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Weltweit Emden hofft auf die Nord/LB
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Emden hofft auf die Nord/LB
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18:47 16.03.2012
Von Jens Heitmann
Foto: Bei den Nordseewerken in Emden werden jetzt sogenannte Tripods gebaut, die Füße von Windkraftanlagen auf dem Meer.
Bei den Nordseewerken in Emden werden jetzt sogenannte Tripods gebaut, die Füße von Windkraftanlagen auf dem Meer. dpa Quelle: dpa
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Hannover

„Erst die Expansion - dann die Börse". Vor vier Jahren war der Optimismus beim Windkraft-Zulieferer Siag Schaaf Industrie noch ungebrochen. Nach der Gründung 1999 war das Unternehmen durch Zukäufe schnell gewachsen, später holte die Unternehmerfamilie Schaaf eine Beteiligungsgesellschaft der BayernLB als Minderheitsaktionär an Bord, um das Tempo nochmals zu beschleunigen. Das trug Siag offenbar aus der Bahn: Anstelle des Börsensaals wartet nun das Konkursgericht - das Unternehmen teilte gestern mit, am Montag Insolvenz anzumelden.

„Die haben sich ganz offensichtlich übernommen", verlautete am Freitag aus Branchenkreisen. Obwohl 2009 der Auftragseingang von 206 auf 46 Millionen Euro eingebrochen war, hatte Siag weiter investiert: In den USA wurde ein Turmbauer gekauft, in Ägypten ein Rohrturmwerk mitgegründet - es folgte die Übernahme der Nordseewerke in Emden. ThyssenKrupp hatte an der Marinewerft das Interesse verloren - fortan sollten statt U-Booten „Dreifüße" für Windkraftanlagen im offenen Meer gebaut werden. Von den 1400 Mitarbeitern konnte nur die Hälfte an Bord bleiben.

Seit Monaten mehrten sich die Anzeichen für eine ernste Schieflage beim Mutterunternehmen. Mit Hilfe einer Unternehmensanleihe hatte Siag Mitte 2011 noch einmal durchstarten wollen. Der Auftragseingang sollte bis Jahresende 500 Millionen Euro erreichen, die Gesamtleistung 180 bis 190 Millionen Euro, 2012 sollte die Marke von 300 Millionen Euro übersprungen werden, 2013 von 400 Millionen Euro. Von Überschüssen war nicht die Rede.

Trotz eines Zinscoupons von 9 Prozent blieben die Anleger skeptisch - der Emissionserlös soll Finanzkreisen zufolge mit 12 Millionen Euro weit unter den erhofften 50 Millionen Euro geblieben sein. Die bösen Ahnungen trogen nicht: Im Dezember wurde Finanzvorstand Roland Schüttpelz mit sofortiger Wirkung abberufen, Ende Februar erklärte Siag, dass mindestens die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei - wegen Verzögerungen bei der Abwicklung von Projekten.

Unklar ist nun, wie es bei den Nordseewerken weitergeht. Von der Pleite der Mutter Siag sei man nicht direkt betroffen, erklärte Betriebsratschef Erwin Heinks. Die Geldflüsse der Gesellschaften seien getrennt - und die Auftragsbücher in Emden voll. Die Blicke richten sich daher nach Hannover: Die Norddeutsche Landesbank gilt an der Küste als wichtigster Finanzier für die Aufträge; die Landesregierung soll dafür zumindest zum Teil mit Bürgschaften geradestehen. „Wir erwarten von der Nord/LB, dass sie ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommt", sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Wilfried Alberts. Ein Sprecher der Bank wollte sich dazu nicht äußern.

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