.

Dazu wird ein Modul ins Auto eingebaut, das Informationen zum Beispiel zu Geschwindigkeit, Bremsverhalten oder Nachtfahrten erfasst. Diese Daten werden über Mobilfunk an die Versicherungsgesellschaft übertragen. Sie lassen sich auswerten und für die Berechnung der Versicherungsprämie verwenden. „So können Risikogruppen besser eintarifiert werden“, sagte Haas.

Vor einigen Wochen hatte bereits die Unternehmensberatung Towers Watson in London eine strategische Partnerschaft mit Vodafone bekannt gegeben, um Telematik-Lösungen für den europäischen Kfz-Versicherungsmarkt zu entwickeln. Mit der AIG Europe Limited wurde schon der erste Kunde gewonnen.

Deutsche Versicherer geben sich aber noch bedeckt. „Wir wollen uns derzeit dazu nicht äußern“, hieß es etwa bei der VHV in Hannover. Allerdings räumen Insider ein, dass die Assekuranz sich intern schon gründlich mit dem Thema befasst. „Da steckt Musik drin“, hieß es.

Die HUK Coburg, nach der Stückzahl der Verträge größter deutscher Autoversicherer, gibt sich skeptisch. „Wir beobachten aufmerksam, was sich auf diesem Gebiet tut“, erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen plane derzeit jedoch kein entsprechendes Angebot. „Wir können heute schon die Risiken sehr genau einstufen.“ Der Sprecher verwies darauf, dass bei Autoversicherungen bereits eine Vielzahl von individuellen Faktoren die Prämienhöhe bestimme - von der jährlichen Kilometerleistung über die Anzahl der schadenfreien Jahre bis hin zum Vorhandensein einer Garage. Ob die Risikoeinschätzung durch die Telematik wesentlich verbessert werde, sei daher fraglich.

Allerdings dürfte das Thema durch den Trend zur Vernetzung des Autos deutlich an Bedeutung gewinnen. So wird bald bei Neuwagen der Einbau eines Gerätes Pflicht, das bei einem Unfall automatisch Polizei oder Rettungsdienst herbeiruft.

Die Zurückhaltung der Branche könnte auch mit der Sorge zusammenhängen, dass Datenschützer das neue System torpedieren. „Wer einen derartigen Tarif wählt, muss sich darauf einlassen, dass eine Vielzahl von Daten erhoben, gespeichert und ausgewertet wird“, warnte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. (mit: dpa)