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Weltweit „SAP hat ein Wahrzeichen für die Cebit geschaffen“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit „SAP hat ein Wahrzeichen für die Cebit geschaffen“
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00:19 18.06.2018
SAP hat auf der Cebit ein Riesenrad aufgebaut. Quelle: dpa
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Hannover

Der Softwareriese SAP ist Weltmarktführer für Computerprogramme zur Steuerung und Überwachung von Unternehmen, steht mit einem Börsenwert rund 125 Milliarden Euro an der Spitze der Dax-Rangliste und gilt als zutiefst seriös. Doch das Lob für nüchterne Effizienz reicht dem Konzern nicht mehr – auch SAP möchte jetzt von den Kunden geliebt werden. „So ein bisschen wie Apple, das wäre schon schön“, heißt am Stand auf der Cebit.

Jahrmarkt der Innovationen auf 2300 Quadratmetern

Aber was heißt schon Stand? SAP hat auf 2300 Quadratmetern einen „Jahrmarkt der Innovationen“ aufgebaut mit Vorführungen und Vorträgen von Experten – die eigentliche Attraktion aber ist ein ein 60 Meter hohes Riesenrad. Damit überragt der Konzern alle anderen Aussteller und lockt ein breites Publikum an: Selfie-Jäger, Polit-Prominenz und auch Geschäftskunden, die in einer der 40 Kabinen eine Pause im Terminkalender überbrücken. „Wir haben damit ein Wahrzeichen für die Cebit geschaffen“, sagt ein Unternehmenssprecher.

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Vor allem aber macht der Konzern auf sich aufmerksam und vermittelt ein neues Bild von sich selbst, das zum veränderten Charakter der Cebit passen soll – Informationen sind möglich, aber nicht unbedingt nötig. Nur wer möchte, bekommt vor der Runde im Riesenrad ein Ipad in die Hand und kann sich während der Fahrt SAP-Produkte rund um die Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und das sogenannte Internet der Dinge vorführen lassen. Das sieht alles sehr locker und unverbindlich aus – aber natürlich wird nach der Messe ausgewertet, welche Besucher die einzelnen Angebote nutzen, und was das später für das eigene Geschäft bedeuten kann.

Mit Auftritten wie auf der Cebit will SAP die eigene Gemeinde zu vergrößern – oder wie es im Jargon der Branche heißt: die „Community“. Auch Messen sollen dabei helfen, eine Schar von Anwendern und Entwicklern auf die eigenen Softwarelösungen einzuschwören. Neue Funktionen stehen dabei nicht mehr im Mittelpunkt, der Fokus richtet sich auf den Kunden, der die Produkte später kauft – diesen gilt es zu begeistern. Als Vorbild gilt hier der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs, der dieses Konzept zur Perfektion entwickelt hatte.

Nachholbedarf bei Kundenbindung

Der neue Look soll SAP auch dabei helfen, auf einem Markt zu punkten, auf dem aktuell noch ein Wettbewerber die Nase vorn hat – bei Programmen zur Steuerung von Kundenbeziehungen. Das sogenannte Customer Relations Management hilft bei der Kontaktpflege und dem Aufbau langfristiger Bindungen. Dieses Geschäft gilt als besonders wachstumsstark – deshalb ärgert es SAP um so mehr, dass sich der US-Konkurrent Salesforce hier einen Vorsprung erarbeitet hat.

Auf der Cebit hat sich der Konzern aus San Francisco freiwillig in die Ecke drängen lassen – die Halle 9 liegt weit vom zentralen Campus unter dem großen Holzdach entfernt. Dafür nimmt die Salesforce die gesamte Fläche für sich in Anspruch, das Design soll an einen amerikanischen Nationalpark erinnern, mit „Campgrounds“ für Besucher und einem „Trailblazer Camp“ für „digitale Pioniere“. Salesforce lässt auf der Cebit auch andere für sich sprechen und werben: Kunden, die zufrieden mit der Software des Konzerns arbeiten. Die reinen Produktbeschreibungen könnten sich die Besucher auch aus dem Internet holen, sagt ein Verantwortlicher: „Wir wollen hier ein Erlebnis schaffen – das Geschäft ergibt sich hoffentlich später daraus.“

Von Jens Heitmann