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Weltweit VHV schafft Jobs – „durch Digitalisierung“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VHV schafft Jobs – „durch Digitalisierung“
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20:52 17.07.2019
„Es geht um Big Data“: VHV-Vorstandschef Uwe Reuter vor dem Hauptsitz in der List in Hannover. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Wegen des digitalen Wandels und der zunehmenden Automatisierung befürchten viele einen Arbeitsplatzabbau. Die hannoversche Versicherungsgruppe VHV aber spürt einen gegenteiligen Effekt: „Wir wachsen jedes Jahr um etwa 100 Mitarbeiter“, sagt Vorstandschef Uwe Reuter – „nicht trotz der Digitalisierung, sondern deswegen“. Natürlich erspare die Automatisierung viele althergebrachte Arbeitsschritte. Dadurch entfalle Arbeit, „aber wir nutzen unsere Digitalstrategie, um besser zu werden als unsere Mitbewerber“. Die Zahl der Kunden wachse. Im vergangenen Jahr hat die VHV ein Rekordergebnis erzielt.

„Es geht um Big Data

Die Versicherungsbranche gilt als besonders gebeutelt vom digitalen Wandel. Immer mehr Verbraucher erkundigen sich in Internet-Vergleichsportalen, bevor sie einen Vertrag etwa für das Auto oder eine Lebensversicherung abschließen. 400 Millionen Euro habe sein Unternehmen für die konsequente Umstellung auf Digitalstrategien eingeplant, sagt Reuter. Etwa 100 Millionen davon habe man in den vergangenen zwei Jahren ausgegeben. Denn nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen seien groß. „Es geht um Big Data“, erklärt Reuter: „Versicherungen wissen schon immer sehr viel über ihre Kunden. Dank moderner Technik können wir dieses Wissen jetzt erstmals gezielt nutzen und etwa in der Risikoanalyse viel genauere Vorhersagen treffen, von denen dann wiederum unsere Kunden profitieren.“

VHV hat 233,3 Millionen Euro erwirtschaftet

Im vergangenen Jahr hat die VHV-Gruppe einen Überschuss von 233,3 Millionen Euro erzielt – nach 156,1 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Zahl der Versicherungsverträge stieg um 3,3 Prozent auf 10,9 Millionen. Die Beitragseinnahmen legten um 3,6 Prozent auf 3,15 Milliarden Euro zu.

Beitrag in fünf Minuten berechnet

Was Digitalisierung für Kunden bedeutet, kann man auf der Homepage der VHV sehen. Wer eine Risikolebensversicherung abschließen will, könne sich in etwa fünf Minuten ausrechnen lassen, was sie für ihn kostet, sagt Frank Hilbert, Vorstandssprecher der Konzerntochter Hannoversche Leben. Um dann wirklich abzuschließen, benötige man noch einmal etwa 15 Minuten. Dann sei sogar die digitale Unterschrift unter dem Vertrag möglich. Das Unternehmen setze schon lange auf eine offensive Digitalstrategie. „Wir sind etwa drei Jahre vor der Konkurrenz.“

Mitarbeiter erhalten 2,5 Monatsgehälter extra

Belegschaft und Betriebsrat stünden hinter dem Kurs, sagt Reuter. Wegen des guten Abschlusses hat jeder Mitarbeiter für 2018 eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 2,5 Monatsgehältern erhalten. Kürzlich feierten alle im Hannover Congress Centrum (HCC) den 100. Geburtstag der VHV. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch erhebliche Konflikte wegen eines Kostensenkungsprogramms und Stellenstreichungen. 2012 schloss die VHV Auflösungsverträge mit 120 Mitarbeitern. 50 von ihnen klagten später dagegen. Sie fühlten sich getäuscht – bekamen aber nicht recht. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 3202 Mitarbeiter, im Vorjahr waren es 3129. Am Standort Hannover-List sind es etwa 2600. Das Hauptgeschäft machen Bauspezialversicherungen für Architekten und Baufirmen sowie Auto- und Haftpflichtversicherungen aus.

Zum Weiterlesen:

Kommentar: Die Ersten werden gewinnen

2018: Gutes Ergebnis: Mitarbeiter bekommen Höchstbonus

2017: Digitalisierung bedroht Arbeitsplätze bei der VHV

2014: Mitarbeiter unterliegen vor Gericht gegen VHV

Von Conrad von Meding

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