Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Börsianer haken ein miserables Jahr ab
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Börsianer haken ein miserables Jahr ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:58 30.12.2011
Vorbei die Zeit, da man Prognosen errechnen konnte. Alte Modelle passen nicht mehr. Quelle: dpa
Anzeige
Frankfurt

Vor allem die deutsche Wirtschaft hatte sich aus der Krise überraschend schnell und stark erholt, und so sahen die meisten Analysten angesichts steigender Gewinne auch deutliche Kurszuwächse voraus. Wäre auf Prognosen Verlass, müsste der Deutsche Aktienindex jetzt bei 7750 Punkten stehen, die größten Optimisten sagten gar 9800 Punkte voraus. Doch nicht einmal 6000 Punkte zeigt der Index, gegenüber dem Jahresanfang ein Minus von mehr als 15 Prozent.

Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Aktienbesitzer in diesem Jahr 15 Prozent ihres Einsatzes verloren haben. Wer sich einzelne Werte herauspickte und genau beobachtete, kann durchaus eine positive Bilanz vorweisen. Doch selbst dabei konnten sich die Anleger nicht mehr auf die Erfahrungen der letzten Jahre verlassen. Gute Unternehmensnachrichten bedeuteten in diesem Jahr nämlich nicht mehr automatisch, dass   auch der jeweilige Kurs nach oben ging. Die weit verbreitete Verunsicherung über die Entwicklung der Weltwirtschaft konnte solche Nachrichten jederzeit überlagern.

Die Staatsschuldenkrise übertönte in Europa alles andere. „Wir leben in Zeiten der politischen Börsen. Wenn aber eine politische Entscheidung das Zeug  hat, die Märkte in Turbulenzen zu stürzen, kann man nur verlieren, und seien die Wirtschaftsindikatoren und Gewinnschätzungen noch so akkurat vorhergesagt“, resümiert Joachim Paech von der Investmentbank Silvia Quandt  in Frankfurt. Einige Analysten glauben gar, dass die mathematischen Modelle, mit denen die Profis die Kursprognosen bisher „errechnet“ haben, nicht mehr gelten. Es müssten neue Maßstäbe her, meinen sie. Aber bisher weiß noch niemand, wie diese aussehen sollen.

Relativ einfach war in diesem Umfeld noch die Vorhersage, dass 2011 wohl kein gutes Jahr für die Finanzwerte werden würde. Daher ist es auch nicht überraschend, dass die Commerzbank mit einem Minus von 71 Prozent der schwächste Wert unter den 30 Dax-Schwergewichten ist. Im Frühjahr hatte man für die Aktie noch 6 Euro bezahlen müssen, jetzt dümpelt der Kurs in der Nähe von einem Euro.

Und selbst dieses Niveau ist nach Ansicht vieler Experten noch nicht niedrig genug, um Commerzbank-Aktien zu kaufen, denn die Kapitalfragen der Bank sind noch nicht geklärt. Auf mehr als 5 Milliarden Euro hat die europäische Bankenaufsicht EBA den Kapitalbedarf  der Commerzbank taxiert, wenn sie bis zur Jahresmitte 2012 die dann geforderte Eigenkapitalquote von 9 Prozent erreichen will. Ein Trost für Bankchef Martin Blessing: Der Kurs sei schon zu niedrig, um auf weiter fallende Kurse zu wetten, meinen Analysten.

Neben den Finanzwerten traf es auch Industrieunternehmen, die eigentlich durchaus vorzeigbare Ergebnisse ablieferten. So zählen zu den Flops des Aktienjahres die Papiere von Daimler, K+S, ThyssenKrupp, Deutsche Lufthansa oder RWE. Dabei übertrafen sich die Experten gegenseitig mit nachträglichen Erklärungsversuchen.  Mal war es die „enttäuschte Erwartung“, mal der „unsichere Ausblick“, der angeblich die Anleger aus den jeweiligen Aktien vertrieben habe. Es läuft darauf hinaus, dass das Vertrauen in allen Bereichen einen erheblichen Dämpfer bekommen hat.

„Um der Börse neuen Schwung zu verleihen, müssen die Staaten endlich ihre Finanzen in den Griff bekommen“, fordert denn auch der Chef des Deutschen Aktieninstituts DAI, Rüdiger von Rosen.   Doch damit allein wird das Vertrauen auch nicht zurückkehren, das vor allem die Banken in den nächsten Monaten brauchen. Denn nicht nur der Commerzbank fehlt Kapital, auch viele andere Banken müssen sich aufpolstern, wenn sie ihr Geschäft im alten Umfang weiter betreiben wollen – so sehen es die neuen Kapitalregeln vor.
Das Wort von der „Kreditklemme“ macht bereits die Runde, auch wenn derzeit noch keine konkreten Hinweise  darauf zu finden sind, dass solide mittelständische Unternehmen im kommenden Jahr schwerer an Geld kommen sollten. Dennoch bemühen sich immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen, ihre Abhängigkeit von den Banken zu reduzieren. Dazu gehört vor allem eine Stärkung des Eigenkapitals, die selbst in der Krise gelang.

Durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen haben Firmen einen weiteren Weg gefunden, sich Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Das zieht immer weitere Kreise. So hat gerade das Opernfestival Gut Immling eine „Kultur-Anleihe“ angekündigt, um die jährlichen Kosten von einer Million Euro abzudecken. Die Festivalfreunde bieten eine Verzinsung von bis zu 4 Prozent.

Das ist immerhin doppelt so viel wie bei Bundesanleihen, mit deren kümmerlicher Rendite sich trotzdem viele sicherheitsbewusste Anleger begnügten. Alternativen sind rar. Angesichts des nach wie vor extrem niedrigen Zinsniveaus liegen die Renditen bei den festverzinslichen Wertpapieren höchstens in der Nähe der Preissteigerungsrate. Mutige Anleger setzen auf Gold – doch auch da scheint vorerst der Höhepunkt überschritten. Und wer sein Geld im Ausland anlegt, muss Währungsschwankungen berücksichtigen. Die Anlageexperten versuchen, die politische Unsicherheit durch immer neue Absicherungsinstrumente in den Griff zu bekommen. Doch sicher ist in diesen Zeiten wohl gar nichts.

Klaus Dieter Oehler

An der Tokioter Börse hat der Nikkei-Index das Handelsjahr auf dem niedrigsten Jahresschlussstand seit 29 Jahren beendet. Das Börsenbarometer für 225 führende Werte ging am Freitag mit 8455,35 Punkten aus dem Markt. So tief hatte der Nikkei seit 1982 kein Handelsjahr mehr beendet.

30.12.2011

Im Wattenmeer wimmelt es vor Krabben, doch die Krabbenfischer kämpfen ums Überleben. Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft wirft das Handtuch und verkauft seinen Kutter. Zurzeit steht rund ein Viertel der deutschen Fangflotte zum Verkauf.

30.12.2011

2011 hat es mehr Staus auf deutschen Autobahnen gegeben. Zusammengerechnet waren es 450.000 Kilometer, ermittelte der ADAC. Mancher Stillstand auf den Fernstraßen ließe sich vermeiden.

29.12.2011