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Weltweit Grillsaison könnte teurer werden
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Grillsaison könnte teurer werden
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20:02 14.06.2019
Wird das Grillen bald teurer? Experten nehmen an, dass auch der Lebensmitteleinzelhandel bald die Fleischpreise anhebt. Quelle: Martin Schutt/dpa
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Hannover

Mitten in der Grillsaison könnten Würste und Koteletts teurer werden. Nachdem die Erzeugerpreise für Schlachtschweine in den vergangenen Monaten um knapp ein Drittel gestiegen sind, wollen die Schlachtereien ihre höheren Kosten an den Lebensmitteleinzelhandel weitergeben. Entsprechende Verhandlungen liefen bereits, verlautete am Freitag aus der Branche. Solche Preiserhöhungen wiederum dürften sich auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen: „Alle warten jetzt darauf, was Aldi Nord macht“, hieß es. Sollte der Discounter die Preise anheben, würden Edeka und Co. folgen.

Für den Anstieg der Schweinepreise gibt es zwei Gründe: Zum einen fehlt es an Ferkeln, weil viele Schweinehalter ihre Bestände deutlich verkleinert haben oder ganz aus der Zucht ausgestiegen sind. Zum anderen hat die Nachfrage aus China stark zugenommen, weil dort die Bestände durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest deutlich minimiert worden sind. China muss Schweinefleisch aus anderen Ländern zukaufen.

Preise in China ziehen deutlich an

Vor dem Ausbruch der Seuche gab es in China 500 Millionen Schweine. Etwa ein Drittel der Tiere könnte nach Einschätzung von Experten der Rabobank mit dem Virus infiziert sein; dies entspricht in etwa dem Bestand in der Europäischen Union. Inzwischen liegen die Preise für Schweinefleisch in der Volksrepublik um 40 Prozent höher als vor einem Jahr; allein im vergangenen Monat stiegen sie um mehr als 14 Prozent. „Man darf den China-Effekt aber nicht überbewerten“, sagte jedoch Matthias Kohlmüller, Fleischexperte bei der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI). „Für den Export dorthin haben nur wenige Lieferanten die nötige Lizenz.“

Entscheidender ist aus Sicht der Branchenkenner deshalb der Rückgang der Zucht in Europa. Laut der jüngsten Viehzählung sind allein im vergangenen Jahr in Deutschland, Dänemark, Polen und den Niederlanden die Bestände um 350.000 Sauen gesunken – ein Minus von 7 Prozent. Wegen der zwischenzeitlich sehr niedrigen Ferkelpreise hat sich die Zahl der Sauenhalter in Niedersachsen von 2010 bis heute fast halbiert auf 1750.

In Europa fehlen die Ferkel

Nun können sie die wachsende Nachfrage nicht mehr erfüllen – folglich steigen die Preise: Für ein 25 Kilogramm schweres Ferkel zahlt man in Norddeutschland inzwischen mehr als 60 Euro. Im Süden nähert sich der Preis der Marke von 70 Euro – noch im Herbst waren es weniger als 30 Euro. Der Preis für Schlachtschweine hat sich nach AMI-Angaben seit Jahresbeginn um 43 Cent auf 1,80 Euro je Kilogramm erhöht.

Dieser Anstieg habe viele Schlachtbetriebe auf dem falschen Fuß erwischt, hieß es. Besonders für Mittelständler ohne China-Lizenz könne es eng werden: Sie hätten ihre Lieferverträge für Wurst und Fleisch mit dem Lebensmitteleinzelhandel vor Monaten auf der Basis deutlich niedrigerer Preise abgeschlossen und säßen nun in der Klemme. „Mitleid haben wir aber nicht“, sagte ein Schweinezüchter: „Als es uns schlecht ging, hat man uns auch nicht geholfen.“

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