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Weltweit Deutsche Wohnen führt im Juli eigenen Mietendeckel ein
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Deutsche Wohnen führt im Juli eigenen Mietendeckel ein
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16:08 22.06.2019
Die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen stand zuletzt im Rahmen der Enteignungsdebatte von Konzernen in der Kritik. Quelle: Paul Zinken/dpa
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Berlin

In der Diskussion um rasant steigende Mieten hat sich das Unternehmen Deutsche Wohnen für einen eigenen Weg entschieden: Ab 1. Juli würden Mieterhöhungen so begrenzt, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse, kündigte das Immobilienunternehmen am Samstagmittag auf seiner Internetseite an.

Deutsche-Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn hält es für „angemessen, wenn jemand 30 Prozent seines Einkommens für das Wohnen ausgibt“, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Diese freiwillige Selbstverpflichtung gelte auch dann, wenn der Mietspiegel weitere Erhöhungen erlaube. Ferner solle jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben werden.

Mietenstopp nur für Neumieter

Bereits bestehende individuelle Vereinbarungen zwischen der Deutsche Wohnen und ihren Mietern, die im Vergleich mit der neuen Selbstverpflichtung für die Mieter vorteilhafter sind, blieben selbstverständlich bestehen, heißt es in der Erklärung von Deutsche Wohnen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) begrüßte die Entscheidung der Deutsche Wohnen. „Sie verpflichtet sich zu sinnvollen und konkreten Maßnahmen für eine verantwortungsvollere Mietenpolitik“, sagte Müller am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die rot-rot-grüne Landesregierung der Hauptstadt beschloss am vergangenen Dienstag den sogenannten Mietendeckel. Deutsche Wohnen kritisiert das 2020 in Kraft tretende Gesetz. Laut Zahn würde es „eher Chaos bringen und Zwietracht sähen“. Darum fordert der Vorstandschef einen Wohngipfel beim Regierenden Bürgermeister.

Deutsche Wohnen steht in der Kritik

Der Immobilienkonzern mit Sitz in Berlin hat rund 167 000 Wohnungen, 70 Prozent davon in der Bundeshauptstadt, in der Wohnungsmangel herrscht. Für viele Mieter wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden - oder ihre Wohnung bei steigender Miete zu halten.

In Berlin steht der börsennotierte Konzern besonders in der Kritik. Dort hat die Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ gut 77 000 Unterschriften gesammelt. Nun wird geprüft, ob die Unterschriften gültig sind und ein Volksbegehren eingeleitet wird. Am Ende könnte ein Volksentscheid stehen.

Von RND/ka/dpa