Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Diese Hannoveranerinnen wollen Lebkuchen cooler machen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Diese Hannoveranerinnen wollen Lebkuchen cooler machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 25.12.2017
Alexandra Vasquez Bea und Annette Rieger setzen auf Lebkuchen zu jeder Jahreszeit. Quelle: Rainer_Droese
Anzeige
Hannover

 Die Entscheidung für den Lebkuchen fällt am Maschsee, an einem Tag im Sommer 2015, bei 30 Grad. Annette Rieger und ihre Cousine Alexandra Vázquez Bea hatten schon oft darüber gesprochen, nun beschließen sie es: Sie machen sich selbständig und verwandeln ein über 100 Jahre altes Familienrezept für Lebkuchen in ein Geschäftsmodell. „Das Lenchen wartet doch nur auf uns“, sagt Rieger. Lenchen, so heißt der Lebkuchen in ihrer Familie, nach „Oma Lene“, der Schwester von Riegers Urgroßmutter.

Wie zwei hannoversche Gründerinnen das Traditionsgebäck entstauben wollen.

Zweieinhalb Jahre später sitzen die beiden Gründerinnen in ihrem Pop-up-Store in der Galerie Luise in der hannoverschen Innenstadt und ziehen eine Zwischenbilanz. Der Weg war härter als gedacht. Das Weihnachtsgeschäft 2016 haben sie verpasst. 2017 lief gut, aber nicht so gut wie erhofft. Den Durchbruch müssen sie noch schaffen: Für 2018 sieht ihr Plan die zehnfache Stückzahl vor. 

Wie das klappen soll? Rieger muss ein wenig ausholen. „Lebkuchen wird erst seit 150 Jahren nur zu Weihnachten gegessen. Früher das ganze Jahr über. Dahin wollen wir wieder zurück“, erklärt sie. Eine unweihnachtliche Verpackung haben die beiden bereits. Aber sie wissen: Das allein reicht nicht, um auch im Frühling Lust auf das saftige, nussige Gebäck zu machen.

Bald wollen sie deshalb Varianten einführen. Sie denken über eine Osteredition nach, über Lebkuchen, die zum Bier passen. Außerdem wollen sie mehr Vertriebspartner im Ausland finden. In China weiß niemand, dass Lebkuchen in Deutschland als Weihnachtsgebäck gilt. 

Die Mutter leistete Vorarbeit

Doch zurück zu 2015. Rieger fällt der Schritt in die Selbständigkeit leicht, sie arbeitet ohnehin freiberuflich, als Marketingmanagerin in der Kulturbranche. Vázquez Bea zögert, kündigt aber dann ihren Job als Bankerin. Gemeinsam fahren sie nach Wernigerode zu Riegers Mutter, die ihnen das Rezept feierlich übergibt.

Dank ihr müssen die beiden Gründerinnen nicht bei null anfangen. Sie hat die Lenchen weiterentwickelt und immer mehr gebacken – anfangs nur für Freunde, später auch für einige Hotels im Harz. 2014 stellte sie in ihrer Küche 4000 Stück her, mit einer Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer. Und die Nachfrage stieg weiter. 

Die beiden Cousinen wollen diese Chance nutzen. Sie schreiben einen Businessplan, nehmen einen Kredit auf, suchen einen Auftragsproduzenten. Selbst backen ist aber keine Option: Sie haben weder den nötigen Meistertitel, noch die Erfahrung, wie man die Qualität auch bei hohen Stückzahlen hält. Als Partner gewinnen sie die Garbsener Bäckerei Langrehr. Deren Konditormeister Andreas Fischer ist auch ihr „Sparringspartner für neue Ideen“.

Weihnachtsgeschäft verpasst

Im Sommer 2016 sind sie eigentlich startklar – doch ihre Verpackungen werden erst Ende November geliefert. Mit ihren kleinen Stückzahlen müssen die beiden sich hinten anstellen. „Da war die Saison praktisch schon gelaufen“, sagt Vázquez Bea. 2017 läuft besser: Bis Mitte Dezember verkaufen die beiden rund 7000 Packungen. „Leicht unter Plan“, sagt Vázquez Bea, „aber dennoch ein solider Erfolg, schließlich ist dieses Jahr die erste richtige Saison“. Eine Einzelpackung kostet 3,20 Euro, die 4er-Box 7,80 Euro, die 8er-Box 14 Euro.

Die relativ hohen Preise erklären die beiden mit den Zutaten und der Herstellung. Zum Beispiel nehmen sie statt günstiger kalifornischer Walnüsse teure französische. Dazu ausgewählte Rosinen und Mandeln, Rum, Butter und ein paar weitere Zutaten. Künstliche Zusatzstoffe sind tabu. Produziert wird von Hand: Der Teig ist zu zäh, die Stückchen sind zu groß für Maschinen.

Ob die beiden noch einmal gründen würden? Vázquez Bea räumt ein, dass sie die finanzielle Sicherheit ihres alten Jobs vermisst. Doch unter dem Strich war es die richtige Entscheidung, sagen beide. Sie wollen nicht zurück in ihr altes Leben. Sie schauen nach vorne: Bald wollen sie ihre ersten drei Mitarbeiter einstellen. Und sich noch besser mit anderen Firmen in der Region vernetzen, auch mit einem großen Lebkuchen-Hersteller aus ihrer Nachbarschaft: „Bahlsen wäre für uns ein toller Gesprächspartner. Erfahrenes Unternehmen und Start-up, wir können sicher viel voneinander lernen“, sagt Vázquez Bea.

Von Christian Wölbert

Der Insolvenzverwalter des österreichischen Ferienfliegers Niki verhandelt zunächst mit vier potenziellen Käufern. Das hat der Gläubigerausschuss an diesem Freitag entschieden. Insgesamt hatten sechs Interessierte Angebote eingereicht.

22.12.2017

Laut einer aktuellen Studie haben immer mehr Unternehmen in Deutschland Probleme, neue Mitarbeiter zu finden. Besonders getroffen vom Fachkräftemangel ist noch immer das Handwerk und technische Berufe.

17.04.2018

Der kurzfristige Ausstand der Piloten beim irischen Billigflieger Ryanair drohte die Weihnachts-Reisepläne von Tausenden Passagieren zu durchkreuzen. Doch die Auswirkungen blieben geringer als befürchtet.

22.12.2017