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Weltweit „Ohne Fracking ist Wachstum nicht möglich“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit „Ohne Fracking ist Wachstum nicht möglich“
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00:18 15.03.2019
Zwei der typischen „Pferdekopf-Nicker"-Förderpumpen stehen im Ölfeld Rühle bei Rühlertwist im Emsland. Quelle: dpa
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Hannover

Die deutsche Erdöl- und Erdgasindustrie will die heimische Förderung wieder erhöhen. „Wir müssen den negativen Trend umkehren“, sagte Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG), am Dienstag in Hannover. Die Branche begrüße es, dass die Bundesregierung jetzt stärker darauf setze, erneuerbare mit konventionellen Energieträgern zu kombinieren. „Wir können mehr zur Energiewende beitragen, als viele glauben“, sagte Möhring.

Zuletzt ist die Fördermenge in Deutschland deutlich gesunken: Im Jahr 2003 wurden rund 3,8 Millionen Tonnen Öl aus dem Boden gepumpt – im vergangenen Jahr war es fast die Hälfte weniger. Beim Erdgas schrumpfte die Menge im gleichen Zeitraum sogar um zwei Drittel auf 6,3 Milliarden Kubikmeter. Damit decke die Gasförderung nur noch 7 Prozent des heimischen Bedarfes, sagte Möhring. Verantwortlich für den Rückgang seien die wachsenden Widerstände in der Bevölkerung und in der Politik gegen neue Bohrungen.

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Mehr Dialog gesucht

Die Erdöl- und Erdgasindustrie sieht sich hier in einer ähnlichen Lage wie die Betreiber von Stromtrassen, die Deutsche Bahn oder Wasserverbände. Sobald die Planung eines größeren Infrastrukturprojektes Konturen annehme, komme es zu Protesten, hieß es. Der BVEG und seine rund 80 Mitgliedsunternehmen wollten künftig stärker auf die betroffenen Bürger zugehen und den Dialog suchen, sagte Möhring: „Wir müssen raus aus der ideologisierten Debatte, dass jeder andere Energieträger außer den erneuerbaren Energien zu verhindern ist.“

Die Branche setzt in der Diskussion auf Fakten: Trotz der ausgerufenen Energiewende bewege sich der Verbrauch in Deutschland weiterhin auf dem Niveau von 1990 – nur die Anteile zwischen den Sektoren Industrie, Verkehr, Gewerbe und private Haushalte hätten sich leicht verschoben, sagte Möhring. Die erneuerbaren Energien trügen bisher nur 14 Prozent zum gesamten Verbrauch bei, die CO2-Emissionen verharrten auf dem Niveau von 2010. „Das zeigt, dass der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen schon den Ausstieg aus der Atomkraft nicht kompensieren kann“, sagte Möhring.

Nach Einschätzung des Verbandes wird es sehr schwer, den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch in dem Maße zu steigern, wie es zur Erreichung des Klimaschutzziels der Bundesregierung nötig wäre. Deshalb führe an einem wachsenden Einsatz von Erdgas kein Weg vorbei, sagte Möhring. Das gelte für die Stromproduktion, aber auch für den Verkehr und die Wärmeversorgung: „Als rohstoffarmes Land sind wir gut beraten, die heimischen Potenziale zu heben.“

Diese sind jedoch begrenzt: Laut BVEG belaufen sich die deutschen Gasreserven aktuell auf 50 Milliarden Kubikmeter – 2016 waren es noch 30 Prozent mehr. Der Grund dafür ist offenbar, dass die Unternehmen zunehmend daran zweifeln, ob sie künftig noch die Fracking-Methode nutzen können, bei der Wasser mit hohem Druck in den Untergrund gepresst wird, um das umliegende Gestein hydraulisch aufzubrechen. „Ohne Fracking ist ein erhebliches Wachstum beim Erdgas nicht ohne weiteres möglich“, sagte Möhring.

Von Jens Heitmann