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Weltweit Pleite? Nein!
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07:46 28.07.2014
Immer noch fit: Thomas Mittelhoff. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Wartenden Journalisten entging der 61-Jährige danach mit einer Klettertour durchs Fenster. Er stehe aber keineswegs vor dem finanziellen Ruin, betonte Middelhoff am Wochenende. Sein Problem sei, dass er an seine Liquidität nicht herankomme. Auf die Frage: „Sind Sie pleite?“, erwiderte er: „Ganz klare Antwort. Nein.“

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße“, berichtete Middelhoff von seinem Gerichtstermin. „Vor dem Gerichtsgebäude lauerten Journalisten, die mich mit ihren Fotoapparaten abschießen wollten wie Freiwild.“ Das habe er sich und seiner Familie nicht antun wollen, sagte der Vater von fünf Kindern. Als er dann wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sei er „fröhlich pfeifend“ zu einer Nebenstraße gegangen. Dort habe er ein Taxi herbeigewunken und sei dann später nach London geflogen.

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Schon vor seiner Arcandor-Zeit gehörte Middelhoff als Bertelsmann-Chef zu den bestbezahlten deutschen Managern. Allein der für das Unternehmen sehr lukrative Ein- und Ausstieg beim Onlinedienst AOL brachte ihm eine Prämie in zweistelliger Millionenhöhe. Seine aktuelle Finanzlage schildert er so: Ein „ehemaliger Geschäftsfreund“ – der Unternehmensberater Roland Berger, mit dem er eine Investmentfirma in London betreibt – verlange 7,5 Millionen Euro, von denen rund 2 Millionen durch Sicherheiten gedeckt seien.

Sein früherer Vermögensverwalter Josef Esch fordere 2,5 Millionen Euro und der Arcandor-Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro, die durch seine Managerversicherung abgedeckt seien. Die inzwischen zur Deutschen Bank gehörende  Sal. Oppenheim will von Middelhoff rund 70 Millionen Euro. Esch und Sal. Oppenheim hatten Immobilienfonds aufgelegt, an denen sich auch das Ehepaar Middelhoff beteiligte.

Umgekehrt fordert Middelhoff allerdings nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Euro. „Ich glaube, das ist eine noch immer überschaubare Relation.“ Sein Problem sei, dass er an seine Liquidität nicht herankomme, die von der Bank Sal. Oppenheim blockiert werde – „widerrechtlich, wie meine Anwälte und ich meinen. Seit fünf Jahren komme ich nicht an mein Geld.“ Er erwarte noch in diesem Jahr eine erstinstanzliche Klärung.

Middelhoff will nun Wege finden, wie er bestehende Forderungen bedienen kann. „Dazu bin ich gerne bereit. Und an der Umsetzung arbeiten wir mit Hochdruck.“ Er habe noch ausreichend andere Vermögenswerte.
Daneben sieht er sich strafrechtlichen Vorwürfen gegenüber. An diesem Montag geht es im Landgericht Essen wieder um die Frage, ob er sich als Arcandor-Chef der Untreue schuldig machte. Kosten von mehr als einer Million Euro – vor allem für Flüge – stuft die Staatsanwaltschaft als privat veranlasst ein.

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