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Weltweit Mindestlohn kommt auch für Lehrlinge
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Mindestlohn kommt auch für Lehrlinge
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00:19 16.05.2019
Schmales Gehalt: 325 Euro im Monat erhalten angehende Friseurinnen im Schnitt in Ostdeutschland.
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Berlin/Hannover

Auch für Auszubildende soll es bald einen Mindestlohn geben. Vom nächsten Jahr an steht ihnen eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr zu, die sich bis 2023 in zwei Schritten auf 620 Euro erhöhen wird. Darüber hinaus plant die Bundesregierung eine Staffelung der Mindestbezüge im zweiten und dritten Lehrjahr. Das sieht die Reform des Berufsbildungsgesetzes vor, die Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Mittwoch dem Kabinett vorlegen will.

Die Mindestvergütung für Auszubildende sei ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Aus- und Weiterbildung, sagte Karliczek am Montag in Berlin. Auf der einen Seite wolle man die Leistung der jungen Menschen in den Betrieben wertschätzen und anerkennen, auf der anderen Seite gehe es darum, „weiter die hohe Dynamik in den Betrieben zu erhalten, gute und hochwertige Ausbildung anzubieten“.

Mit der Reform wird erstmals eine gesetzliche Untergrenze für die Vergütung von Auszubildenden festgeschrieben – analog zum gesetzlichen Mindestlohn. Nach Einschätzung von Fachleuten werden von der Neuregelung vor allem Lehrlinge in Betrieben ohne Tarifbindung und in kleinen Betrieben im Osten des Landes profitieren.

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung beläuft sich in Ostdeutschland die durchschnittliche tarifliche Vergütung für Fleischer im ersten Lehrjahr auf lediglich 310  Euro im Monat, angehende Friseure erhalten 325 Euro. Künftige Raumausstatter bekommen 480 Euro, Mitarbeiter im Sicherheitsdienst 500 Euro und Schornsteinfeger 450 Euro.

Im Vorfeld hatte das Vorhaben für eine Auseinandersetzung in der Bundesregierung gesorgt. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte im März gefordert, dass sich ein Mindestlohn für Azubis „an den Durchschnitt der tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen anlehnen“ müsse. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte angeregt, die Untergrenze bei 80 Prozent des Durchschnitts der tariflichen Ausbildungsvergütungen einzuziehen. Gemessen an den Zahlen des Jahres 2017 wären das 635  Euro im ersten Ausbildungsjahr, 696 Euro im zweiten, 768 Euro im dritten und 796 Euro im vierten Lehrjahr. An dieser Forderung hält der DGB-Bezirk Niedersachsen fest.

Die Mindestvergütung sei als die unterste Haltelinie zu verstehen, hieß es in Hannover. Liege die tarifliche Vergütung höher, müsse auch die Mindestvergütung bei nicht tarifgebundenen Betrieben angemessen höher sein und ohne Ausnahmen gelten. „Die Mindestvergütung für Auszubildende ist längst überfällig“, sagte der hiesige DGB-Chef Mehrdad Payandeh. „Manche Arbeitgeber schwärmen in Sonntagsreden von der dualen Ausbildung, speisen Azubis aber mit Dumping-Vergütungen ab.“

Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) halten eine gesetzliche Regelung für überflüssig. „Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften haben sich bewährt“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Müller. „Die allermeisten Ausbildungsbetriebe liegen bereits deutlich über der Mindestausbildungsvergütung.“

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