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Weltweit Rückversicherer lässt sich von Coronakrise nicht schrecken
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Rückversicherer lässt sich von Coronakrise nicht schrecken
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20:30 11.03.2020
Der Hurrikan „Dorian“ hat die Hannover Rück im Herbst 2019 mit 195 Millionen Euro belastet. Quelle: Ramon Espinosa/AP/dpa
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Hannover

Der Rückversicherer Hannover Rück zeigt trotz der Coronavirus-Epidemie und den Turbulenzen an den Finanzmärkten keine Angst vor 2020. „Stand heute gehen wir nicht von Belastungen für unser Unternehmen in größerem Umfang aus“, sagte der Chef des weltweit drittgrößten Rückversicherers, Jean-Jacques Henchoz, am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Hannover. Für das laufende Jahr peile man weiter einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro an – sofern die Großschäden nicht zu heftig ausfallen und es keine „außergewöhnlich negative Entwicklungen an den Kapitalmärkten“ gebe.

Obwohl das Coronavirus zunehmend Teile des öffentlichen Lebens lahm legt, erwartet die Hannover Rück nicht, dass die Folgen der Epidemie ihr in diesem Jahr besonders schwer zu schaffen machen. Zwar könnten die Absage von Großveranstaltungen und Produktionsstopps in Unternehmen den Rückversicherer insgesamt mit bis zu rund 200 Millionen Euro belasten, sagte Henchoz. Das sei aber bereits das obere Limit. Selbst wenn die Olympischen Spiele in Tokio ausfallen würden, koste dies die Hannover Rück voraussichtlich nur einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

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Hannover Rück hat sich selbst rückversichert

In der Lebens-Rückversicherung rechnet Vorstandsmitglied Klaus Miller aus derzeitiger Sicht mit keinen Belastungen durch Corona. Bis ein Rückversicherer von Erstversicherern wie Allianz oder Axa in Anspruch genommen würde, brauche es sehr viele versicherte Todesfälle, sagte Miller. Für den Extremfall einer Pandemie mit sehr vielen Toten habe sich die Hannover Rück selbst Versicherungsschutz im dreistelligen Millionenbereich eingekauft, der Fälle in den USA, Großbritannien und Australien abdecke.

Auch der jüngste Kursrutsch an den Aktienmärkten trifft den Rückversicherer zunächst nicht. „Wir haben im Moment keine börsennotierten Aktien im Bestand", sagte Finanzvorstand Roland Vogel. Sollten die Aktienkurse allgemein auf ein „attraktives“ Niveau fallen, könnte er sich auch vorstellen, wieder bis zu 3 Prozent der Kapitalanlagen des Konzerns in Aktien zu stecken. Bei einer weiteren Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) entstünden bei den Anleihen im Bestand sogar noch höhere stille Reserven, die man bei Bedarf auflösen könne.

Dividende für Aktionäre steigt erneut

Die Aktionäre sollen abermals eine höhere Dividende erhalten. Die Ausschüttung je Aktie soll um 25 Cent auf 5,50 Euro je Aktie steigen. Auch wenn in der Summe erneut eine Sonderdividende enthalten ist, zeigte sich Finanzchef Vogel zuversichtlich, die Ausschüttung je Aktie auch in den kommenden Jahren mindestens stabil zu halten. Hauptprofiteur davon ist der Versicherungskonzern Talanx, dem gut die Hälfte der Hannover-Rück-Aktien gehören.

Im vergangenen Jahr steigerte die Hannover Rück ihren Nettogewinn um rund ein Fünftel auf 1,28 Milliarden Euro. Dabei profitierte sie von einem positiven Sondereffekt im Zusammenhang mit dem Lebensversicherer Generali Leben. Dieser wurde 2019 von dem Abwickler Viridium übernommen, der von Hannover Rück und dem Finanzinvestor Cinven gegründet worden war.

Der Kommentar

Von Thomas Kaufner