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Weltweit BMW-Chef Harald Krüger ist an sich selbst gescheitert
Nachrichten Wirtschaft Weltweit BMW-Chef Harald Krüger ist an sich selbst gescheitert
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16:52 05.07.2019
Harald Krüger tritt beim BMW ab. Quelle: dpa
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München

Die Bosse automobiler Premiumhersteller hatten in Deutschland schon einmal ein ruhigeres Leben. Innerhalb von acht Monaten haben demnächst sowohl Audi als auch Daimler und BMW neue Vorstandschefs erhalten. Trotz der gemeinsamen Probleme der Branche sind die Gründe der jeweiligen Wechsel aber recht individuell.

Während der in Stuttgart von Dieter Zetsche auf Ola Källenius noch ein turnusmäßiger war, ist der von Rupert Stadler auf Bram Schot bei Audi in Ingolstadt ein von Dieselkrise und Staatsanwaltschaft erzwungener. Harald Krüger bei BMW in München wiederum könnte man als einen an sich selbst gescheiterten Manager bezeichnen.

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Unter ihm hat BMW Führungsstärke verloren. Dabei ist es noch zu verkraften, dass BMW hinter Mercedes als global führende Premiummarke zurückgefallen ist. In Sachen Elektromobilität wiegt der Verlust einer Führungsrolle schwerer. BMW braucht dringend einen Weckruf.

Derzeit durchleben die erfolgsverwöhnten Bayern jedenfalls eine Durststrecke, wenn es auch keine echte Krise ist. Bei BMW gibt es anders als bei Audi keinen Diesel-Skandal, von dem auch Daimler nicht mehr weit entfernt ist. Bei der Umstellung auf den neuen Abgasprüfzyklus WLTP war BMW im Gegensatz zur Premiumkonkurrenz nicht säumig. Aber man kann auch in Schönheit sterben und zu vorsichtig sein.

Ein schweres Erbe treten alle neuen Chefs der deutschen Premiumhersteller an. Im Fall von BMW und Daimler kommt hinzu, dass das Erbe teils miteinander verflochten ist. Die Erzrivalen aus Stuttgart und München kooperieren neuerdings bei modernen Mobilitätsdiensten und der Entwicklung autonom fahrender Autos. Beides sind Schlüsselthemen der Mobilität von morgen.

Und beides stellt Anforderungen an das jeweilige Selbstverständnis. Techniker und Strategen bei Daimler und BMW sind von jeher davon überzeugt, besser zu sein als die Konkurrenz. Die Zusammenarbeit, die Zetsche und Krüger ausgehandelt haben, müssen nun Källenius und sein noch unbekanntes Gegenüber in die Tat umsetzen. Sie sollten sich verstehen.

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Von Thomas Magenheim