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Weltweit Jeder Siebte erhält Rente unterhalb der Armutsgrenze
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Jeder Siebte erhält Rente unterhalb der Armutsgrenze
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18:00 20.01.2020
Niedersachsens DGB-Chef Mehrdad Payandeh warnt vor Altersarmut für Rentner. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Für Berufstätige wächst nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) das Risiko, im Alter unter Armut zu leiden. Bei rund jedem siebten der 1,9 Millionen Ruheständler in Niedersachsen liege die gesetzliche Rente bereits unterhalb der Schwelle von 1035 Euro, ab der Menschen als arm gelten. Diese Quote sei zwischen 2008 und 2018 von 12,7 auf 16,3 Prozent gestiegen, sagte der Landesvorsitzende Mehrdad Payandeh am Montag bei der Vorstellung des DGB-Rentenreports. Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen muss.

„Wer sein Leben in Minijobs verbringt, hat keine Chance auf eine gute Rente.“

Nicht enthalten sind in den Berechnungen des DGB Leistungen aus der privaten Altersvorsorge oder aus Betriebsrenten. In der Regel seien diese Ansprüche aber zu gering, um eine geringe Altersrente so aufzustocken, dass die Bezieher nicht in die Armut rutschen, sagte Payandeh. Hinzu komme, dass inzwischen jeder vierte Beschäftigte im Niedriglohnsektor arbeite und sich deshalb eine entsprechende Vorsorge meist nicht leisten könne: „Wer sein Leben in Minijobs verbringt, hat keine Chance auf eine gute Rente.“

Frauen beziehen oft nur Mini-Renten

Im Jahr 2018 betrug die durchschnittliche gesetzliche Rente für Männer in Niedersachsen 1198 Euro, Frauen bezogen im Schnitt 646 Euro. Unter Berücksichtigung der Inflation bekamen Männer damit im Schnitt 108 Euro weniger als zehn Jahre zuvor, bei den Frauen waren es 91 Euro mehr – in diesen Zahlen spiegele sich wider, dass der Erwerbsanteil der Frauen in der Zwischenzeit gestiegen sei, sagte der Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik beim hiesigen DGB-Bezirk, Lars Niggemeyer.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind noch immer groß: Knapp die Hälfte der Männer, die 2018 in Rente gegangen sind, bekommt mehr als 1200 Euro im Monat, weitere 16 Prozent beziehen Leistungen von mehr als 900 Euro. Rund die Hälfte der Frauen erhält eine Rente zwischen 300 und 900 Euro, jede fünfte Rentnerin muss sich mit weniger als 300 Euro begnügen. Verantwortlich dafür seien auch Fehlanreize durch den Gesetzgeber wie die Privilegisierung von Minijobs, für die nur verringerte Beiträge für die Sozialversicherung abgeführt werden müssen – oder das Ehegatten-Splitting, das in der Regel Männer begünstige.

DGB fordert Anhebung des Rentenniveaus

Der DGB fordert deshalb, die gesetzliche Rente deutlich zu stärken. Auf längere Sicht müsse das Rentenniveau – also das Verhältnis der Standardrente zum aktuellen Durchschnittsgehalt – wieder auf 50 Prozent steigen. In den vergangenen Jahren ist das Niveau, das Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren erreichen, immer weiter gesunken – bis 2025 wurde es auf 48 Prozent fixiert. Zudem müssten Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten komplett entfallen und die Grundrente schnellstens Gesetz werden, hieß es.

Von der Landesregierung erwartet der DGB den Bau altersgerechter und bezahlbarer Wohnungen. Die Kombination aus steigenden Mieten und sinkenden Renten sei eine „tickende Zeitbombe“, sagte Payandeh: „Rentenerhöhungen sind schließlich nicht dazu gedacht, sie einfach nur an den Vermieter weiterzureichen.“

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