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Weltweit Bedrohte Jobs: So könnte die Politik Beschäftigten helfen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Bedrohte Jobs: So könnte die Politik Beschäftigten helfen
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17:58 25.04.2019
Roboter übernehmen die Fabriken – damit die Beschäftigten nicht auf der Strecke bleiben, sollte die Politik handeln, sagt die OECD. Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa
Berlin

Schlechte Nachrichten verkünden Politiker nur ungern. Trotzdem räumt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ein: Der technologische Wandel stelle Arbeitsplätze auch in Deutschland infrage. Anlass ist die Studie „Beschäftigungsausblick 2019“, mit der die OECD am Donnerstag in Berlin die Beschreibung eines dramatischen Wandels vorlegte. Doch weder Heil noch die Spitzenvertreter der Staatenorganisation wollen bei düsteren Aussichten verharren.

Wie viele Arbeitsplätze sind durch Automatisierung bedroht?

OECD-weit rund jeder siebte (14 Prozent) - in Deutschland sind es laut der Studie sogar 18,4 Prozent. Sie fallen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent durch den Einsatz von digitaler Technik weg. In Deutschland schlägt laut OECD die starke Rolle des verarbeitenden Gewerbes zu Buche. Bei weiteren 31,6 Prozent der Jobs dürften sich im Schnitt der OECD-Staaten die Anforderungen durch die Digitalisierung stark verändern - in Deutschland bei 35,8 Prozent.

Wie hat sich die Verteilung der Jobs verändert?

Die Polarisierung der Arbeitsmärkte hat deutlich zugenommen. So nahm der Anteil der Jobs für Hochqualifizierte wie höhere Beamte oder Techniker OECD-weit innerhalb von zehn Jahren bis 2015 um knapp 8 Prozentpunkte zu, der für Geringqualifizierte wie Verkäufer um 2 Prozentpunkte - doch der Anteil der Jobs für Mittelqualifizierte sank um knapp 10 Punkte.

Sind die Beschäftigten gut gerüstet für die Veränderungen?

Viele nicht – sie haben nach Erkenntnissen der OECD nicht die immer nötiger werdenden Kompetenzen. So fehlt es OECD-weit 60 Prozent an IT-Kenntnissen oder sogar Computererfahrung. Die Weiterbildungsquote liegt aber bei gering qualifizierten Erwachsenen im OECD-Schnitt um 40 Prozentpunkte niedriger als die von Hochqualifizierten. In Deutschland ist die Kluft sogar noch größer.

Droht ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit?

Das erwartet die OECD nicht. „Trotz verbreiteter Sorge über eine mögliche Zerstörung von Arbeitsplätzen durch technologischen Wandel und Globalisierung erscheint ein starker Rückgang der Beschäftigung unwahrscheinlich“, so die Studie. Neue Jobs entstünden - auch mit der Digitalisierung. Und, wie Heil betont, wohl nicht zuletzt auch in der Erziehung, Bildung, Pflege und Gesundheit.

Wie sollte die Politik auf die Veränderungen reagieren?

Entscheidend ist aus OECD-Sicht, die Weichen vor allem in bedrohten Branchen richtig zu stellen. OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte die Politik zu einer „Agenda des Übergangs“ auf. Pessimismus sei kein guter Ratgeber – aktiv zu werden sei nötig.

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Konkret sieht die OECD etwa eine grundlegende Überarbeitung von Programmen zur Weiterbildung als zentral an, so dass mehr Menschen wirkungsvoll für neue Tätigkeiten qualifiziert werden. Auch sei es zentral, die Ausbreitung prekärer Scheinselbstständigkeit zu verhindern und die sozialen Sicherungssysteme darauf einzustellen, dass betroffene Arbeitnehmergruppen Unterstützung brauchen könnten.

Wie will Heil Arbeitnehmern in bedrohten Branchen helfen?

Ob bei Handel, Banken und Versicherungen, ob bei Herstellern analoger Produkte oder auch bei Kraftfahrern – welche Geschäftsmodelle der Unternehmen in einigen Jahren immer noch funktionieren, ist oft schwer vorherzusagen. Der Arbeitsminister will für Fälle, in denen Jobs reihenweise durch den Wandel bedroht sind, nicht nur öffentlich geförderte Weiterbildung stärken, sondern setzt auch auf Umschulungen.

Als eine Möglichkeit nannte Heil das vom Deutschen Gewerkschaftsbund vorgeschlagene Transformationskurzarbeitergeld. Laut DGB soll es eine Variante der Kurzarbeit sein - verbunden mit Qualifizierung und der Chance auf eine Weiterbeschäftigung nach dem Umbau eines Unternehmens. Jedenfalls wolle er im Sommer „konkrete Maßnahmen“ vorschlagen, kündigte Heil an.

Von RND/dpa/hö