Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Eon schreibt Milliardenverlust
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Eon schreibt Milliardenverlust
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:19 14.03.2012
Foto: Eon erleidet hohe Verluste. Ist der Atomausstieg Schuld?
 Eon erleidet hohe Verluste. Ist der Atomausstieg Schuld? Quelle: dpa
Anzeige
Düsseldorf

Nach der Atomwende im vergangenen Jahr mit einem milliardenschweren Verlust sieht sich Deutschlands größter Energiekonzern Eon wieder auf dem Weg nach oben. Bei der Bilanzvorlage am Mittwoch in Düsseldorf sprach Vorstandschef Johannes Teyssen vom bisher „schwierigsten Jahr“ in der Eon-Geschichte. Erstmals verbuchte der Energieriese 2011 einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 5,8 Milliarden im Vorjahr. Vor allem die Erlöseinbußen durch die Stilllegung von zwei Atomkraftwerken und die Brennelementesteuer sowie massive Abschreibungen auf Aktivitäten in Südeuropa machten dem Düsseldorfer Konzern zu schaffen.

Teyssen hatte bereits Ende vergangenen Jahres die herben Verluste angedeutet. Inzwischen habe das Unternehmen die Talsohle durchschritten. Die Ergebnisse machten deutlich, dass Eon neu ausgerichtet werde müsse, betonte Teyssen. Dabei zahle sich auch das frühzeitige Engagement des Unternehmens in erneuerbare Energien aus. In den kommenden fünf Jahren werde Eon eine Summe von 7 Milliarden Euro in diesen Bereich investieren, darunter  eine Milliarde Euro in Deutschland.

Im vergangenen Jahr war der Konzernumsatz um 22 Prozent auf 113 Milliarden Euro gestiegen, bedingt durch einen regen Strom- und Gashandel. Werden die einmaligen Abschreibungseffekte aus dem Nettoergebnis herausgerechnet, ergibt sich nach Darstellung von Eon ein sogenannter nachhaltiger Konzernüberschuss von 2,5 Milliarden Euro, fast 50 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Durch die Energiewende waren Eon und die drei anderen großen deutschen Energieversorger RWE, EnBW und Vattenfall 2011 in die Bredouille geraten. Teyssen bezifferte die Belastung durch das Abschalten von zwei Atommeilern auf 2,5 Milliarden Euro, einschließlich der neuen Kernbrennstoffsteuer. Zu verkraften hatten die Düsseldorfer darüber hinaus erheblich Gewinneinbußen im Gashandel.

Die Konzerntochter Eon Ruhrgas steht seit längerem wegen langfristiger Lieferverträge unter Margendruck. So verzeichnete Eon 2011 im Gashandel operativ einen Ergebnisrückgang von 700 Millionen Euro. Eine Wende zeichnet sich unterdessen ab: Am Dienstagabend erzielte das Unternehmen mit Norwegen eine Einigung über die Lieferung von 25 Prozent des gesamten Gasbezugs zu Preisen auf Marktniveau. Keine Fortschritte über eine Anpassung der Preise bei den Lieferverträgen gibt es dagegen mit der russischen Gazprom, von der Eon 35 Prozent seiner gesamten Lieferungen erhält. Der Fall liegt derzeit vor dem Schiedsgericht.

Zuversichtlich zeigte sich Teyssen indes bei der Umsetzung des Umbau- und Sparprogramms Eon 2.0. Das Unternehmen will weltweit in den kommenden Jahren bis zu 11 000 Stellen abbauen. Mit dem Konzernbetriebsrat hatte sich das Management Ende Januar nach zunächst schwierigen Verhandlungen auf die Maßnahmen geeinigt. Danach sollen unter anderem betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

Die kräftigen Ergebniseinbußen werden auch die Aktionäre mit einer deutlich niedrigeren Dividende zu spüren bekommen. Die Ausschüttung, so der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, soll von 1,50 Euro auf 1,00 Euro gekürzt werden. Für das laufende Jahr versprach der Konzern seinen Anteilseigner wieder ein leichtes Plus auf 1,10 Euro.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.