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Weltweit Deutsche Bank und Commerzbank: Eine Fusion, um Schlimmeres zu verhindern
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Deutsche Bank und Commerzbank: Eine Fusion, um Schlimmeres zu verhindern
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16:56 21.03.2019
Baustelle Bankenlandschaft: Die Deutsche Bank und die Commerzbank wollen sich zusammenschließen. Quelle: imago images / Hannelore Förster
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Frankfurt

Die beiden größten deutschen Banken unter einem Dach – das hätte zu anderen Zeiten funkelnde Fantasien von ungeahntem Glanz und neuer Marktführerschaft befeuert. Wenn nun aber Deutsche Bank und Commerzbank an diesem Projekt arbeiten, ist es lediglich ein Weg, um Schlimmeres zu verhindern: Niemand in der Finanzwelt ist wirklich begeistert von der Aussicht auf diese Fusion, nicht einmal die Chefs der beiden Häuser. Beide würden gern ihre jeweils eigenen Sanierungskonzepte umsetzen, doch ihnen läuft die Zeit davon. Und an entscheidenden Stellen glaubt man nicht mehr an den Erfolg.

Da ist die Börse, wo die beiden Geldhäuser nur noch kümmerlich bewertet werden. Längst schmilzt auch die Geduld der Großaktionäre, vor allem des US-Fonds Cerberus, der bei beiden Banken groß eingestiegen ist und zumindest auf dem Papier Hunderte Millionen Euro verloren hat. Und dann ist da noch die Bundesregierung, die in einer Mischung aus Sorge um die Institute – an der Commerzbank ist der Staat sogar beteiligt – und Sehnsucht nach einem „nationalen Champion“ seit Monaten Fusionssignale sendet. Sie alle fürchten, dass der nächste Sturm die beiden Großbanken ins Wanken bringen könnte. Beide haben sich nicht von den Umwälzungen der Finanzkrise erholt, sind ertragsschwach und haben es selbst bei gutem Verlauf noch weit bis zur Genesung.

Die Beschäftigten verlieren

So flüchtet man sich in die Größe. Was aber wird übrig bleiben bei dieser Addition? Die Beschäftigten werden nicht zu den Gewinnern gehören. Wenn die Deutsche Bank und die Commerzbank gemeinsam wettbewerbsfähiger werden sollen, werden Tausende, vielleicht Zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen. Geschieht das jedoch nicht, gibt es statt zwei Problembanken bald eine Katastrophenbank – es wäre ein neuer Rettungsfall, zehn Jahre nachdem eigentlich nie wieder eine Bank „too big to fail“ sein sollte. Damit das nicht droht, könnte auch eine Kapitalerhöhung nötig sein. Doch wer will das Geld geben für eine Strategie, die bisher wenig Freunde hat?

Bisher ist der einzige strategische Vorzug dieser Fusion die mögliche Kostensenkung. Die Fusion ist in dieser Hinsicht eine Chance, sie ändert jedoch wenig an den individuellen Schwächen der beiden Institute. Hinzu kommen Risiken: Selbstbeschäftigung und ungeklärte Strukturen dürften Beweglichkeit und Innovationskraft hemmen. Das wäre fatal in einem Markt, den die Digitalisierung im Sturm erobert.

All das wissen die Chefs der beiden Häuser. Doch wo liegen die Alternativen? Die beiden Großbanken sind inzwischen zu Getriebenen geworden, sie können kaum noch zurück. Allein eine negative Reaktion an den Finanzmärkten könnte den Fusionsplan noch sprengen. Aber damit würde nichts besser, im Gegenteil.

Von RND/Stefan Winter