Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Börsengang des Fahrdienstvermittlers: Alles etwas Uber-trieben
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Börsengang des Fahrdienstvermittlers: Alles etwas Uber-trieben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 10.05.2019
Uber CEO Dara Khosrowshahi (links) kann sich über zusätzliche Milliarden für das Unternehmen freuen. Quelle: AP
Anzeige
New York/Hannover

Die Milliarden wirbelten nur so durch den Raum, als Uber am Freitag an die Börse ging. Ist der Vermittler von Fahrdiensten nun 130 Milliarden Dollar wert, 100 Milliarden oder doch nur 80? Selbst am unteren Ende der Skala bleibt der Befund: Das zehn Jahre alte Unternehmen – verlustreich, skandalgeschüttelt und im Moment nicht einmal wachstumsstark – ist an der Börse mehr wert als gestandene, profitable Weltkonzerne mit Hunderttausenden Mitarbeitern.

Einem wie Uber trauen große Finanzinvestoren zu, in der Zukunft das Geld zu verdienen, das jetzt noch zu Volkswagen oder Ford fließt.

In Europa sehen viele in Uber nur einen billigen Taxiservice mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen – der deshalb auch von vielen Gerichten gebremst wurde. Doch das Unternehmen steht für mehr. Uber ist Teil einer Revolution, die den Verkehr und das klassische Autogeschäft mehr verändert als der Elektroantrieb. Ob Carsharing, Mitfahrgelegenheiten, Sammeltaxis, Buchungsapps oder Robotaxis, die ihren Passagier fahrerlos zum gewünschten Ziel bringen: Durch Internetplattformen kann einfach und billig wie nie Transport ohne eigenes Fahrzeug organisiert werden.

Neue Anbieter gibt es reichlich

Ob Uber die hohen Erwartungen erfüllen kann, ist völlig offen. Die Begeisterung des Kapitalmarkts könnte sich durchaus noch als übertrieben erweisen. Sicher ist aber: Irgendjemand wird es tun, überall formieren sich neue Anbieter.

Der Bedarf ist da. Das eigene Auto ist teuer und findet keinen Platz, das Taxigewerbe tut sich oft schwer mit modernem Service, der öffentliche Nahverkehr bietet zu Stoßzeiten nur Stehplätze, auf dem Land werden immer mehr Dörfer abgehängt. Mit moderner Technik Mobilität besser zu organisieren ist eine riesige Chance.

Das Beispiel Uber zeigt allerdings auch, wie man sie verspielen kann. Vor dem Börsengang demonstrierten weltweit Fahrer, die sich mit mickrigen Einkommen und ohne Festanstellung zu Recht ausgebeutet fühlen. Doch Besserung ist nicht in Sicht, denn vernünftige Löhne würden noch höhere Verluste bedeuten. Viele Experten halten das Uber-Geschäft erst mit fahrerlosen Robotaxis für rentabel.

Eine andere Baustelle ist der Datenschutz. Im vergangenen Jahr verschwieg Uber einen Hackerangriff, und natürlich sammelt auch diese App die Bewegungsdaten der Nutzer. Der Umwelteffekt ist nach ersten Studien zweifelhaft, teilweise führten die Fahrdienste zu mehr Autoverkehr statt weniger.

Die aktuellen Versuche des Bundesverkehrsministeriums, diesen Markt gesetzlich in geordnete Bahnen zu lenken, mögen den Uber-Begeisterten rückwärtsgewandt erscheinen. Nötig ist dies alles dennoch. Ja, Deutschland braucht eine Verkehrsrevolution. Doch profitieren sollten davon nicht nur die Uber-Investoren.

Von RND/Stefan Winter