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Weltweit Bundesweite Arbeitslosigkeit steigt wieder: Immer mehr Zeichen stehen auf Abschwung
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Bundesweite Arbeitslosigkeit steigt wieder: Immer mehr Zeichen stehen auf Abschwung
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18:03 29.05.2019
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat zuletzt wieder zugenommen. Quelle: picture alliance / Wolfram Stein
Berlin

Die Serie der enttäuschenden Konjunkturdaten setzt sich fort: Die Zahl der Arbeitslosen lag im Mai etwas höher als im April. Der Anstieg ist zwar minimal und auch auf einen statistischen Effekt zurückzuführen, fügt sich aber ins Gesamtbild.

Vor einer Woche fiel der Ifo-Index schwach aus, am Dienstag senkte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Wachstumsprognose für dieses Jahr. Allein der GfK-Konsumklimaindex verheißt Stabilität. Entsprechend wächst die Sorge an den Finanzmärkten: Alle Dax-Werte rutschten am Mittwoch ins Minus.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im Mai bundesweit 2,236 Millionen Menschen ohne Beschäftigung gezählt. Das waren einige Tausend mehr als im April, obwohl die Zahl im Frühjahr sonst meist sinkt. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Mai 2018 sogar um 60 000, wovon gut die Hälfte allerdings auf einen Sondereffekt zurückgeht: Bei der Überprüfung von Hartz-IV-Beziehern wurden viele aus der Kategorie „arbeitssuchend“ in „arbeitslos“ umsortiert.

Weniger offene Stellen

Rund 10 000 Neuanmeldungen gehen nach Angaben von BA-Chef Detlef Scheele aber auf das Konto der schwächeren Konjunktur. Auch die Zahl der offenen Stellen schrumpfte im Mai minimal auf 792 000 Jobs. „Die Beschäftigung bleibt weiter auf Wachstumskurs“, sagte Scheele. „Aber der Trend wird sich verlangsamen, an Schwung verlieren.“

Die meisten Experten hatten jedoch eine bessere Entwicklung erwartet. Die Daten stehen besonders im Blickpunkt, weil der jahrelange Job-Boom in Deutschland derzeit als wichtigste Stütze der Konjunktur gilt. Normalerweise prägen hierzulande die Industrie und ihre Exporte die wirtschaftliche Lage.

Doch die Weltkonjunktur hat ihren Höhepunkt hinter sich, Handelskonflikte, Brexit-Sorgen und andere Faktoren bremsen das internationale Geschäft zusätzlich. So ist der Konsum als einziger Treiber des Wirtschaftswachstums geblieben – und der hängt von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen ab.

DIHK pessimistisch

DIHK-Präsident Erik Schweitzer warnte bereits davor, dass sich die Personalplanung der Unternehmen „so deutlich wie seit fast fünf Jahren nicht mehr“ eintrübe. Die BA-Zahlen scheinen das zu bestätigen. Nach einer Umfrage unter 25 000 Unternehmen hat nun auch der IHK-Spitzenverband seine Prognose von 0,9 auf 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt – bisher war der DIHK noch etwas optimistischer gewesen als Bundesregierung und Forschungsinstitute.

Die Geschäftslage habe sich bei vielen Unternehmen gegenüber dem Jahresbeginn noch einmal spürbar verschlechtert. „Beim Auslandsgeschäft sind die Erwartungen so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt Schweitzer. Der Beschäftigungsaufbau werde sich zwar fortsetzen, „allerdings in geringerem Umfang als in den letzten Jahren“. Trotz der schwierigeren Lage beschäftige nach wie vor der Fachkräftemangel die Unternehmen. Der Arbeitsmarkt reagiere deshalb robuster auf Konjunkturschwankungen als früher.

Finanzmärkte schwächeln

Doch am Finanzmarkt machen sich offenbar wieder die Konjunktursorgen breit. Im vergangenen Herbst, als sich die ernüchternden Prognosen häuften, war es mit den Aktienkursen wochenlang deutlich abwärts gegangen. Seit Jahresbeginn haben sie sich wieder erholt, doch nun wächst erneut die Nervosität, befeuert durch viele politische Unsicherheiten, aber auch durch die enttäuschenden Daten aus Europas größter Volkswirtschaft.

Der Eurokurs gab am Mittwoch gegenüber dem Dollar deutlich nach, die drei wichtigsten deutschen Aktienindizes verloren rund zwei Prozent.

Von RND/Stefan Winter

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