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Weltweit Dax-Konzerne offenbar von chinesischer Hackergruppe ausspioniert
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Dax-Konzerne offenbar von chinesischer Hackergruppe ausspioniert
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09:06 24.07.2019
Mehrere deutsche Konzerne sollen von chinesischen Hackern ausspioniert worden sein. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Berlin

Eine mutmaßlich chinesische Hackergruppe hat offenbar deutsche Unternehmen ausgespäht. Mehrere deutsche Konzerne sind nach Recherchen von BR und NDR in der Vergangenheit von Hackern angegriffen worden. Mindestens acht deutsche Unternehmen sind von dem Cyber-Angriff betroffen, darunter sechs Dax-Konzerne. Zudem sei rund ein Dutzend weiterer Unternehmen aus dem Ausland attackiert worden.

Ziel der Hacker ist die Chemie- und Pharma-Branche, aber mutmaßlich auch Telekommunikationsunternehmen und eine Fluglinie. Auch auf eine Hotel-Kette haben die Hacker Angriffe vorbereitet.

Der Industrie-Konzern Siemens bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, Anfang Juni 2016 Ziel eines Hacker-Angriffs gewesen zu sein. „Wir haben nach ausführlichen Analysen bis heute keine Hinweise darauf, dass bei diesem Angriff Daten abgeflossen sind“, sagte ein Konzernsprecher.

Beim Kunststoffhersteller Covestro hieß es, man sei ebenfalls betroffen gewesen: „Es gab den Versuch, uns auszuspähen.“ Es sei aber zu keinem Datenabfluss gekommen. Auch der Waschmittel-Hersteller Henkel bestätigte Vorfälle.

Stammen Hacker aus China?

Anfang April hatte der Chemie-Riese Bayer bestätigt, Opfer eines Cyber-Angriffs gewesen zu sein. Bereits seit Anfang 2018 habe es Anzeichen dafür gegeben, dass das Firmennetzwerk mit Schadsoftware der „Winnti“ genannten Hackergruppe angegriffen wurde.

IT-Sicherheitsexperten und deutsche Sicherheitsbehörden vermuten, dass die Gruppe aus China stammt. Gesicherte Erkenntnisse darüber, wer sich dahinter verbirgt, gibt es allerdings nicht. Die Hackergruppe soll 2016 auch hinter einer Attacke gegen Thyssenkrupp gesteckt haben.

Erstmals war die Hackergruppe im Oktober 2011 von IT-Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab enttarnt worden. Sie gilt als hochprofessionell, Angriffe werden in der Regel überhaupt erst spät bemerkt. Zunächst hatten sich die Angreifer nach Einschätzung von Experten auf Netzwerke für Online-Spiele spezialisiert und griffen dort Spielgeld, digitale Zertifikate und Nutzerdaten ab. Inzwischen sind vermehrt große Industrie-Unternehmen, aber auch der Mittelstand in Deutschland zur Zielscheibe geworden.

Hackerangriffe: Es könnten auch Nachahmer sein

Doch ganz klar konnte die Herkunft der Angriffe nicht bestimmt werden. Denn: Mitarbeiter einer deutschen Sicherheitsbehörde warnen davor, dass es theoretisch auch möglich wäre, dass andere Akteure die ursprüngliche „Winnti“-Gruppe bewusst imitieren.

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Von RND/dpa/ka