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Weltweit Neue Mitfahrbörse: Flixbus setzt auf Flixcar, weil Blablacar auf Blablabus setzt
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Neue Mitfahrbörse: Flixbus setzt auf Flixcar, weil Blablacar auf Blablabus setzt
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16:24 19.07.2019
In das deutsche Fernbusgeschäft kommt Bewegung. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Frankfurt

Flixbus expandiert. Das Unternehmen, das die grasgrünen Fahrzeuge über die Autobahnen schickt, will künftig auch Mitfahrgelegenheiten vermitteln. Mit dem neuen Geschäftsfeld soll auch Konkurrenz aus Frankreich auf Distanz gehalten werden.

Die Muttergesellschaft Flixmobility hat rund 500 Millionen Euro eingesammelt. Die Finanzinvestoren Permira und TCV sind bei dem Unternehmen eingestiegen, das jetzt mit mehr als zwei Milliarden Euro bewertet und damit zu einem der erfolgreichsten hiesigen Start-ups wird. Die halbe Milliarde soll auch in den Ausbau der Geschäfte in Europa und den USA verwendet werden. Zudem will das Management den Sprung nach Asien und Südamerika wagen.

Jetzt kommt die Mitfahrplattform

Und die neue Marke Flixcar soll die Bus- und Bahnangebote ergänzen. Die Mitfahrplattform sei der nächste logische Schritt, um das Mobilitätsnetzwerk zu ergänzen“, sagt Jochen Engert, Chef und Gründer von Flixmobility. In einem Pkw würden rechnerisch im Schnitt nur 1,5 Personen sitzen. Mitfahren sei eine tolle Art und Weise Spritkosten zu teilen und die Belastungen für das Klima zu verringern.

Das Münchner Unternehmen will die neue Plattform zunächst in einem oder zwei europäischen Ländern testen – Deutschland dürfte dazu gehören. Es geht den Managern einerseits darum, dass den Fahrgästen der Busse und Bahnen des Unternehmens die Möglichkeit gegeben wird, zu Bahnhöfen und Haltestellen zu kommen beziehungsweise von den Endstationen weiterzureisen. Dadurch könnten mehr Kunden in kleineren Städten erreicht werden, so Engert.

Erst kürzlich hatten die Betreiber der Mitfahrbörse Blablacar angekündigt, ins Fernbusgeschäft einsteigen zu wollen. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Mit dem Vorstoß reagiert das Unternehmen auch auf neue Konkurrenz. Das französische Startup Comuto greift auf dem Heimatmarkt an. Kürzlich schickte es die Marke Blablabus mit Kampfpreisen ab 99 Cent pro Ticket auf den deutschen Fernbusmarkt, wo Flixbus einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent hat. Die Franzosen kommen aus der anderen Ecke. Sie dominieren mit Blablacar in ganz Europa das Geschäft mit der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten gegen Gebühr. Die Blabla-Manager sehen die Busse als komplementäres Angebot zu ihrem Kerngeschäft.

Finanzstarke Investoren auf beiden Seiten

Die beiden Rivalen setzen auf die immer wieder beschworenen Synergien. Mitfahren und Busfahren sollen sich wechselseitig hochschaukeln. Wer im dem Konkurrenzkampf die Nase vorn haben wird, hängt ganz entscheidend davon ab, wie viel Geld die Investoren locker machen. Da hat sich einiges an Finanzkraft versammelt: Hinter Comuto stehen nach Informationen des Startup-Portals Crunchbase unter anderem die französische Staatsbahn SNCF und Kapitalgeber aus Russland und den USA.

Bei Flixmobility sind mit Permira und TCV jetzt zwei renommierte Investoren eingestiegen. TCV hat unter anderem in Facebook, Netflix und Airbnb investiert. Permira kann auf eine lange Liste mit Engagements auch bei deutschen Unternehmen wie Hugo Boss oder Debitel zurückblicken. Die Europäische Investitionsbank, das Geldhaus der EU, hat ebenfalls Kapital zur Verfügung gestellt. Größter Anteilseigner bleibt aber der US-Finanzinvestor General Atlantic. Auch die Risikokapital-Sparte des Holtzbrinck-Verlages ist an Flixmobility beteiligt.

Natürlich hängt das Schicksal der neuen Mobilitätsanbieter auch stark davon ab, wie die anderen Geschäfte laufen. Flixmobility ist bereits in 17 Ländern vor allem mit Fernbussen aktiv. Schwerpunkt ist Europa. Aber auch in den USA wird die Marktführerschaft angestrebt. Der Einstieg in südamerikanische und asiatische Märkte ist für 2020 anvisiert. Details werden bislang nicht genannt.

Flixtrains sollen wachsen

Zudem will das Unternehmen sein Angebot auf der Schiene mit der Marke Flixtrain ausbauen. Die Münchner sind im vorigen Jahr in das Bahngeschäft eingestiegen, und zwar auf dem deutschen Heimatmarkt. Demnächst sollen im Zuge der Liberalisierung der Eisenbahnbranche grasgrüne Züge auch in Schweden und in Frankreich fahren.

Mit der neuen Finanzierungsrunde habe man nun alle Freiheiten, um Strategien umzusetzen und die Vision zu verfolgen, „Flix zu einer globalen Mobilitätsplattform auszubauen“, sagte Engert der Nachrichtenagentur Reuters. Dank des zusätzlichen Kapitals könne man auf einen Börsengang, der schon geprüft wurde, verzichten.

So umgeht das Management auch den Druck, der damit verbunden ist, alle drei Monate einen Quartalsbericht vorzulegen und für Analysten und Investoren Geschäftszahlen zu rechtfertigen. Engert räumt ein, dass sein Unternehmen erst auf der Hälfte der bedienten Märkte profitabel sei. Insgesamt schreibe man eine „schwarze Null“. Einzelheiten nennt der Manager nicht.

Flixbus startete 2013 nachdem die Bundesregierung das Fernbus-Monopol der Deutschen Bahn aufgehoben hatte. Das Unternehmen setzte sich mit einer aggressiven Expansionsstrategie durch, wobei mehrere Konkurrenten übernommen wurden. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass die Firma Tickets vermarktet und Fahrpläne bastelt. Sie besitzt aber weder Busse noch Eisenbahnzüge, sondern beauftragt Busunternehmen und Eisenbahnbetreiber mit den Fahrdiensten. Der Jahresumsatz soll aktuell bei rund 500 Millionen Euro liegen.

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Von RND/Frank-Thomas Wenzel

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