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Weltweit Die bestechlichen Pharmakonzerne
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15:39 23.07.2013
Foto: Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (hier mit einer Filiale in Shanghai) steckt mitten im korrupten Gesundheitswesen Chinas fest.
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (hier mit einer Filiale in Shanghai) steckt mitten im korrupten Gesundheitswesen Chinas fest. Quelle: dpa
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Peking

Ärzte müssen mit „roten Umschlägen“ voller Geld geschmiert werden. Gerne verschreiben sie reichlich teure Medikamente - weil sich die Hersteller erkenntlich zeigen: Das chinesische Gesundheitswesen ist zutiefst korrupt. In diesem Sumpf steckt der britische Pharmariese GlaxoSmithKline (GSK), der erstmals die Verwicklung seiner Spitzenmanager in die Korruption in China einräumen musste.

„Bestechung ist weit verbreitete Praxis von Pharmaunternehmen - egal, ob es ausländische oder chinesische Firmen sind“, schildert der Gesundheitsexperte Zhang Lufa von der Jiaotong Universität in Shanghai. Der Markt im Milliardenreich ist heiß umkämpft und vielversprechend: China wird Japan bis 2016 als zweitgrößten Medikamentenmarkt nach den USA überholen, sagen Experten voraus.

Seit Wochen laufen die Ermittlungen in dem Bestechungsskandal. Vier chinesische GSK-Topmanager sind in Haft. Finanzchef Steve Nechelput darf China nicht verlassen, auch wenn nicht direkt gegen ihn ermittelt wird. Die Ermittler werfen dem Konzern vor, seit sechs Jahren über Mittelsmänner in Reisebüros und Beratungsunternehmen rund drei Milliarden Yuan (370 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern an Ärzte, Krankenhausmitarbeiter oder hohe Beamte gezahlt zu haben.

Der Pharmakonzern will jetzt reinen Tisch machen, entschuldigte sich und versprach volle Kooperation mit den Behörden. Von den illegalen Praktiken seiner Manager in China will Abbas Hussein, der Glaxo-Verantwortliche für Schwellenländer, nichts gewusst haben. Führungskräfte scheinen sich „außerhalb unserer Verfahren und Kontrollen bewegt zu haben, was chinesische Gesetze gebrochen hat“. Wie dem Konzern aber selbst die dubiosen Zahlungen in mehrstelliger Millionenhöhe entgangen sein sollen, lässt der Spitzenmann offen.

Glaxo ist wohl eher zufällig durch Auffälligkeiten in einem Reisebüro in Shanghai ins Fadenkreuz geraten. Der Fall könnte weitere Kreise ziehen. Auch andere Pharmakonzerne haben mit dem zwielichtigen Reisebüro kooperiert, das im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. „Es ist nicht so, dass Glaxo besonders massiv geschmiert hätte oder andere nicht das gleiche täten“, meinte Experte Zhang Lufa. Die Ursache des Problems liege im System.

In China verdienen Ärzte und Schwestern schlecht. Die Regierung investiert zu wenig in Krankenhäuser. Mindestens die Hälfte ihrer Finanzierung beziehen Hospitäler aus dem Verkauf von Medikamenten. Medizin wird meist nicht über Apotheken wie in anderen Ländern verkauft, sondern zu 70 bis 80 Prozent über Krankenhäuser. „Welche Medizin ist nötig? Wie viel? Das alles hängt von den Ärzten und Kliniken ab“, sagte Zhang Lufa. „Das ist die Wurzel der Bestechung.“

Überhaupt sind die medizinischen Leistungen für das Milliardenvolk alles andere als ausreichend. Es herrscht Bettenmangel. „Wenn Patienten dringend eine Operation benötigen, müssen sie Schmiergeld für ein Bett bezahlen oder lange warten“, sagte der Forscher. „Bestechung ist weit verbreitet.“ Am Ende lässt dieses fragwürdige System die Patienten finanziell bluten, da sie einen großen Teil der Kosten aus eigener Tasche zahlen müssen.

Reuig schildert der GSK-Manager Liang Hong im Staatsfernsehen, dass Bestechung die Preise für Medizin im Schnitt um 20 Prozent erhöht. „Es ist normal für Vertriebsleute, Geld über verschiedene Wege wie akademische Konferenzen oder Beratungsgebühren an Ärzte zu schleusen.“ Er schildert auch, Beamte in Genehmigungsbehörden geschmiert zu haben. Um Kontakte zu Regierungsstellen zu unterhalten, sei eben Geld nötig, das „normalerweise nicht als Ausgaben des Unternehmens“ deklariert werden könne, sagte der Manager.

Vertriebsleute von Pharmakonzernen verraten in Staatsmedien anonym, das kreative Wege für die Korruption gefunden werden müssten. „In den meisten Fällen dringen die Ärzte nicht ausdrücklich auf Geld, aber es ist sicher, dass sie keine Produkte von denen bestellen, die ihnen keine „guten Gewinne“ geben.“ Das harte Vorgehen gegen den britischen Pharmariesen diene jetzt wohl der „Abschreckung“, meinte Forscher Zhang Lufa. „Aber ich glaube nicht, dass der Fall etwas bewirkt, solange sich das System nicht ändert.“

dpa

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