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Weltweit Paukenschlag bei Prokon
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Paukenschlag bei Prokon
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21:33 22.07.2014
Mehrere Tausend Prokon-Gläubiger sorgen sich in einer Hamburger Messehalle um ihr Geld – sie sollen nur einen Bruchteil zurückbekommen. Quelle: dpa
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Hamburg / Hannover

Der Hamburger Rechtsanwalt wurde in seinem Amt bestätigt und erhielt den Auftrag, seinen Sanierungsplan auszuarbeiten, wie Teilnehmer berichteten.

Zu der nicht öffentlichen Gläubigerversammlung seien 2350 stimmberechtigte Gläubiger aus ganz Deutschland gekommen, sagte eine Sprecherin des zuständigen Amtsgerichts Itzehoe am Abend. Teilnehmer sprachen von mehr als 5000 Anwesenden. Die Gerichtssprecherin sagte, in Hamburg seien 29 600 Gläubiger vertreten worden. Das stimmberechtigte Kapital habe knapp 705 Millionen Euro betragen.

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Die „Freunde von Prokon“ – mit 427 Millionen Euro Kapital die stärkste Gruppe – zeigten sich erfreut, dass Penzlin nun seine Vorstellungen weiter umsetzen kann. Prokon hat rund 75 000 Gläubiger. Sie hatten etwa 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte in der heute überschuldeten Firma angelegt. Sie dürften einen großen Teil ihres Kapitals verlieren. Anfang 2015 soll endgültig über den Insolvenzplan abgestimmt werden.

Mit dem Beschluss der Gläubigerversammlung setzte sich der Insolvenzverwalter gegen den früheren Prokon-Chef Carsten Rodbertus durch. Dieser hat andere Vorstellungen zur Sanierung des Unternehmens und will Prokon als Ganzes erhalten. Dagegen hält Penzlin den Verkauf von Teilen des Unternehmens für notwendig, um damit Forderungen abzulösen. Das Kerngeschäft mit Windkraftanlagen will Penzlin fortsetzen und 300 von ursprünglich 450 Arbeitsplätzen erhalten.

Zum Auftakt der Gläubigerversammlung hatte das Amtsgericht Itzehoe kurzerhand 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte ausgeschlossen. Beantragt hatte dies die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie stößt sich daran, dass die entsprechenden Vollmachten einem Rodbertus-Vertrauten erteilt worden sind. Hier liege ein „offensichtlicher Interessenskonflikt“ vor, erklärte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding. Der Ex-Prokon-Chef habe die Stimmrechte nicht selbst einsammeln dürfen, weil er als ehemaliger Geschäftsführer der Schuldnerin als Bevollmächtigter zur Vertretung von Gläubigern im Insolvenzverfahren ausgeschlossen ist. Rodbertus sei somit bereits gesetzlicher Vertreter einer Partei. „Entsprechendes gilt für einen von ihm vorgeschobenen Strohmann“, sagte Nieding.

Die Gläubiger hatten sich nach der Prokon-Pleite in zwei verfeindete Lager gespalten. Auf der einen Seite stehen die Anhänger von Rodbertus. Auf der anderen haben der Insolvenzverwalter, der Investorenverein „Freunde von Prokon“ sowie die Anlegergemeinschaften DSW und SdK ihre Kräfte gebündelt: Sie halten nur das Kerngeschäft mit den Windparks für sanierungsfähig. Rodbertus sieht darin eine Zerschlagung des Unternehmens und hat in den vergangenen Wochen in Rundbriefen und über das Internet bei den Anlegern dafür geworben, den Insolvenzverwalter abzuwählen. Penzlin, so der Vorwurf, wolle Teile von Prokon „zu Ramschpreisen an die Finanzindustrie“ verscherbeln und die Gläubiger so „um ihr Geld“ bringen, wie es in einem der Schreiben heißt, das der HAZ vorliegt.

Die „Freunde von Prokon“ waren ursprünglich als Unterstützer von Rodbertus gestartet – nach der Pleite haben sie sich immer mehr von ihm distanziert. „Er war ein pfiffiger Unternehmer“, sagte am Dienstag die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Ganseforth, die in Hannover zu „Freunde“-Treffen einlädt. „Aber Rodbertus hat Fehler gemacht und sollte sich jetzt lieber zurückziehen.“ Daran denkt dieser aber nicht – auch wenn sich seine Anwälte gestern vergeblich darum bemühten, mit Befangenheitsanträgen die 15.000 „eigenen“ Stimmen doch noch ins Spiel zu bringen.

Almut Kipp und Jens Heitmann

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