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Weltweit Kurzer Draht nach Düsseldorf
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20:37 10.04.2014
Von Jens Heitmann
Friedrich Joussen, Chef des TUI-Konzerns. Quelle: dpa
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Wenn Unternehmen neue Mitarbeiter suchen, stehen ihnen mehrere Wege offen: Die einen schalten eine Anzeige in der Tageszeitung, andere bedienen sich der einschlägigen Portale im Internet – und wer es sich leisten kann, schaltet einen Headhunter ein. Für die TUI kommt das offenbar nicht infrage. Der Konzern ist auf Sparkurs und verzichtet inzwischen auf Kopfgeldjäger. Das ist auch deshalb konsequent, weil man die Kandidaten für die wirklich wichtigen Stellen immer am gleichen Ort findet: in Düsseldorf, Ferdinand-Braun-Platz 1 – am Sitz von Vodafone.

Den Anfang machte der Chef selbst: Bevor Friedrich Joussen vor rund einem Jahr bei der TUI die Nachfolge von Michael Frenzel antrat, kannte er die Reisebranche nur als Kunde – in seinem Managerleben davor ging es um den Verkauf von Telefonminuten. Erst als Marketing-Mann von Mannesmann, später als Chef von Vodafone Deutschland.

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Nach seinem Wechsel nach Hannover ist Joussen schnell aufgefallen, dass beide Branchen komplett anders ticken – statt einer flachen Hierarchie und kurzer Entscheidungswege stieß er bei der TUI auf lange Gänge, viele Gremien und noch mehr Marken. Um das zu ändern, holte Joussen neue, altbekannte Gesichter in eine Zentrale. An Sebastian Ebel zum Beispiel konnten sich die meisten Mitarbeiter noch gut erinnern. Der Manager saß bereits von 1999 bis 2006 im Vorstand der TUI, wechselte dann zu Vodafone und kehrte im Februar 2013 als „Operating Performance Director“ und Leiter der Hotelsparte zurück.

Nur wenige Monate später musste man sich in der Konzernzentrale einen weiteren kunstvollen Titel ausdenken, um auch Thomas Ellerbeck aus Düsseldorf weglocken zu können: Joussens Vertrauter heuerte schließlich als „Director Group Corporate & External Affairs“ an. Und weil ein Kommunikations-chef nicht mit allen reden kann und will, brachte er mit Michael Röll und Kuzey Esener gleich zwei Pressesprecher mit – natürlich von Vodafone. Vor ihrem Engagement in Düsseldorf waren beide schon einmal bei der TUI.

Erik Friemuth, die jüngste Neuerwerbung, muss ohne diesen Heimvorteil an den Start gehen – der künftige „Chief Marketing Officer“ kann dieses Manko aber dadurch kompensieren, dass auch er von Vodafone kommt. Der 46-Jährige soll erstmals die Markenpflege des Konzerns, der Londoner Tochter TUI Travel, der eigenen Hotelketten sowie der Kreuzfahrer von Hapag-Lloyd und TUI Cruises in einer Hand bündeln. Diese Aufgabe kennt er bereits aus Düsseldorf – allerdings mit nur einer Marke.

Joussen, der sich als „Angriffskrieger“ versteht, ist in Hannover als Einzelkämpfer gestartet. Inzwischen hat er seine Machtbasis mithilfe seiner speziellen Düsseldorf-Connection verbreitert. Von den acht Mitgliedern des „Management Board“, eine Art erweiterter Vorstand, können jetzt vier eine Vergangenheit bei Vodafone nachweisen.

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