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Weltweit Dubai hat zu viel
 auf Sand gebaut
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Dubai hat zu viel
 auf Sand gebaut
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20:17 30.11.2009
Von Jens Heitmann
Die Gier nach Glanz, Größe und Geld stößt an eine Grenze. Quelle: afp
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35.000 Dollar zahlt der Gast für eine Nacht auf 924 Quadratmetern mit drei Schlafzimmer mit eigenen Bädern, eigener Bibliothek und einem mit Gold überzogenen Esstisch für 16 Personen. Von dort fällt der Blick im Norden auf den Persischen Golf, wo das Emirat dem unberechenbaren Iran entgegenragt. Im Süden blinkt die Front des Finanzviertels herüber. Das Desaster dazwischen taucht der Abend in gnädiges Dunkel.

Milliarden Tonnen von Sand hat Dubais Alleinherrscher Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum hier aufschütten lassen für sein Projekt einer in Form einer Palme angelegten Insel mit gut vier Kilometern Radius, mit Villen auf den Wedeln, Apartmenthäusern auf dem Stamm und Badehotels auf dem äußeren Ring. Über den Stamm der Palme führt eine sechsspurige Straße, ein Straßentunnel unter dem Meer hinaus auf den äußeren Ring zum „Atlantis“ mit seinen 1539 Zimmern. Stahlträger von 58.000 Kilometern Länge wurden eingezogen, damit der Hotel-Koloss nicht wie sein mythischer Namensgeber im Meer versinkt. Der Stabilität des Palmen-Projekts hilft das allerdings nicht – wie im gesamten Emirat ist es mit der Gier nach Größe, Glanz und Geld auch hier vorbei: Dubai kann seine Schulden nicht mehr abtragen.

In der vergangenen Woche hatte das Emirat die Gläubiger der Palmeninsel-Bauherren mit der Bitte um Zahlungsaufschub für eine im Dezember fällige Anleihe über 3,5 Milliarden Dollar überrascht und damit einen Aufruhr auf den internationalen Finanzmärkten losgetreten. Die Investoren erinnerten sich daran, dass Dubai insgesamt mit rund 80 Milliarden Dollar in der Kreide steht und allein in den nächsten drei Jahren 50 Milliarden Dollar begleichen muss. Der Markt habe eben eine pünktliche Rückzahlung erwartet, sagt Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum.

Manager vor Ort schmunzeln über soviel Realitätsverlust. „Wo haben diese Leute in der letzten Zeit hingeguckt?“, fragt einer, der seit drei Jahren in Dubai arbeitet. Seit Monaten sind die Immobilienpreise auf Talfahrt und um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Zwei Drittel der zu Boom-Zeiten begonnenen Baustellen stünden still, heißt es. Obwohl bereits jede fünfte Immobilie leersteht, sollen bis zum Jahr 2011 noch 100.000 neue Wohnungen entstehen und mehr als 3 Millionen Quadratmeter Bürofläche auf den Markt kommen.

Dubais Traum vom ewigen Aufschwung währte ein Vierteljahrhundert. Weil die eigenen Ölvorkommen nicht weit reichten, wollte sich das Emirat als globaler Dienstleister etablieren – als Hafenbetreiber, Hotelier und Handelsplatz. Zunächst profitierte das Emirat vom Unglück anderer: Erst trieb der Krieg zwischen dem Irak und Iran den Umschlag im Hafen Jebel Ali in ungeahnte Höhen, später spülte der Einmarsch Saddam Husseins in Kuwait viele Petrodollar nach Dubai, als die Scheichs aus der Nachbarschaft für ihre gestiegenen Gewinne aus dem Ölgeschäft nach renditeträchtigen Anlagen suchten.

Mit dem Kapital ging das Emirat auf Einkaufstour. Zum Portfolio der Staats-Holding Dubai World gehört die britische Reederei P&O. Die Holding hält Anteile an der Londoner Börse, der Deutschen Bank, dem Rüstungskonzern EADS und dem Elektronikriesen Sony. „DP World“ ist inzwischen der drittgrößte Hafenbetreiber der Welt, und mit seiner Fluggesellschaft Emirates will sich Dubai als Drehkreuz für den internationalen Luftverkehr etablieren. Auch hier drohen die Erwartungen die Realität zu überflügeln: Emirates hat 50 Riesen-Airbus vom Typ A380 bestellt – die deutlich größere Lufthansa bescheidet sich mit 15 Maschinen. „Ich möchte mit denen im Augenblick nicht tauschen“, sagt Peter Pollak, Lufthansa-Chef für die Golf-Region.

Bei den Immobilien ist die Gigantomanie bereits an ihre Grenze gestoßen. Angetrieben von niedrigen Zinsen hatten sich zuletzt immer mehr Investoren an der Spekulationsblase beteiligt. Die Profis kauften Häuser und reichten sie mit horrenden Gewinnen weiter, ehe die Bauarbeiten begonnen hatten. Immer schneller drehte sich das Karussell, die Projekte wurden größer und größer: Die „Dubai Waterfront“ sollte als künstliche Kanallandschaft mit Tausenden von Villen 1,5 Millionen Einwohner beherbergen, „Dubailand“ als eine Art Disney-Park in der Wüste täglich 200.000 Besucher anziehen. Auf absehbare Zeit wird es bei Hochglanz-Prospekten und hübschen Computersimulationen bleiben.

Der „Burj Dubai“ hingegen steht schon. Das mit 818 Metern höchste Gebäude der Welt will der Scheich Anfang Januar eröffnen. In die unteren acht Etagen zieht das erste Armani-Hotel ein, die Stockwerke darüber richtet der Modedesigner komplett ein, darüber stapeln sich Büros. Innerhalb von Stunden sei man ausverkauft gewesen, beteuert eine Sprecherin von der Immobilien-Holding Emaar – zu Preisen und zur Solvenz der Investoren will sie nichts sagen. Die Ratingagentur Moody’s hat die Anleihen des Konzerns, an dem der Staat ein Drittel der Anteile hält, auf Schrottstatus heruntergestuft.

Am Montag nun brüskierte das Emirat die Finanzwelt mit der Ankündigung, nicht für die Schulden der staatseigenen Holding „Dubai World“ geradezustehen. Das sei Sache der Gläubiger, die ihren Teil der Verantwortung tragen müssten. Offenbar hätten etliche Investoren die Regierung von Dubai mit „Dubai World“ verwechselt, erklärte Abdulrahman Al Saleh, Generaldirektor des Finanzministeriums: „Die Regierung ist der Eigentümer der Firma, aber seit der Gründung ist es so eingerichtet, dass die Firma nicht durch die Regierung abgesichert ist.“ Die Börse in Abu Dhabi verzeichnete mit einem Minus von 8,3 Prozent den größten Tagesverlust aller Zeiten, in Dubai lag das Minus bei 7,3 Prozent. An den anderen Finanzplätzen nahm man die nächste schlechte Nachricht aus Dubai mit einem Achselzucken zur Kenntnis.

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