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Weltweit Handelsstreit mit China: Sind Trumps Zölle eine Erfolgsstory?
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Handelsstreit mit China: Sind Trumps Zölle eine Erfolgsstory?
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15:06 08.08.2019
USA oder China – wer gewinnt im Handelsstreit? Quelle: imago images / photothek
Washington

Die Wirtschaftsdaten in der vergangenen Woche sahen wirklich erfreulich aus für einen US-Präsidenten, der wiedergewählt werden will. Ein robustes Wachstum. Die bislang längste andauernde wirtschaftliche Expansion. Steigende Aktienpreise. Steter Zuwachs an Arbeitsplätzen. Zunehmende Ausgabenfreude der Verbraucher. Insgesamt ein robustes Wachstum. Eine Erfolgsstory also, die Donald Trump laut Wahlvorhersagen auf der Basis der Wirtschaft gut und gerne eine zweite Amtszeit bescheren könnte - sofern er auf Nummer Sicher geht.

Aber stattdessen startete Trump eine neue Runde im Handelsstreit mit China, verhängte neue Strafzölle von 10 Prozent auf chinesische Importe im Wert von rund 300 Milliarden Dollar – in der Hoffnung, den Handelsstreit gewinnen zu können.

Die US-Wirtschaft reagierte in der vergangenen Woche fast unmittelbar. Aktienpreise gingen in den Keller. Einzelhändler sagten Preiserhöhungen voraus. China wertete seinen Yuan stark ab, was zum Wochenauftakt zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führte. Trump sprach von einer bewussten „Währungsmanipulation“, Peking widersprach, aber so oder so: Ein drastisches Absinken des Yuan könnte als Nebenwirkung das US-Wirtschaftswachstum abschwächen. Investoren fragen sich, was noch kommt.

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Auch in der Bevölkerung sind Trumps Zollmaßnahmen wenig populär. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Associated Press und der Forschungsgruppe NORC vom Juni zufolge finden es zwar 47 Prozent der Amerikaner gut, wie der Präsident die Wirtschaft handhabt. Aber nur 15 Prozent der Befragten äußerten die Überzeugung, dass Strafzölle ihnen persönlich helfen würden und nur 26 Prozent versprechen sich einen Nutzen für die gesamte US-Wirtschaft.

Risiken werden größer

Trumps Hang zur Verbreitung von Unsicherheit macht es schwer vorauszusehen, wie weit er mit Blick auf die Wahl 2020 in Sachen China gehen mag. Aber „je stärker man diesen Konflikt vertieft oder ausweitet, desto größer das Risiko von Missverständnissen, Fehlkalkulationen und unbeabsichtigten Folgen“, sagt etwa Mike Ryan, Investmentexperte für Amerika beim Finanzdienstleiter UBS Global Wealth Management.

Derzeit gibt es eine Reihe verschiedener Szenarien. Trump könnte es gelingen, China zu einer für die USA günstigen Handelsvereinbarung zu zwingen. Er könnte politisch leiden, wenn die Zölle US-Bauern, Erzeugern und Verbrauchern schaden. Vielleicht lässt sich Trump auf einen oberflächlichen Deal ein, um dann möglicherweise auf der Welle einer Rallye am Aktienmarkt zum Wahlsieg zu reiten. Oder er könnte den Grundstein für eine globale Rezession legen, die dann früher oder später die USA erfasst.

Neue Zölle im September

Die neuen Strafzölle sollen am 1. September in Kraft treten, nachdem Trump bereits zuvor Importe aus China im Wert von 250 Milliarden Dollar mit einem Strafzoll von 25 Prozent belegt hatte. Und Trumps wirtschaftlicher Chefberater Larry Kudlow warnte, dass es noch zu Verschärfungen kommen könnte, sollten für September geplante Handelsgespräche scheitern.

Dabei ist es zunehmend Trump persönlich, der die Richtung des China-Kurses bestimmt, die Verhandlungsziele und etwaigen Strafmaßnahmen. Und er sitzt zwischen zwei Stühlen, wie Mitarbeiter sagen: Er hat den Wunsch, weiter hart zu erscheinen, aber ist sich auch der politischen sowie wirtschaftlichen Realitäten eines langen Handelskrieges bewusst - auch wenn er immer wieder betont, dass Chinas Wirtschaft einen höheren Preis bezahle als die der USA.

Wer zahlt den höheren Preis?

In der jüngsten Zeit hat sich der Präsident auf eine zweigeteilte Botschaft verlegt. Er erklärt, dass China unbedingt einen Deal wolle, aber er ist es, der abwartet, um mehr für die amerikanische Seite zu erreichen. Trump sagt zugleich, dass China in der Hoffnung auf einen Regierungswechsel bei der Wahl 2020 auszuharren versuche und er deshalb den Druck weiterhin erhöhen werde.

Die gegensätzlichen Argumente deuten Insidern im Weißen Haus zufolge darauf hin, dass der Präsident mit seinen öffentlichen Äußerungen auf zwei Zuhörergruppen abzielt - namentlich die chinesischen Verhandlungspartner und seine eigene politische Basis.

Trump will keine Schwäche zeigen

Die Realität, so sagen sie, liegt irgendwo in der Mitte. Der Präsident versuche, den schnellstmöglichen Ausweg aus dem Handelskrieg zu finden, der ihn nicht als schwach erscheinen lasse. Aber das sind zwei Prioritäten, die sich vielleicht nicht kurzfristig unter einen Hut bringen lassen. Außerdem ist Trump ja nicht der einzige Spieler: China könnte sehr wohl Vergeltung für die neuen Strafzölle üben und direkten Druck auf US-Unternehmen ausüben.

Peking hat bereits mit Importzöllen auf US-Waren im Wert von 110 Milliarden Dollar reagiert, aber könnte auch zu anderen Maßnahmen greifen - etwa Verzögerungen bei Zollabfertigungen oder vorgeschriebenen Lizenzierungen.

Wahlmodelle auf der Basis der Wirtschaftsdaten sehen zweifellos gut aus für Trump. Professor Ray Fair von der Yale-Universität etwa hat herausgefunden, dass die Demokraten bei der Präsidentenwahl nur auf 46,2 Prozent kämen, würde das Votum primär auf der gegenwärtigen wirtschaftliche Lage beruhen. Das wäre weniger als die 48,2 Prozent, auf die Hillary Clinton bei der Wahl 2016 kam.

„Alptraum-Szenario“

Fair warnt aber, dass die neuen Zölle ein „unwahrscheinliches, aber glaubwürdige Alptraum-Szenario“ darstellten, in dem China in eine Rezession fällt und die Wirtschaft der USA in Mitleidenschaft gezogen wird. „Es ist nicht so, dass wir China nicht zu Fall bringen können“, sagt der Experte. „Aber wir können China nicht zu Fall bringen ohne uns selber zu Fall zu bringen.“

Wie schwer das wird, illustrieren auch jüngste Zahlen aus China: Zwar sanken die Importe im Juli aus den USA deutlich um fast ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahresmonat, auch die Exporte in die Vereinigten Staaten nahmen um fast 7 Prozent ab.

Doch wirklich hart trifft das Chinas Wirtschaft nicht: Die Ausfuhren des Landes stiegen insgesamt um mehr als drei Prozent. Das Land der Mitte sucht sich also einfach andere Handelspartner.

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Von RND/AP