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Weltweit Deutsche bei Wochenarbeitszeit in europäischen Spitzengruppe
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Deutsche bei Wochenarbeitszeit in europäischen Spitzengruppe
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08:39 31.07.2009
Mehr als 41 Stunden Arbeit pro Woche schaden dem Familienleben und beeinträchtigen langfristig möglicherweise auch die Gesundheit.
Mehr als 41 Stunden Arbeit pro Woche schaden dem Familienleben und beeinträchtigen langfristig möglicherweise auch die Gesundheit. Quelle: Jens Schlueter/ddp (Archiv)
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Das berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Europäische Gewerkschaftsbund kritisierte die Entwicklung scharf: „Das schadet dem Familienleben und beeinträchtigt langfristig möglicherweise auch die Gesundheit. Wer in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit neue Beschäftigung schaffen will, muss die Arbeit auf mehr Schultern verteilen anstatt immer weniger Menschen immer länger arbeiten zu lassen“, sagte der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann.

Hintergrund der Äußerungen sind die neuesten Statistiken der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin. Demnach gehören die Deutschen mit einer tatsächlichen Wochenarbeitszeit von 41,2 Wochenstunden (2003: 39,6 Stunden) zusammen mit Rumänien, Tschechien und Österreich zur europäischen Spitzengruppe. Schlusslicht ist Frankreich mit 38,4 Wochenstunden, Spitzenreiter ist Rumänien mit 41,8 tatsächlichen Wochenarbeitsstunden. Der Vizechef der europäischen Arbeitnehmervertreter, Hoffmann, sagte: „Die Arbeitnehmer arbeiten in Zeiten einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung immer länger. Es ist bedenklich, dass die tatsächliche Arbeitszeit in Deutschland 3,6 Stunden höher ist als in den Tarifverträgen vereinbart.“

Die von den Tarifparteien vereinbarte Wochenarbeitszeit liegt laut neuer EU-Statistik in Deutschland im Durchschnitt aller Branchen bei 37,6 Stunden. Die tatsächliche Wochenarbeitszeit ist aber länger, weil viele Beschäftigte Überstunden machen müssen oder in Betrieben arbeiten, die keine Tarifbindung haben. ddp/arh

Zahl der Zeitarbeiter steigt um 3,8 Prozent

Die Zahl der Zeitarbeiter ist nach Angaben des Bundesverbandes Zeitarbeit und Personal-Dienstleistungen (BZA) im Juni um 3,8 Prozent auf 526 000 gestiegen. „Dass der Arbeitsmarkt in diesem Sommer noch so gut dasteht, ist sicher auch diesem Zuwachs in der Zeitarbeit zu verdanken“, sagte BZA-Präsident Volker Enkerts der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitagausgabe). „Wir bekommen wieder mehr Aufträge aus dem Automobilbau und von den Zulieferern“, fügte er hinzu. Es sei der erste Anstieg seit zwölf Monaten. „Insgesamt hat uns die Krise 300 000 Stellen in der Zeitarbeit gekostet“, sagte er weiter.

Großes Potenzial sieht Enkerts im Dienstleistungsbereich. „Wir suchen im Moment händeringend Mitarbeiter im Gesundheitswesen und im IT-Bereich.“ Eine große Rolle könne auch der Bau spielen. „Wenn wir im Bereich des Bauhauptgewerbes zugelassen werden, könnten wir dort 100 000 Arbeitsplätze mehr besetzen.“

Von der nächsten Bundesregierung forderte Enkerts eine „weitere Entfesselung der Zeitarbeit“. Diskriminierende Sonderbestimmungen müssten wegfallen. „Deshalb brauchen wir auch kein Arbeitnehmerüberlassungsgesetz mehr.“ Enkerts sprach sich auch dafür aus, den gesetzlichen Begriff „Leiharbeit“ zu streichen. „Wir verleihen keine Menschen“, sagte Enkerts. „Leiharbeit“ sei ein politischer Kampfbegriff und sachlich falsch.

ddp