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Weltweit VW bringt die Autobranche gegen sich auf
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VW bringt die Autobranche gegen sich auf
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17:18 18.03.2019
Gratis-Strom für günstige Elektro-Autos wäre ganz im Sinne von VW. Quelle: dpa
Hannover

Volkswagen verlangt von der Bundesregierung umfangreiche Förderprogramme für Elektroautos. Günstige Modelle sollen dabei nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur besonders stark bezuschusst werden. Die Konkurrenz kritisiert das Konzept der Wolfsburger jedoch, sie befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung. Auch bei Zulieferern eckt VW mit seinem Fokus auf die Batterietechnik an.

Alle bisherigen Pläne zur Verkaufsförderung und zum Ausbau der Ladeinfrastruktur reichten nicht aus, argumentiert der VW-Konzern in einem Strategiepapier. Er schlägt vor, dass E-Autos über 2020 hinaus von der Kraftfahrzeugsteuer befreit bleiben. Die aktuelle Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro solle die Bundesregierung ebenfalls verlängern. Für Hybride sollen jedoch nur noch 1500 Euro statt bisher 3000 Euro gezahlt werden. VW plant weniger Modelle mit einem solchen Antrieb als viele Konkurrenten.

Darüber hinaus spricht sich der Konzern nach dpa-Informationen für einen „Mobilitätsfonds Elektromobilität“ aus. Dieser solle für Fahrzeuge unter 20 000 Euro den Ladestrom finanzieren. Alternativ sei denkbar, vor allem kleinere Autos unter vier Metern Länge zu fördern. Ab 4,65 Metern soll es demnach deutlich weniger Geld geben. Das Ziel: Auch weniger finanzkräftige Kunden sollen die Chance erhalten, ein Elektroauto zu kaufen.

Laut „Welt“ laufen andere Autobauer gegen die Pläne Sturm: „Das ist nichts anderes als eine Subventionierung von Elektroautos des VW-Konzerns“, hieß es demnach bei BMW. „Denn wir im Premiumsegment werden kaum Batterieautos zu einem Preis von unter 20 000 Euro anbieten können und sollen deshalb keine Förderung bekommen.“ Im Bundesverkehrsministerium wurde ebenfalls Kritik laut: „Die Wolfsburger sind zu sehr auf China und die dortige Batterieauto-Strategie fixiert.“

Absage an Brennstoffzelle

VW-Chef Diess hatte zuvor für E-Autos geworben. „In Politik und Verbänden darf nicht länger so getan werden, als gebe es gleichwertige Alternativen“, sagte er. Man werde zwar weiter an synthetischen Kraftstoffen und der Brennstoffzelle forschen. Doch diese Techniken würden erst in zehn Jahren relevant. Deutschland müsse sich daher auf die E-Mobilität fokussieren. „Nur so schaffen wir schnell die kritische Masse an bezahlbaren E-Autos. Nur so entsteht die Ladeinfrastruktur, verbunden mit der notwendigen Energiewende.“

Michael Theurer, FDP-Fraktionsvize im Bundestag, warf dem Konzernchef „Verrat an Millionen von VW-Kunden“ vor: Die einseitige Festlegung auf den E-Antrieb beschleunige den Wertverlust der Autos mit Verbrennungsmotor.

Der Chef des Autozulieferers ZF Friedrichshafen, Wolf-Henning Scheider, betonte: „Man darf nicht die Strategie eines einzelnen Unternehmens mit der gesamten Branche gleichsetzen.“ Der Bosch-Manager Uwe Gackstatter sagte dem „Handelsblatt“: „Wir müssen als Zulieferer technologieoffen sein“. Das Unternehmen müsse auch darauf vorbereitet sein, dass sich die E-Mobilität nicht durchsetze.

Am Montag wurde bekannt, dass VW sich an der Initiative von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zur Förderung der Produktion von Batteriezellen beteiligen will. Man habe Interesse an einer Forschungsförderung bekundet, sagte eine VW-Sprecherin. Insgesamt wollen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehr als 30 Unternehmen gefördert werden.

Von Thomas Strünkelnberg und Christian Wölbert

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