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Weltweit Die Politik des billigen Geldes geht weiter
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Die Politik des billigen Geldes geht weiter
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07:35 19.09.2013
US-Händler verfolgen die Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke. Quelle: rtr
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Die US-Notenbank Fed hat den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes völlig überraschend aufgeschoben. "Wir waren mit Blick auf das Wirtschaftswachstum zu optimistisch", sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Mittwochabend. Auch die hohe Zahl der Arbeitslosen sei ein Risiko für die Konjunktur. Daher werde die Notenbank die Wirtschaft weiter mit dem Aufkauf von Staatsanleihen im Volumen von 85 Milliarden Dollar pro Monat stützen.

Ökonomen hatten mit einer Drosselung auf 75 Milliarden gerechnet. Doch Bernanke hält die Wirtschaft dafür nun doch noch nicht für robust genug. Er wollte sich nicht einmal mehr auf einen Einstieg in den Ausstieg noch in diesem Jahr festlegen. Im Juni hatte er das noch in Aussicht gestellt. "Die Fed versucht jetzt, den Geist wieder in die Flasche zu bekommen", sagte Philip Marey von der Rabobank.

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An den Aktienbörsen legten die Kurse nach der Entscheidung kräftig zu, der Dow-Jones.Index stieg auf ein Rekordhoch. Auch an den asiatischen Märkten ging es aufwärts, für den Dax wurde das ebenfalls erwartet. "Keine Drosselung!", kommentierte der Investmentstratege Brad McMillan von Commonwealth Financial den Paukenschlag. "Der Markt liebt das!"

Es bleibe aber abzuwarten, ob die Begeisterung anhalte. Es gab aber auch Kopfschütteln: "Um die Wahrheit zu sagen, ich bin wirklich erschüttert", sagte Chef-Marktstratege Joseph Trevisani von WorldwideMarkets. Der Dollar stürzte auf den tiefsten Stand seit acht Monaten. Der Euro kostete rund 1,35 Dollar.

Die billionenschweren Hilfen der Notenbanken rund um den Globus haben die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren gestützt. Kritiker monieren, sie seien aber mittlerweile abhängig von ihnen wie von einer Droge.Bernanke sagte nach der Entscheidung, es gebe weiterhin Risiken für die Konjunktur: "Mit 7,3 Prozent liegt die Arbeitslosenquote weiter klar über einem akzeptablen Niveau." Wohin die Quote sinken müsse, ließ er offen. Auch die wiederholt kolportierten 7,0 Prozent, bei der die Fed handeln könne, sei keine "magische Zahl".

Die hohe US-Verschuldung ist der Fed zufolge ebenfalls ein Risiko. Den USA droht nach Einschätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses zwischen Ende Oktober und Mitte November die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Parlament keiner Erhöhung der Schuldenobergrenze zustimmen.Anders als die Europäische Zentralbank, die für vor allem für Preisstabilität sorgen soll, hat die Fed auch einen Auftrag, Vollbeschäftigung zu erreichen. Mit den Bond-Käufen soll die Wirtschaft in Schwung gebracht werden. Unter anderem werden so die langfristigen Zinsen für Immobilien-Papiere und Staatsanleihen gedrückt. Damit werden etwa Hauskäufe lukrativer.

Bernankes Amtszeit endet Anfang 2014. Einige Beobachter rechnen nun damit, dass es vorher keine Drosselung der Hilfen mehr geben wird. Nachfolgerin Bernankes wird vermutlich die Fed-Vize-Präsidentin Janet Yellen, die eher für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik steht.Am ultra-niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent will die Notenbank solange festhalten, bis die Arbeitslosenquote "deutlich unter 6,5 Prozent" gefallen ist. Dies ist aber auch an die Bedingung geknüpft, dass die Inflation nicht über 2,5 Prozent zu steigen droht. Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker ist 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Die Notenbank blickt inzwischen wieder pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich 3,0 Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.

Bernanke hatte im Mai in Aussicht gestellt, die Konjunkturhilfen zu stutzen, sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen. Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 rund 1,3 Billionen Dollar verschlingen. Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten.US-Präsident Barack Obama will im Herbst die Bernanke-Nachfolge entscheiden. Ein Vertreter des US-Präsidialamts sagte am Mittwoch, Yellen sei die führende Kandidatin. Der frühere Finanzminister Lawrence Summers hatte sich am Wochenende aus dem Rennen zurückgezogen. Yellen wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze.

rtr

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