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Weltweit So viele Jobs könnten durch die Bankenfusion wegfallen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit So viele Jobs könnten durch die Bankenfusion wegfallen
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11:54 18.03.2019
Die beiden größten Privatbanken Deutschlands nehmen Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss auf. Quelle: Frank Rumpenhors/dpa
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Frankfurt

Monatelang wurde spekuliert, nun spielt der Vorstand mit offenen Karten: Die Deutsche Bank und die Commerzbank nehmen offiziell Gespräche über eine mögliche Fusion auf. Und obwohl die Fusion der beiden Großbanken damit noch lange nicht sicher ist, werden nun die möglichen Folgen des Zusammenschlusses diskutiert.

Experten zweifeln daran, dass die Fusion die Probleme der beiden Banken losen kann. Vielmehr erwarten einige Branchenkenner, dass der Zusammenschluss vor allem eines bedeutet: Stellenabbau. Wie viele Stellen durch die Zusammenarbeit gefährdet wären? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie viele Stellen können wegfallen?

Es gibt bislang keine genauen Daten. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Dienstleitungsgewerkschaft Verdi befürchtet, dass dann 20.000 Arbeitsplätze „im Feuer stehen“, so der Vorsitzende Frank Bsirske. Jan Duschek, Bankenexperte von Verdi, hält das Kappen von 30000 Jobs für möglich. Aktionärsschützer Klaus Nieding spricht sogar davon, dass bis zu 50000 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Wie kommen die Schätzungen zustande?

Bei all diesen Kalkulationen spielt eine entscheidende Rolle, wie die Überschneidungen in den geschäftlichen Aktivitäten beurteilt werden. Zusammengerechnet haben beide Institute derzeit rund 130.000 Beschäftigte. Offensichtlich ist, dass eine große Zahl von Filialen hierzulande dicht gemacht würde. Vielfach liegen die Standorte in den Innenstädten in unmittelbarer Nähe.

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Ohnehin sind beide Geldhäuser seit Jahren damit beschäftigt, die Zahl ihrer Niederlassungen zu verkleinern. Die Filialen gelten als teuer. Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung zahlreiche Dienstleistungen ins Internet verlagert werden können. Dabei geht es nicht mehr nur um Überweisungen und andere einfache Transaktionen. Künftig werden auch die Themen der privaten Geldanlage durch intelligente Software weitgehend automatisiert.

Wie sieht es in der Verwaltung aus?

Auch hier dürfte es einen massiven Jobabbau geben. Die Banken unterhalten riesige Verwaltungsapparate, auch weil Aufsicht und Regulierung nach der Bankenkrise vor zehn Jahren ausgebaut wurden. Durch die Zusammenlegung dieser Abteilungen würden zahlreiche Stellen wegfallen, insbesondere in Frankfurt, wo beide Banken ihre Filialen haben. Gleiches gilt für das Wertpapiergeschäft. Nach ähnlichem Muster sind schon die voran gegangenen Bankenfusionen hierzulande verlaufen.

Wo unterscheiden sich beide Banken?

Die Deutsche Bank ist im internationalen Geschäft erheblich aktiver als die Commerzbank. Das heißt auch, dass das Geldhaus noch immer im Investmentbanking einen Schwerpunkt hat. Die Commerzbank ist stärker auf das Inlandsgeschäft fokussiert, spielt eine wichtige Rolle in der Finanzierung des Mittelstandes. Plausibel ist, dass die Abteilungen mit den jeweiligen „Spezialitäten“ noch am ehesten von Jobabbau verschont blieben.

Wie zentral ist die Frage nach einem Stellenabbau?

Für die Bundesregierung sind die Arbeitsplätze bei den Banken nicht unwichtig: „Wir schauen natürlich auf die Zukunft der Arbeitsplätze, um die es geht“, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Montag bei einem „Bild“-Talk in Berlin. „Das ist natürlich ein sehr, sehr relevanter Punkt.“ Wenn es - wie berichtet - zu tausenden Arbeitsplatzverlusten käme, „dann ist das natürlich ein schwieriger Befund“, sagte der CDU-Politiker.

Zugleicht betonte Braun: „Es gibt kein politisches Veto gegen solche wirtschaftlichen Projekte“, sagte Braun. Der Bund habe mit seinem Commerzbank-Anteil keine Vetokraft. „Es gibt keine alleinige politische Motivation, diese Fusion jetzt anzustreben, sondern es muss eine betriebliche sein“, betonte er. Eine Fusion der beiden Banken sei „keine systemische Frage für Deutschland, sondern eine wirtschaftliche Frage für zwei Unternehmen“. Die Bundesregierung werde die Gespräche in Ruhe abwarten. Es sei sehr wichtig, die Bedingungen zu kennen. Dann werde der Bund als Anteilseigner entscheiden.

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Von RND/dpa/Frank-Thomas Wenzel

Wirklich gut geht es weder der Commerzbank noch der Deutschen Bank. Und so ist der geplante Zusammenschluss vor allem eine Flucht in Größe. Das birgt viele Risiken, schreibt RND-Redakteur Stefan Winter in seinem Leitartikel.

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