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Weltweit Hacker greifen deutsche Energieversorger an
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12:21 15.06.2018
Eine Starkstromleitung. Quelle: dpa
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Bonn

Hacker kapern ein Stromnetz, legen Umspannwerke und Schaltanlagen lahm – stundenlang fällt der Strom aus. Was im Dezember 2015 in der Ukraine geschah, ist auch in Deutschland denkbar. Erst am Mittwoch hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erneut vor einer Angriffswelle auf die deutschen Energieversorger gewarnt.

In die Büro-Netzwerke einiger Unternehmen seien Angreifer bereits eingedrungen. In zentrale Bereiche der Stromversorgung hätten es die Hacker noch nicht geschafft, aber das sei „womöglich nur eine Frage der Zeit“, warnte BSI-Chef Arne Schönbohm. „Diese Angriffe zeigen, dass Deutschland mehr denn je im Fokus von Cyber-Angriffen steht.“ Es sei ein deutliches Signal an die Unternehmen, ihre Computersystem noch besser zu schützen.

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Schutz vor Cyber-Angriffen wird zur Herkulesaufgabe

Der Schutz vor schwerwiegenden Cyber-Angriffen ist nach Einschätzung von Norbert Pohlmann, Professor am Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, bisher auch deshalb gelungen, weil viele Stromnetze noch voneinander abgeschottet sind. Die Wahrscheinlichkeit solcher Angriffe werde mit der Digitalisierung aber steigen. „Der Schutz der Netze wird zu einer Herkulesaufgabe, denn die Angreifer werden immer intelligenter“, warnt er.

Wie schützen sich Stromkonzerne?

Damit es nicht zu einem Blackout kommt, bauen die Stromkonzerne ihre Sicherheitskonzepte ständig aus. Bei Innogy, Deutschlands größtem Stromnetzbetreiber, kümmern sich in der Konzernzentrale rund 130 Spezialisten um die Sicherheit im mehr als 460 000 Kilometer langen Innogy-Stromnetz in Deutschland und Osteuropa. Sie werden schon misstrauisch, wenn einer der rund 40 000 Innogy-Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit mehrfach ein neues Passwort anfordert. „Da schauen wir nach, ob es den wirklich gibt und was der Grund ist“, sagt Florian Haacke, Leiter der Konzernsicherheit. Fälle dieser und ähnlicher Art gibt es bei Innogy etwa 1000 pro Quartal. Mit schwerwiegenderen Störungen und Bedrohungen, die genau unter die Lupe genommen werden, haben es die Experten aus seinem Team fünf bis zehn Mal in einem Quartal zu tun.

Das neueste Projekt der Essener: Ein Trainingszentrum, in dem Mitarbeiter aus den Leitstellen der Netze im Erkennen und Abwehren von digitalen Angriffen geschult werden. Gemeinsam mit der israelischen Firma Cybergym baut Innogy in Frankfurt ein solches Schulungszentrum auf. Komplexe Cyber-Angriffe sollen dort nachgeahmt werden. „Die Teilnehmer werden dabei auch real unter Stress gesetzt, um die physikalischen Auswirkungen von Cyber-Angriffen deutlich zu machen. Die Heizung geht beispielsweise an, ein Pumpensystem lässt sich nicht mehr abschalten“, beschreibt Haacke die Übungen.

Netze müssen „resilent“ werden

Der Schutz der Energienetze durch technische Mittel wie Datenverschlüsselung, Firewalls und Virenscanner reicht nach Einschätzung des IT-Branchenverbands Bikom allein nicht mehr aus. Die Netze müssten „resilient“ werden, also bei Störungen ihre grundlegenden Funktionsfähigkeit erhalten oder zumindest eigenständig wiederlangen können, heißt es in einem Bitkom-Papier. „Wenn ein Cyberangriff erfolgreich ist, droht im traditionellen System eine Ausbreitung in der Fläche. Ein resilientes System erkennt einen Cyberangriff rasch, verhindert die Ausbreitung und behebt die Störung schnell“, sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder bei der Vorstellung des Papiers. Durch eine Echtzeitanalyse aller Datenströme in den digitalisierten Netzen werde das möglich sein.

Und noch eine Schwachstelle müsste nach Ansicht von Haacke schnell abgestellt werden: Die oft zu späte Information durch die Hersteller von Soft- und Hardware über Sicherheitslücken in ihren Produkten. „Sie müssten gesetzlich verpflichtet werden, ihre Erkenntnisse unverzüglich an ihre Kunden weiterzugeben“, fordert der Innogy-Sicherheitschef.

Von RND/dpa

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